München setzt bei der Server-Virtualisierung auf Proxmox und digitale Souveränität
München, 30. Oktober 2026: Die Landeshauptstadt will bei der Server-Virtualisierung künftig stärker auf Open Source setzen. Für Bürgerinnen und Bürger soll sich dadurch zunächst nichts spürbar ändern. Die städtischen IT-Anwendungen sollen auch während der schrittweisen Umstellung weiterlaufen.
Geplant ist kein radikaler Schnitt, sondern ein hybrider Betrieb. Herstellerspezifisch zertifizierte Anwendungen wie SAP-Systeme bleiben auf der bisherigen Plattform. Ein großer Teil der Standardanwendungen soll dagegen nach und nach auf eine neue Umgebung mit Proxmox umziehen. Welche Plattform zum Einsatz kommt, entscheidet die Stadt je nach Anwendung.
Proxmox neben der bisherigen Plattform
Die Virtualisierungsplattform VMware soll nach den Plänen Münchens bis 2027 durch Proxmox ergänzt beziehungsweise für einen großen Teil der Anwendungen abgelöst werden. Die Umstellung erstreckt sich über mehrere Jahre. Rund zehn Fachleute aus den Bereichen Linux, Virtualisierung, Speichertechnik und Automatisierung arbeiten daran. Zusätzliches Personal sei nicht nötig, erklärt die Stadt: Der städtische IT-Dienstleister it@M verfüge bereits über das erforderliche Fachwissen.
Auslöser für die Neuordnung waren veränderte Lizenzbedingungen beim bisherigen Anbieter der Virtualisierungsplattform, nachdem dieser von einem anderen Unternehmen übernommen worden war. Das IT-Referat und it@M prüften rund eineinhalb Jahre lang proprietäre und quelloffene Lösungen – technisch wie wirtschaftlich. München will dadurch die digitale Souveränität stärken, die Abhängigkeit von einzelnen Herstellern verringern und Lizenzkosten sowie künftige Lizenzentscheidungen besser kontrollieren.
Laura Dornheim, IT-Referentin und CDO der Stadt, rechnet mit Einsparungen von rund 1 Million Euro jährlich. Erste Anwendungen sollen früh produktiv auf der neuen Plattform laufen. So sammelt die Verwaltung Erfahrungen, bevor der weitere Ausbau beginnt; Risiken sollen dadurch kleiner werden. Bei der Einführung arbeitet München mit dem Open-Source-Unternehmen Atix aus Garching zusammen. Gemeinsam entwickelte Erweiterungen für die Open-Source-Plattform Foreman kosteten die Stadt rund 20.000 Euro. Anschließend flossen diese Erweiterungen in das Open-Source-Projekt ein und stehen damit auch anderen Anwendern zur Verfügung.
Mehr als nur eine neue Serverumgebung
Die Proxmox-Migration ist Teil einer umfassenderen Open-Source-Strategie, die München beim Open Source Summit Europe in Prag vorstellte. Seit 2024 betreibt die Stadt ein eigenes Open Source Program Office, das die Strategie steuert. Eine politische Vorgabe sieht quelloffene Software bei Beschaffungen grundsätzlich als bevorzugte Lösung vor, sofern das möglich ist. Eigene Software veröffentlicht München ebenfalls unter freien Lizenzen.
Jira und Confluence sollen durch OpenProject und XWiki ersetzt werden. Der Beschluss dazu fiel 2025; die erwarteten Einsparungen liegen bei mehr als 0,5 Millionen Euro pro Jahr. Auch Oracle-Datenbanken sollen schrittweise durch PostgreSQL ersetzt werden. Dabei stehen laut Stadt vor allem digitale Souveränität und technologische Unabhängigkeit im Vordergrund, nicht in erster Linie geringere Lizenzkosten.
Ein seit 2021 eingesetztes Werkzeug zur Verkehrsdatenanalyse wird inzwischen auch von Wolfsburg genutzt. Rund 40.000 städtische Beschäftigte dürfen DSGVO-konforme Sprachmodelle verwenden. Zunächst basiert die Einführung auf Technologie von OpenAI, später sollen Modelle von Mistral hinzukommen. Dornheim fordert andere öffentliche Stellen auf, bei digitaler Souveränität, finanziellen Einsparungen und technologischer Unabhängigkeit stärker politisch zu handeln.
Münchens wechselvolle IT-Geschichte
Die Stadt hat bei ihrer IT-Politik schon mehr als eine Kehrtwende hingelegt. 2013 wurde das Linux-Projekt LiMux mit Debian, KDE und LibreOffice abgeschlossen. 2017 beschloss der Stadtrat die Rückkehr zu Windows; umgesetzt werden sollte sie bis 2020. Die Rückkehr von LibreOffice zu Microsoft Office war 2023 vollständig abgeschlossen. Bereits 2020 erklärte München Open Source erneut zum Grundsatz der städtischen IT-Beschaffung.
Mit den Proxmox-, Plattform- und Datenbankmigrationen setzt die Verwaltung diesen Grundsatz nun technisch um. Die Stadt will sich künftig außerdem stärker an der Weiterentwicklung quelloffener Software beteiligen, etwa über Supportverträge und Entwicklungsaufträge. Das ist weniger spektakulär als ein blinkender Neubau im Rechenzentrum, kann für die langfristige Handlungsfreiheit aber entscheidend sein.
Digitale Souveränität braucht Verwaltung
Digitale Souveränität wird zunehmend in politischen Debatten, bei Veranstaltungen und Kongressen sowie in Fachartikeln thematisiert. Im Kern geht es um Selbstbestimmung in einer immer stärker digitalisierten Lebens- und Arbeitswelt. Die KGSt fasst darunter mehrere Facetten, insbesondere technologische Souveränität und Datensouveränität.
Open-Source-Software und offene Standards gelten dabei als zentrale Hebel. Es geht allerdings nicht bloß um den Quellcode oder um die Frage, welche Plattform auf einem Server läuft. Berührt sind auch Beschaffung und Vergabe, Lizenzmanagement, organisatorische Abläufe und finanzwirtschaftliche Fragen. Für einen nachhaltigen und wirkungsvollen Einsatz von Open Source brauchen Verwaltungen deshalb ein umfassendes kommunales Management – die KGSt nennt diesen Ansatz „Open-Source-Governance“.
Die KGSt bringt sich unter anderem im Innovationszirkel „Kommunales Open-Source-Board (KOSB)“, im Projekt „Cloud Computing“ sowie in weiteren Gremien und Initiativen wie „Ein Ort für öffentlichen Code“ ein. Sie versteht diese Aktivitäten als ihren Beitrag zu einer digital souveränen Verwaltung. München wiederum lässt seine Systeme künftig nicht einfach alle in dieselbe Richtung marschieren: SAP bleibt, Standardanwendungen wandern zu Proxmox, und der Betrieb läuft parallel weiter – Schritt für Schritt.
