26,1 Grad um Mitternacht: Der Sommer 2026 hat Dresden ordentlich zugesetzt. Nach den Messungen war er einer der heißesten seit Beginn der Aufzeichnungen und der sechstwärmste Sommer seit 1961. Wer im Juni nachts das Fenster offen hatte, bekam jedenfalls keine Abkühlung garantiert.

Vor allem die zweite Junihälfte stellte alte Rekorde auf den Kopf. An der Station Dresden-Neustadt wurden vom 18. bis 28. Juni elf Tage hintereinander mindestens 30 Grad registriert. Vier Tage in Folge kletterten die Temperaturen sogar über 35 Grad. Am 28. Juni waren es 39,6 Grad, am Tag davor 38,6. Beide Werte lagen über dem bisherigen Juni-Rekord von 38,2 Grad aus dem Jahr 2022. In der Innenstadt meldeten mehrere Stationen 40 Grad, und in Klotzsche gab es erstmals seit Messbeginn drei extrem heiße Tage am Stück.

Heiße Nächte, mehr Einsätze

Der Juni kam auf einen Durchschnitt von 20,4 Grad – gut drei Grad mehr als im Vergleichszeitraum 1991 bis 2020. Seit 1961 war nur der Juni 2019 noch wärmer. Besonders zäh war die Hitze in der Nacht: In der dicht bebauten Neustadt sank die Temperatur sechs Nächte hintereinander nicht unter 20 Grad. In der Nacht zum 28. Juni wurden dort 26,1 Grad gemessen, in Klotzsche 25,5 Grad. Es war die wärmste Nacht in Dresden seit Beginn der Messungen 1961.

Für ältere Menschen, Vorerkrankte, Schwangere und Kinder wurde die Lage damit schnell belastend. Vom 26. bis 28. Juni rückte der Rettungsdienst deutlich häufiger aus. Drei Todesfälle führt die Stadt direkt auf die Hitze zurück. Das sind keine abstrakten Kurven aus einer Wetterstatistik, sondern Tage, an denen der Asphalt flimmerte, Wohnungen stickig blieben und der Körper irgendwann einfach nicht mehr mitspielte.

Juli und August verliefen weniger extrem, blieben aber überwiegend zu trocken. Im ersten Halbjahr fielen 209 Millimeter Regen, üblich wären 280 Millimeter gewesen. Über den gesamten Sommer fehlten zehn Prozent Niederschlag. Gewitter am 17. und 19. August befeuchteten immerhin die oberen Bodenschichten; das Grundwasser blieb trotzdem sehr niedrig. Nach Einschätzung der Stadt braucht es lang anhaltenden Regen, damit sich die Wasserspeicher wieder füllen.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Mehr Sonne, weniger Wasser

Im Mittel brachte es der Sommer auf 20,2 Grad und lag damit 1,6 Grad über dem Vergleichswert von 1991 bis 2020. Die Sonne schien 777 Stunden – knapp 15 Prozent mehr als üblich. Schön für Freibad und Eisdiele, mühsam für Bäume, Böden und Menschen ohne Schattenplatz.

Die Stadt nutzt die Klimadaten nun auch, um für die Bundesgartenschau 2033 zu werben. Sie soll Dresden widerstandsfähiger gegen Hitze und Starkregen machen. Rund 120 Millionen Euro sollen in dauerhaft bestehende Grünanlagen fließen, etwa die Hälfte davon als Fördermittel von Bund und Land.

Vorgesehen sind der Ausbau des Südparks für 39 Millionen Euro und der Ausbau der Galopprennbahn Seidnitz ebenfalls für 39 Millionen Euro. An den Kiesseen Leuben soll für rund 19 Millionen Euro ein Erholungsraum mit legaler Badestelle entstehen. Dahinter steckt das Prinzip der „Schwammstadt“: Regenwasser soll möglichst dort gespeichert werden, wo es fällt, statt möglichst schnell in der Kanalisation zu verschwinden.

Streit um den Dresdner Norden

Ganz so groß wie ursprünglich gedacht wird die BUGA allerdings nicht. Wegen der angespannten Haushaltslage wurde das Budget bereits Ende 2025 von 232 auf rund 120 Millionen Euro reduziert. Ein geplantes Kernareal im Dresdner Norden fiel weg. Genau daran entzündet sich im Stadtrat die Kritik – nicht grundsätzlich an den Kosten der BUGA.

SPD-Stadträtin Elli Martius erklärte, die gesamte Stadt müsse berücksichtigt werden; die Streichung des Nordareals gefährde die Machbarkeitsstudie. Der Grünen-Stadtrat Wolfgang Deppe kritisierte, dass alle Kernprojekte südlich der Elbe lägen. Das ist der wunde Punkt: Dresden wächst nicht nur dort, wo die geplanten Parks schon gut ins Bild passen.

Mitte September pflanzten Ministerpräsident Michael Kretschmer und Oberbürgermeister Dirk Hilbert in Pieschen zwei Amberbäume. Die Aktion war der Auftakt des BUGA-Fördervereinsprojekts „Straßenbäume“. CDU-Stadträtin Bettina Kempe-Gebert fordert für den durch die Chipindustrie wachsenden Norden eine „Neue Gartenstadt“ nach dem Vorbild Hellerau und dafür einen eigenen Masterplan.

Ein Baum findet in Dresden allerdings nicht einfach irgendwo ein Plätzchen. Unterirdische Leitungen, Feuerwehrzufahrten und notwendige Gehwegbreiten machen neue Standorte kompliziert. Das Amt für Stadtgrün sucht deshalb gemeinsam mit dem Verein weiter nach geeigneten Flächen.

Oberbürgermeister Dirk Hilbert unterstützt das Gesamtprojekt. Er begründet den Bedarf mit dem erwarteten häufigeren Auftreten langer Hitzeperioden und dem notwendigen Ausbau kühlender Grünzüge. An der TU Dresden dürfte man diese Begründung nach diesem Sommer nicht erst lange erklären müssen: 26,1 Grad um Mitternacht bleiben im Gedächtnis – und im schlecht gelüfteten Zimmer.