Die Medizinische Universität Lausitz – Carl Thiem (MUL-CT) in Cottbus und die Medizinische Fakultät Carl Gustav Carus der TU Dresden wollen künftig enger zusammenarbeiten. Ein Kooperationsvertrag soll gemeinsame Forschungsprojekte, neue Lehrangebote und Impulse für die Gesundheitsversorgung in der Lausitz ermöglichen. Unterzeichnet und vorangetrieben wird die Zusammenarbeit am Standort TU Dresden.

Im Mittelpunkt stehen die Digitalisierung in der Medizin, neue Medizintechnik und die Versorgungsforschung in ländlichen Regionen. Die Dresdner Fakultät soll ihre wissenschaftlichen Kompetenzen in gemeinsame Lehr- und Forschungsaktivitäten der Modellregion Gesundheit Lausitz einbringen. Die MUL-CT arbeitet in der Region bereits mit der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) und dem Robert Koch-Institut zusammen.

Forschung über Ländergrenzen hinweg

Gesundheitsversorgungsprobleme machten nicht an Landesgrenzen halt, erklärt Brandenburgs Wissenschaftsministerium und begrüßt die Kooperation. Dresden erhalte neue Möglichkeiten in der Versorgungsforschung, während die Lausitz von der Erfahrung der etablierten Dresdner Fakultät profitiere. Ziel ist ein länderübergreifender Gesundheits- und Wissenschaftsraum, in dem wissenschaftliche Entwicklungen näher an den Bedürfnissen der Bevölkerung liegen.

In der Medizininformatik sollen das Zentrum für Medizinische Informatik der TU Dresden und das Datenintegrationszentrum der MUL-CT gemeinsame Forschungs- und Entwicklungsprojekte starten. Es geht um die Schnittstellen zwischen medizinischer Versorgung, Versorgungsforschung und Digitalisierung. Das Dresdner Zentrum für Evidenzbasierte Gesundheitsversorgung (ZEGV) soll seine Expertise in Projekte zu Versorgung, Prävention und öffentlicher Gesundheit einbringen. So sollen die wissenschaftlichen Grundlagen für eine bedarfsgerechte regionale Versorgung verbessert werden.

Die Modellregion Gesundheit Lausitz verfolgt dabei ein ziemlich konkretes Bild: Ein digital unterstütztes Netzwerk der Gesundheitsdienstleister soll entstehen und an das Universitätsklinikum als digitales Leitkrankenhaus angebunden werden. Versorgung, Forschung und Lehre sollen enger zusammenspielen; neue Versorgungsmodelle könnten datenbasiert erprobt werden. Telemedizin, virtuelle Sprechstunden und digitale Verwaltungslösungen sollen medizinisches und pflegerisches Personal unterstützen.

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Zur Forschungsagenda gehören Gesundheitssystemforschung und die Digitalisierung des Gesundheitswesens. Die Region soll digital an die Forschungsinfrastrukturen der Universität angebunden werden, regionale Versorgungsdaten sollen in die Forschung einfließen. Daraus sollen neue datenbasierte Versorgungsmodelle entstehen, die nicht nur in der Lausitz funktionieren, sondern auch für vergleichbare Regionen interessant sein können.

Neue Formate für Studium und Praxis

Auch in der Lehre ist eine Zusammenarbeit geplant. Das erste konkrete Vorhaben heißt „Medizin im Wandel“. Digitalisierung und Medizintechnik sollen stärker in die fachübergreifende medizinische Ausbildung integriert werden, unter Einbeziehung technischer Wissenschaften an der TU Dresden und an der BTU in Cottbus. Gemeinsame Wahlfächer, Summer Schools und weitere Studienangebote sind vorgesehen.

Für die Ausbildung sollen außerdem externe Lehrpraxen und Lehrkrankenhäuser eingebunden werden. Niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, ambulante Zentren, Ärztenetzwerke und Krankenhäuser könnten sich beteiligen; viele potenzielle Partner haben laut der Modellregion bereits Unterstützung signalisiert. Das Netzwerk soll als regionale Infrastruktur und als Anwendungsfeld für Praktika sowie interprofessionelle, digitale und praxisnahe Lehrformate dienen. Studierende erhalten dadurch früh Einblicke in den Berufsalltag – nicht erst, wenn der erste volle Dienstplan auf dem Tisch liegt.

Geplant ist zudem ein Austausch über den Aufbau von Studiengängen, Lehrpläne und Qualitätssicherung. Auch Fakultätsorganisation, Leitungsstrukturen, akademische Karrierewege, Personalförderung, Finanzmanagement und die Einwerbung von Drittmitteln gehören zu den Themen.

Die Verbindung von ambulanten und stationären Leistungserbringern soll den Austausch von Versorgungsdaten erleichtern und Behandlungspfade besser koordinieren. Die medizinische Versorgung soll sich qualitativ weiterentwickeln und effizienter werden. Forschung, Lehre und Versorgung rücken dabei enger zusammen, damit Innovationen schneller in der Patientenversorgung ankommen. In der Lausitz erhobene und aggregierte Versorgungsdaten sollen an der Universität ausgewertet werden; mittel- und langfristig könnten daraus Impulse für die Weiterentwicklung des Gesundheitssystems in Deutschland entstehen.

Fünf Handlungsfelder für die Modellregion

Nach der Gründung des Innovations- und Netzwerkrats fand ein Workshop statt, bei dem die beteiligten Partner das Zielbild der Modellregion abstimmten und weiterentwickelten. Festgelegt wurden fünf zentrale Handlungsfelder: die Weiterentwicklung der Versorgung, die digitale Vernetzung der Modellregion, Forschung zu Gesundheitssystemen und zur Digitalisierung des Gesundheitswesens, die Stärkung von Prävention und Gesunderhaltung sowie interprofessionelle Ausbildung und Zusammenarbeit in der Region.

Der Innovations- und Netzwerkrat setzte sich freiwillige Ziele. Die Krankheitslast und die Krankheitskosten der Bevölkerung in der Modellregion sollen stabilisiert und gegebenenfalls gesenkt werden. Die Bevölkerung soll digitale Patientensteuerung nutzen können, sodass Patientenkontakte fallabschließend bearbeitet werden. Außerdem sollen bundesweit führende Zufriedenheitswerte der Mitarbeitenden in interprofessionellen Teams erreicht werden. Ob das gelingt, soll erstmals innerhalb eines Zeitraums von fünf Jahren evaluiert werden.

Langfristig soll die Kooperation die Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum mit wissenschaftlich fundierten und digitalen Ansätzen verbessern. Die MUL-CT wurde im Juli 2024 als erste staatliche Universitätsmedizin Brandenburgs gegründet. Zum laufenden Wintersemester begannen 38 Studierende ihr Medizinstudium in Cottbus. Für sie dürfte „Medizin im Wandel“ damit nicht bloß ein hübscher Titel sein, sondern ziemlich direkt die Frage, wie ihr späterer Berufsalltag in der Lausitz aussehen wird.