Kanal 3: Kaiserslauterns offene Werkstatt verbindet Lasercutter, Reparatur und Hochschulideen
Wer in Kaiserslautern keinen eigenen Keller, keine Werkbank und schon gar keine Lasermaschine hat, muss seine Ideen nicht länger auf später verschieben. Im Untergeschoss der VHS in der Kanalstraße 3 steht mit „Kanal 3“ eine offene Werkstatt für Lernen, Arbeiten, Experimentieren, Reparieren und gemeinschaftlichen Austausch. Der Makerspace besteht seit dem 8. November 2025 und ist längst mehr als eine Ansammlung von Geräten: Menschen helfen einander, tüfteln gemeinsam und reden sich bei Problemen nicht selten bis zur Lösung durch.
Für private Projekte kostet die Nutzung 19 Euro im Monat. Eine einzelne Nutzungsstunde gibt es für 4 Euro, der Lasercutter kostet 8 Euro pro Stunde. Studierende erhalten eine Ermäßigung. Besichtigungen sind während der Öffnungszeiten ohne vorherige Anmeldung möglich; auch für die Nutzung ist keine Voranmeldung erforderlich. Geöffnet ist montags bis freitags von 8 bis 18 Uhr, dienstags sogar bis 20 Uhr. Während dieser Zeiten ist immer eine Ansprechperson vor Ort – freiwillige Helfende oder VHS-Personal. Bei Spezialfragen können Fachleute aus der Community vermittelt werden.
Vom T-Shirt bis zum Handy-Display
Die Ausstattung liest sich ein bisschen wie eine Wunschliste für Menschen, die ungern Dinge wegwerfen oder fertige Produkte einfach kaufen. Zum Laserschneiden und -gravieren stehen ein xTool P2S und ein xTool F1 Ultra bereit. Der P2S hat eine Arbeitsfläche von bis zu 330 × 630 Millimetern und bearbeitet Holzwerkstoffe sowie die meisten Kunststoffe; sein 55-Watt-CO₂-Laser schafft auch dickere Materialien. Der F1 Ultra arbeitet auf bis zu 220 × 220 Millimetern mit einem 20-Watt-Faserlaser und einem 20-Watt-Diodenlaser. Damit lassen sich Holzwerkstoffe, Kunststoffe und die meisten Metalle bearbeiten.
Beim 3D-Druck stehen BambuLab H2D und P2S zur Verfügung. Der Bauraum misst 350 × 320 × 325 Millimeter, gedruckt werden kann mit verschiedenen Kunststoffen und in mehreren Farben. Die Maschinen sind laut VHS auch für Einsteiger geeignet. Gefragt sind sie ohnehin: Wer loslegen möchte, muss sich in einen Zeitplan eintragen. Sonst wird es eng.
Für Folien gibt es einen Cricut Maker 4. Er schneidet Vinylfolien für glatte Oberflächen, Aufbügelfolien für Textilien, Folien zum Bedrucken von Tassen, Tonpapier und Filz. Mit einem Stifthalter sind außerdem Kalligrafie und Zeichnungen möglich – der T-Shirt-Aufdruck ist also nur der Anfang.
In der Näh- und Textilecke stehen mehrere klassische Nähmaschinen, eine Bügelstation, Bügeleisen, Stoffarbeitsplätze und ein Zuschneidetisch. Laser und Folienplotter lassen sich mit den Textilarbeiten kombinieren. Geplant ist ein dritter Raum speziell für Textilarbeiten, damit Stoffe nicht neben der staubintensiven Holz- und Metallbearbeitung liegen. Eine computergesteuerte Stickmaschine könnte die Nähmaschinen künftig ergänzen. Beim Ausbau sollen die Nutzerinnen und Nutzer mithelfen; der Raum wäre damit das erste größere Community-Projekt des Makerspaces.
Auch Reparaturen gehören zum Alltag. Die Elektronik-Werkstatt hat zwei Lötarbeitsplätze, einer davon mit Digitalmikroskop. Umfangreiches iFixit-Werkzeug erleichtert Reparaturen an Handys und ähnlichen Geräten, darunter Akku- und Displaytausch. Für Fahrräder gibt es spezialisierte Werkzeuge; gearbeitet werden kann im Innenhof, die Räder müssen also nicht ins Gebäude.
In der Metallwerkstatt liegen Handwerkzeuge und Akkumaschinen, außerdem gibt es eine größere Säulenbohrmaschine. Fräsen und Schweißen sind derzeit nicht möglich. Die Holzwerkstatt ist mit hochwertigen Handwerkzeugen für kleinere Projekte ausgestattet. Ein sechstüriger Kleiderschrank gehört ausdrücklich nicht zum vorgesehenen Programm. Für solche Vorhaben wäre der Platz wohl auch eher knapp.
Eine Werkstatt mit eigener Schatzkiste
Der Makerspace wird von Kindern bei Bastelworkshops ebenso genutzt wie von Erwachsenen. Freiwillige Helfer berichten von einer aktiven Community, in der man sich bei kniffligen Fragen unterstützt. In der „Schatzkiste“ sammeln sich Reststücke und Materialspenden aus abgeschlossenen Projekten. Alles kann kostenlos mitgenommen, getauscht und weiterverwendet werden, auch größere Mengen sind möglich. Spezielle Materialien und Teile dürfen mitgebracht werden. Das ist praktisch – und das Wiederverwerten fühlt sich allemal besser an, als brauchbare Reste in den Müll zu werfen.
Einmalige Nutzungen und kommerzielle Projekte sind in begrenztem Rahmen möglich. Das Angebot richtet sich vor allem an private Vorhaben. Fragen beantwortet die VHS unter makerspace@vhs-kaiserslautern.de; aktuelle Informationen gibt es außerdem in der WhatsApp-Community.
Vom 7. bis 12. Dezember 2026 präsentiert sich der Makerspace gemeinsam mit der VHS in einem Pop-up-Laden von Europe Direct in der Schillerstraße 2. Dort können unter anderem Weihnachtskugeln, Kugelschreiber und Tassen per Laser personalisiert werden. Einführungskurse sind an den offenen Wochenenden am 7./8. November und 5./6. Dezember vorgesehen.
Der Standort liegt in der Kanalstraße 3, Untergeschoss, 67655 Kaiserslautern. Für Studierende aus Trier ist das kein spontaner Abstecher um die Ecke, aber der Blick lohnt sich trotzdem: Offene Werkstätten zeigen, wie Hochschulnähe, Weiterbildung und private Bastelprojekte ineinandergreifen können, ohne dass gleich jede Person eine eigene Maschinenhalle braucht.
Teil einer wachsenden Hochschullandschaft
Eine Karte und Liste von Fab Labs und Makerspaces an deutschen Hochschulen stellt Fab:UNIverse bereit. Die Karte basiert auf dem Verbund offener Werkstätten; weiteres Kartenmaterial ist über dort verlinkte Angebote verfügbar. Die Hochschulliste wird sporadisch aktualisiert, zuletzt bei der Fab:UNIverse 2023, und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Erfasst werden unter anderem Hochschule, Name der Einrichtung, Ort und Bundesland, Gründungsjahr, institutionelle Angliederung, Finanzierung, Zugangsbedingungen und die Einbindung in die Lehre.
Die Spannweite ist groß. In Aachen stehen die Match Box der FH Aachen und das FabLab der RWTH Aachen, gegründet 2009, am Institut für Informatik und aus Haushalts- und Drittmitteln finanziert. Informatikstudierende sowie andere Studierende und Externe erhalten dort am Open Lab Day nach Einweisung Zugang; eingebunden ist das FabLab in Informatiklehre und FabAcademy. Augsburg verzeichnet Einrichtungen an TH Augsburg, Universität Augsburg und Hochschule Augsburg. Das Angebot der Hochschule Augsburg gehört zur Fakultät für Informatik und ist nach Anmeldung und Einweisung für alle Studierenden zugänglich.
Aufgelistet sind außerdem starTHAB in Aschaffenburg, die Einrichtung der Beuth Hochschule in Berlin am Fachbereich Elektrotechnik–Mechatronik–Optometrie, IDiA der HTW Berlin und ein Studierendenprojekt der TU Berlin am Institut für Berufliche Bildung und Arbeitslehre. Bei der Beuth Hochschule erfolgt die Finanzierung aus Haushaltsmitteln; Fachbereichsstudierende haben Zugang, andere Studierende nach Absprache, und die Mechatroniklehre ist eingebunden. Das TU-Projekt wird über Haushaltsmittel für Tutoren getragen, ist während der Öffnungszeiten frei zugänglich und dient als Wahlangebot beziehungsweise Projektkurs.
Die Liste führt unter anderem ResiATEBZ der EBZ Business School und eine im Aufbau befindliche Einrichtung der Ruhr-Universität Bochum, die aus Haushaltsmitteln finanziert wird und allen Studierenden sowie Externen nach Einweisung offensteht. Hinzu kommen das 2012 gegründete HRW FabLab der Hochschule Ruhr West in Bottrop, eine 2017 gegründete Einrichtung der TH Brandenburg sowie mehrere Angebote an FH Potsdam und Universität Potsdam, darunter eine Werkstatt der Universitätsschule für Schüler.
In Bremen und Bremerhaven gibt es Einrichtungen an Universität Bremen und FH Bremerhaven, in Coburg an der Hochschule Coburg. Cottbus ist mit dem CreativeOpenLab (COLab) der BTU Cottbus-Senftenberg vertreten, Chemnitz mit TUC discover der TU Chemnitz an der Fakultät für Maschinenbau, zugänglich für Schüler und Studierende. Weitere Standorte sind TU Darmstadt, der StartupCampus der TH Deggendorf, gegründet im April 2020, sowie StartUp@SQUArE der FH Dortmund, gegründet im Juli 2020, und eine Einrichtung der TU Dortmund.
Die Übersicht reicht weiter nach Dresden zur TU Dresden, Duisburg zur Universität Duisburg-Essen, Emden zur Hochschule Emden, Erlangen zur Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg und Essen zur Folkwang Universität der Künste. In Esslingen
