Am 25.09.2026 an der TU Dresden klingt die Warnung des Eder-Fischerei-Clubs ziemlich ungemütlich: Edersee, Eder und Affolderner See stehen durch Trockenheit und Nährstoffeinträge zunehmend unter Druck. Noch haben die Gewässer Widerstandskraft. Doch die Reserven werden knapp.

Die anhaltende Trockenheit zeichnete sich bereits im Frühjahr ab und verschärfte sich im Sommer. Grundlage der Einschätzung sind öffentlich zugängliche Daten des Hessischen Landesamts für Naturschutz, Umwelt und Geologie (HLNUG) sowie eigene Messungen des Clubs. Professor Dietrich Borchardt, Vorsitzender des Eder-Fischerei-Clubs, sagt, die Situation sei bis an die äußerste Grenze ausgereizt. Mehrfach sei man bereits knapp an einem größeren Fischsterben wie damals an der Oder vorbeigekommen.

Wasser fehlt – und die Nährstoffe bleiben

Für trockene und heiße Sommer fordert der Club eine gezielte Vorbereitung der Gewässer. Der künstliche Wasserfall, der sogenannte Wehrüberfall in Affoldern, könnte genutzt werden, um das Wasser mit Sauerstoff anzureichern. Renaturierung, ökologisch ausgerichtete Fischerei und solche Einzelmaßnahmen reichen nach Einschätzung des Clubs aber nicht aus.

Bei der Steuerung des Edersees müssten neben der Bewirtschaftung von Fulda und Weser sowie dem Tourismus auch die ökologische Situation der Flüsse und Seen berücksichtigt werden. Der Edersee ist dabei kein abgeschlossener Behälter, sondern ein komplexes, nach oben und teilweise nach unten offenes System. Wasserabgabe und Einstauhöhe werden durch den Menschen gesteuert.

Auch die Grundwasserspeicher verzeichnen deutliche Rückgänge. Früher versorgten sie die Oberflächengewässer bei höheren Abflussraten mit Wasser. Heute stammt gefördertes Grundwasser häufig aus tieferen Schichten und ist dort seit 20 bis 30 Jahren gespeichert.

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Der größte Teil der Nährstoffe gelangt über die Eder in den See, kleinere Anteile kommen aus Nebenflüssen, Bächen und der Umgebung. Zu den Quellen gehören Kläranlagen im Einzugsgebiet, Abschwemmungen und Austragungen von Düngemitteln aus Landwirtschaft und Kleingärten sowie Hochwasserentlastungen von Kläranlagen. Die jährliche Nährstoffmenge hängt unter anderem davon ab, wann die Schneeschmelze einsetzt und wie stark Niederschlagsereignisse ausfallen.

Im Edersee stammen die Nährstoffeinträge laut Club ungefähr zu gleichen Teilen aus Kläranlagen und anderen Quellen, insbesondere aus der Landwirtschaft. Für das Pflanzenwachstum sind vor allem Kohlenstoff, Stickstoff und Phosphor wichtig. Phosphor liegt in natürlichen Gewässern meist nur in niedrigen Konzentrationen vor und begrenzt häufig als Minimumfaktor das Pflanzenwachstum. Schon geringe zusätzliche Mengen können die Biomasseproduktion deutlich steigern. Phosphorverbindungen werden unter anderem im Energiestoffwechsel, beim Aufbau der Erbsubstanz und bei der Eiweißsynthese gebraucht.

Die durch menschliche Einträge verursachte Anreicherung von Phosphor- und Stickstoffverbindungen heißt Eutrophierung. Die Trophiestufen reichen von oligotroph, also sehr nährstoffarm, bis hypereutroph, dem extremen Nährstoffüberschuss. Der obere Edersee wird derzeit als eutroph, der untere als mesotroph eingestuft. Um Sauerstoffprobleme und Blaualgenvorkommen zu verringern, soll vor allem die Phosphorbelastung sinken. Weitergehende Kläranlagenreinigung mit Phosphorelimination und Uferschonstreifen ohne landwirtschaftliche Nutzung könnten dazu beitragen.

Wenn Algen den Sauerstoff wegzehren

Durch den hohen Nährstoffgehalt entwickeln sich im Edersee regelmäßig große Algenmengen, vor allem im Sommer. Im Frühjahr ist das Wasser durch eine hohe Dichte von Planktonalgen deutlich getrübt; die Frühjahrsblüte wird von besonders kleinen Algenformen geprägt. Anfang Juni bricht die Algenbiomasse gewöhnlich ein, die Sichttiefe kann dann mehr als zehn Meter erreichen. Auf das Maximum des Phytoplanktons folgt ein Maximum des Zooplanktons, vor allem größerer Formen.

Daphnien und Hüpferlinge fressen beziehungsweise filtrieren die Planktonalgen intensiv. Dieser Vorgang heißt „Grazing“ – eine Räuber-Beute-Beziehung im Kleinen. Die Klarwasserphase dauert allerdings nur einige Wochen. Danach nimmt das Zooplankton ab, weil seine Nahrungsalgen stark reduziert wurden. Im Sommer können sich andere Algenarten entwickeln; dann dominieren nicht fressbare Großalgen. Ihr Wachstum wird vor allem durch Nährstoff- und Lichtkonkurrenz bestimmt.

Die Großalgen sterben meist nach einigen Wochen ab und werden von Bakterien zersetzt. Dabei wird viel Sauerstoff verbraucht. Schaumbildung am Ufer kann durch die Zersetzung von Algen und die mechanische Zerschlagung von Eiweißstoffen durch Wellenschlag entstehen – ein eher unscheinbares Zeichen für ziemlich viel Aktivität im Wasser.

Warmes Wasser enthält physikalisch weniger Sauerstoff als kaltes. Steigt die Temperatur um 10 °C, kann sich die Produktion organischer Substanz bei ausreichendem Nährstoffangebot in derselben Zeit verdoppeln bis verdreifachen. Dichte Algenbestände trüben das Wasser, verringern den Lichteinfall und damit die Sauerstoffproduktion in tieferen Bereichen. Oben wird Sauerstoff produziert, weiter unten läuft der mikrobielle Abbau trotzdem weiter. Dort sinkt der Sauerstoffgehalt zuerst.

Im Sommer verändert sich das Verhältnis zwischen warmem, lichtreichem Oberflächenwasser und kälterem Tiefenwasser. Im späten Frühjahr ist der See noch nahezu gleichmäßig erwärmt. Danach bildet sich durch die Sonneneinstrahlung eine Temperaturschichtung. Wasser besitzt seine größte Dichte bei etwa 4 °C und ist dann schwerer als wärmeres oder kälteres Wasser. Das wärmere Oberflächenwasser bleibt oben, der Wind kann das schwerere Tiefenwasser nicht mehr vollständig durchmischen.

Oben liegt das Epilimnion. Darunter folgt die Sprungschicht, das Metalimnion, in der die Temperatur stark abfällt. Im Sommer kann sie sich weiter nach unten verlagern. Unterhalb liegt das kühle, unbewegte Hypolimnion, das von der Durchmischung ausgeschlossen ist. Die Schichtung kann bis in den Herbst stabil bleiben; bei kälteren Nächten wird sie schließlich abgebaut, das Oberflächenwasser kühlt ab und der See mischt sich wieder vollständig durch.

Das Hypolimnion gehört zugleich zur sogenannten Zehrschicht. Dort gibt es kaum Licht, fast keine Pflanzen wachsen, und Organismen ernähren sich von abgesunkenen toten Tieren und Ausscheidungen. Pilze und Bakterien, die Destruenten, bauen die tote organische Substanz ab. In der Nährschicht – vor allem im Oberflächenwasser – betreiben grüne Pflanzen, frei schwimmende Algen und Wasserlinsen Fotosynthese und erzeugen Nährstoffe und Sauerstoff. Sauerstoff gelangt zusätzlich durch Diffusion aus der Luft ins Wasser.

In der Zehrschicht werden mehr Nährstoffe und Sauerstoff verbraucht, als produziert werden. Nach dem Absterben der Algen kann der Verbrauch so stark steigen, dass für den aeroben Abbau nicht mehr genug Sauerstoff vorhanden ist. Die sauerstoffarme Schicht dehnt sich dann nach oben aus. Im Extremfall führt das zu Fischsterben. Das letzte im Zusammenhang mit dem Edersee genannte Fischsterben ereignete sich 1973.

Unter aeroben Bedingungen wird organisches Material bis zu anorganischen Ausgangsstoffen abgebaut und mineralisiert; Nährstoffe werden dabei im Gewässerboden abgelagert und dauerhaft gebunden. Unter anaeroben Bedingungen entstehen unter anderem Methan, Schwefelwasserstoff und Ammoniak, die toxisch wirken können. Bereits im Boden gespeicherte Nährstoffe können dann wieder freigesetzt werden und den Nährstoffgehalt weiter erhöhen.

Der See wird abgelassen – mit Folgen flussabwärts

Im Sommer wird Wasser zur Regulierung der Weser und des Mittellandkanals über die Grundablässe abgegeben. Dadurch wird sauerstoffarmes oder sauerstofffreies Tiefenwasser aus dem Edersee entfernt. Für den Edersee ist das positiv, für den Affolderner See und die Untere Eder dagegen negativ.

Bei niedrigen Wasserständen verschärft sich die Lage zusätzlich. Das HLNUG bewertet den ökologischen Zustand des Edersees derzeit als „mäßig“, den chemischen Zustand als „nicht gut“. Die Umweltziele der EU-Wasserrahmenrichtlinie werden damit derzeit und absehbar nicht erreicht. Das Wasserstraßen-