Leichtbaupionier Werner A. Hufenbach ist tot
Prof. Werner A. Hufenbach ist tot. Der Leichtbaupionier starb am 4. Oktober 2026 im Alter von 84 Jahren. Geboren wurde er am 25. Juli 1942 in Essen, aufgewachsen ist er in Northeim. Heute, am 13. Oktober 2026, erinnert die TU Clausthal an einen Wissenschaftler, dessen Weg von Clausthal nach Dresden und weit darüber hinaus führte.
Von 1963 bis 1968 studierte Hufenbach Verformungskunde an der damaligen TH Clausthal, der heutigen TU Clausthal. Danach arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Technische Mechanik, promovierte dort zum Dr.-Ing. und habilitierte sich 1973. Anschließend leitete er als Professor Abteilungen für Angewandte Mechanik und Werkstoffmechanik.
Vom Clausthaler Institut nach Dresden
1993 wechselte Hufenbach an die TU Dresden und übernahm die Professur für Leichtbau und Kunststofftechnik. Ein Jahr später gründete er das Institut für Leichtbau und Kunststofftechnik, kurz ILK, und prägte dessen Aufbau und Ausbau als Institutsdirektor maßgeblich. Unter seiner Leitung wurde daraus eine international bekannte Forschungseinrichtung. Heute arbeiten dort rund 245 Mitarbeitende aus Ingenieur- und Naturwissenschaften, Informatik sowie Wirtschaftswissenschaften; nach Angaben der TU Clausthal beschäftigt das Institut derzeit 250 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.
Hufenbachs Forschungsschwerpunkt lag auf beanspruchungsgerechten Leichtbaustrukturen. Sein Ansatz war werkstoff- und produktübergreifend und umfasste die gesamte Wertschöpfungskette: vom Werkstoff über Konstruktion, Simulation und Fertigung bis zu Prototypentests, Qualitätssicherung und Kosten. Das klingt nach einer langen Liste. Genau darin lag aber der Anspruch: nicht nur ein Material zu entwickeln, sondern daraus ein funktionierendes Produkt zu machen.
Bekannt wurde vor allem das „Dresdner Modell“ des funktionsintegrativen Systemleichtbaus im Multi-Material-Design. Kohlenstofffasern, Kunststoffe und Leichtmetalle werden dabei kombiniert. Zusätzlich können Sensorik, Aktorik und elektronische Funktionen direkt in die Materialstruktur integriert werden. Hufenbach war ein deutscher Wissenschaftler und Experte für diesen funktionsintegrativen Systemleichtbau.
Forschung mit Folgen für die Praxis
Über Jahrzehnte warb Hufenbach Millionenbeträge an Drittmitteln für die TU Dresden ein. Auf seine Initiative gingen mehrere DFG-Forschungsprojekte zurück, darunter die Forschergruppe FOR 278 zu textilen Verstärkungen für Hochleistungsrotoren, das Schwerpunktprogramm SPP 1123 und der Sonderforschungsbereich SFB 639. Außerdem war er am DFG-Transregio TR 39 „PT-PIESA“ zur großserientauglichen Herstellung von Leichtmetall- und Faserverbundkomponenten beteiligt.
Auch am sächsischen Exzellenzcluster ECEMP („European Centre for Emerging Materials and Processes Dresden“) hatte Hufenbach maßgeblichen Anteil. Auf sein Engagement gingen der Bau des Leichtbau-Innovationszentrums (LIZ) und des Press- und Extrusionszentrums (PEZ) in Dresden zurück. Er gründete außerdem das Dresdner Leichtbausymposium als internationale jährliche Branchenplattform, baute zahlreiche Industriekooperationen auf und initiierte das Rolls-Royce University Technology Centre „Lightweight Structures and Materials“ an der TU Dresden.
Aus dem ILK-Umfeld gingen unter anderem die Leichtbau-Zentrum Sachsen GmbH (LZS) und die CG Rail GmbH hervor. CG Rail ist ein deutsch-chinesisches Entwicklungszentrum für Bahn- und Verkehrstechnik in Dresden. Hufenbachs wissenschaftliches Werk umfasst 712 Publikationen und 180 Patente.
Das Institut forscht, entwickelt und lehrt heute im funktionsintegrativen Systemleichtbau auf Basis des Multi-Material-Designs. Es deckt den Weg von den Grundlagen bis zum Produktionsanlauf ab, entwickelt, legt Hochleistungsleichtbau-Komponenten und -Systeme aus und optimiert sie. Dazu kommen prototypische und vorseriennahe Fertigung sowie die vollständige Digitalisierung der Produktentstehung – von Material- und Prozessentwicklung über Simulation und Prüfung bis zu Qualitätssicherung und Lebenszyklusbewertung.
Lehre, China und ein großes Netzwerk
Hufenbach begründete die eigenständige Studienrichtung Leichtbau im Maschinenbaustudium an der TU Dresden. Unter seiner Betreuung promovierten 43 Doktorandinnen und Doktoranden, zwei Postdocs habilitierten sich. An der Tongji-Universität in Shanghai war er Ehrenprofessor und lehrte am Chinesisch-Deutschen Hochschulkolleg. 2003 übernahm er dort eine Lehrtätigkeit; im selben Zusammenhang wurde ihm der Titel „Professor E. h.“ verliehen.
Seine internationalen Verbindungen reichten weit über China hinaus. Das ILK arbeitet mit einem Netzwerk aus europäischen Großunternehmen und regionalen kleinen und mittleren Unternehmen. Partner gibt es in Europa, Asien, Afrika, Nordamerika und Australien. Seit Mitte der 1990er Jahre wurden mehr als 1.300 Projekte mit einem Gesamtvolumen von rund 250 Millionen Euro abgeschlossen.
Geforscht wird system- und werkstoffneutral für Luft- und Raumfahrt, Automobil- und Schienenfahrzeugbau, Maschinen- und Anlagenbau, Energie- und Speichertechnik sowie neue Mobilitäts- und Infrastrukturanwendungen. Das Institut beteiligt sich an zahlreichen koordinierten Verbundforschungsvorhaben – als Initiator, Sprecher oder zentraler Partner. Ergebnisse werden in Leichtbaustrukturen und Fertigungsprozesse überführt und bis zur industriellen Anwendung und Serienreife weiterentwickelt.
Auszeichnungen und späte Jahre
Hufenbach wurde in die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften (acatech) aufgenommen. Zu seinen Auszeichnungen gehörten der Sächsische Verdienstorden und der „International Scientific and Technological Cooperation Award“ der Volksrepublik China.
Auch nach seinem Ruhestand blieb er dem ILK verbunden – als Seniorprofessor, Vorstandsmitglied und Impulsgeber. Das „Dresdner Modell“ wird dort inzwischen zum „neutralen Leichtbau“ weiterentwickelt, mit dem Fokus auf Ressourcen- und Klimaneutralität. Die internationale Präsenz der TU Dresden wird zusätzlich durch ihre Verankerung in internationalen Rankings für Materialwissenschaften und Leichtbau unterstützt.
