Kraniche zwischen Bodden und Ostsee: Nationalpark und Rastplatz Rügen-Bock im OZEANEUM Stralsund
Am 13. November 2026 wird es im OZEANEUM in Stralsund um die Kraniche gehen – um ihre Rastplätze, ihre langen Reisen und um die Landschaft, die ihnen an der Ostseeküste Raum gibt. Beginn ist um 18:30 Uhr im Mehrzwecksaal/Tagungszentrum. Der Eintritt ist frei.
Auf dem Programm stehen ein Vortrag von Gernot Haffner und eine Fotopräsentation von Jürgen Reich. Veranstaltet wird der Abend vom Deutschen Meeresmuseum gemeinsam mit Kranichschutz Deutschland und der Deutschen Ornithologischen Gesellschaft.
Nationalpark zwischen Bodden und Ostsee
Haffners Vortrag trägt den Titel „Einblicke in den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft“. Der Nationalpark wurde 1990 im Rahmen des Nationalparkprogramms der DDR ausgewiesen und umfasst 78.600 Hektar. Zahlreiche terrestrische und marine Lebensräume liegen hier dicht beieinander. Damit zählt das Gebiet zu den bedeutenden Schutzgebieten an der deutschen Ostseeküste.
Seine Lage und Beschaffenheit machen den Nationalpark zu einem wichtigen Brut- und Rastgebiet des Kranichs. Haffner stellt den Nationalpark vor und erläutert seine Bedeutung für die großen grauen Vögel. Der Referent wurde in Mecklenburg-Vorpommern geboren und wuchs dort auf. Nach seinem Studium der Forstwissenschaften an der TU Dresden arbeitete er von 2001 bis 2011 in verschiedenen Funktionen in der Forstverwaltung und im Umweltministerium Mecklenburg-Vorpommern. Seit 2011 leitet er das Nationalparkamt Vorpommern, das für die Nationalparke Vorpommersche Boddenlandschaft und Jasmund zuständig ist.
Ein Teil des Abends gehört außerdem der Fotografie. Unter dem Titel „Sie rufen von allen Seiten“ zeigt Jürgen Reich rund 70 Aufnahmen vom Rastgeschehen der Kraniche in der Boddenlandschaft und auf der Insel Rügen. Man kann sich das gut vorstellen: Rufe aus der Ferne, Bewegung über den Feldern, dann wieder diese eigentümliche Ruhe an den Schlafplätzen.
Reich wurde 1956 in Vorpommern geboren und wuchs in Wildberg bei Neubrandenburg auf. Schon während seiner Schulzeit begann er mit der Naturfotografie. Von 1973 bis 1975 absolvierte er eine Ausbildung zum Zootierpfleger im Zoologischen Garten Rostock. Dort arbeitete er anschließend als Vogelpfleger, von 1980 bis 1990 als Revierleiter.
Ab 1990 machte sich Reich mit einer eigenen Töpferei in Bartenshagen bei Rostock selbstständig. Neben der Arbeit mit seiner Frau in der Keramikwerkstatt veröffentlichte er seit 2004 zehn Bücher mit fotografischem Schwerpunkt zu verschiedenen naturkundlichen Themen. Ton, Glasur, Kamera – ein etwas ungewöhnlicher, aber stimmiger Lebenslauf.
Ein Vogel auf weiter Reise
Weltweit umfasst die Kranichfamilie 15 Arten. Nur in Südamerika und der Antarktis kommen keine Kraniche vor. In Europa verloren die Tiere durch die Kultivierung von Sumpfwäldern und Mooren zahlreiche Nistplätze. In Deutschland sank der Bestand in den 1960er-Jahren auf weniger als 600 Brutpaare.
Seit 1970 erholt sich der Bestand. Geschützte Schlafplätze sowie der zunehmende Getreide- und Maisanbau haben dazu beigetragen. Heute brüten in Deutschland fast 12.000 Kranichpaare, davon etwa 5.000 in Mecklenburg-Vorpommern, rund 3.300 in Brandenburg und etwa 1.500 in Niedersachsen. Mecklenburg-Vorpommern trägt damit eine besondere Verantwortung für den Artenschutz.
Ab Mitte Februar kehren die Kraniche aus ihren Winterquartieren zu den Brutplätzen zurück. Bis zum Brutbeginn bleiben die Paare auf Nahrungsflächen in der Nähe ihrer Reviere; dort lassen sich häufig ihre Balztänze beobachten. Kranichpaare bleiben meist lebenslang zusammen – was bei einer gemeinsamen Reise von jährlich etwa 4.000 bis 12.000 Kilometern zwischen Sommerlebensraum und Winterquartier durchaus nach einer tragfähigen Partnerschaft klingt.
Gebrütet wird in wasserreichen Bruchwäldern, Mooren und Uferzonen verlandender Seen. Das Wasser schützt vor Wildschweinen, Füchsen und streunenden Hunden. Für ihre Nester verwenden die Vögel unter anderem Äste, Schilf, Rohrkolben und Gräser. Im April oder Mai legt das Weibchen zwei bräunliche oder graugrüne, schwarz gefleckte Eier. Beide Eltern brüten abwechselnd; nach 28 bis 31 Tagen schlüpfen die Küken.
Lange bleiben die Jungvögel auf ihre Eltern angewiesen: etwa zehn Wochen. Als Nestflüchter verlassen sie bereits am ersten Tag das Nest und erkunden die Umgebung. Trotzdem wachsen junge Kraniche langsam und gründen erst nach fünf bis sechs Jahren eine eigene Familie. Brütende Weibchen färben ihr graues Rückengefieder mit aufgestrichenem Bodenmaterial braun und tarnen sich dadurch.
Der Ruf der Kraniche trägt weit. Ihre bis zu 1,30 Meter lange Luftröhre verstärkt die Trompetenrufe, die oft schon zu hören sind, bevor ein Vogel am Himmel auftaucht. Die Zugrouten verlaufen auf festen, schmalen Wegen; eine davon führt durch den Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft.
Rastplatz Rügen-Bock
Im Frühherbst schließen sich die Kraniche zu größeren Gruppen zusammen und ziehen in Winterquartiere in Frankreich, Spanien und Nordafrika. Für Kraniche aus Skandinavien und Osteuropa ist Deutschland ein wichtiges Durchzugsgebiet. Auf großen Sammelplätzen fressen sie energiereiche Nahrung und legen Fettreserven für den Weiterflug an. Abgeerntete Mais- und Getreidefelder bieten dafür günstige Bedingungen.
Die Rügen-Bock-Region gehört zu den bedeutendsten Kranichrastplätzen Europas. Etwa ein Drittel der Population des westeuropäischen Zugwegs rastet dort; im Herbst können sich bis zu 80.000 Kraniche gleichzeitig versammeln. Zu den bedeutenden Schlafplätzen zählen die Flachwasserzonen bei der Insel Bock, der Kubitzer Bodden und die Udarser Wiek bei Ummanz.
Auf den Bock-/Werder-Inseln übernachten bis zu 40.000 Kraniche, auf Rügen und der Insel Kirr jeweils bis zu 15.000. Die Vögel schlafen bevorzugt in etwa knietiefem Wasser, das sie unter anderem vor Füchsen schützt. Wer einmal dort steht und in die Dämmerung hineinlauscht, merkt schnell, wie groß so ein Rastplatz ist – nicht nur auf dem Papier.
Beobachtungsplattformen ermöglichen störungsarme Blicke auf das Geschehen. Ranger, Mitarbeitende des Kranich-Informationszentrums und Ehrenamtliche informieren vor Ort. Weitere Beobachtungsmöglichkeiten gibt es im NABU-Kranichzentrum in Groß Mohrdorf und am Kranorama bei Günz. Während der herbstlichen Rast werden in der Region verschiedene Führungen angeboten.
Ruhe ist dabei keine Nebensache. Störungen verunsichern die Kraniche und können Eltern von ihren Jungen trennen. Müssen die Vögel auffliegen, verbrauchen sie zusätzliche Energie, die sie durch mehr Nahrung ausgleichen müssen. Bei starken oder wiederholten Störungen können sie Schlafplätze vollständig aufgeben. Der Blick auf die Tiere braucht also Abstand – und manchmal einfach ein bisschen Geduld.
Der Abend im OZEANEUM verbindet den Vortrag über den Nationalpark mit rund 70 Fotografien aus der Boddenlandschaft und von Rügen. Beginn ist am 13. November 2026 um 18:30 Uhr im Mehrzwecksaal/Tagungszentrum, der Eintritt bleibt frei.
