Naturschutzzentrum Neukirch presst 455 Kilogramm Äpfel zu 350 Litern Saft
Am Naturschutzzentrum Neukirch wird aus Äpfeln jetzt Saft – direkt vor Ort. Seit Mitte September verfügt die Einrichtung über eine mobile Apfelpresse, deren Anschaffung durch einen LEADER-Projektaufruf ermöglicht wurde. Künftig soll sie bei Veranstaltungen zum Einsatz kommen und Umweltbildungsangebote ergänzen.
Beim ersten Testlauf ging es gleich richtig zur Sache: Auf einer Streuobstwiese sammelten die Beteiligten 455 Kilogramm Äpfel. Dafür war fast ein ganzer Vormittag nötig. Am Ende standen rund 350 Liter Apfelsaft bereit. Als Faustregel gilt: Aus etwa 1,3 Kilogramm Äpfeln entsteht ungefähr ein Liter Saft – je nach Sorte und Fruchtgröße kann das aber schwanken.
Vom Apfel zur Maische
Bevor die Presse loslegen konnte, wurden die Früchte gewaschen und aussortiert. Anschließend zerkleinerte eine Obstmühle die Äpfel mit Messerwalzen zu Maische. Die rohen Stücke verschwanden dann schichtweise in Presstüchern, die zwischen Kunststoffplatten gestapelt und hydraulisch ausgepresst wurden. Das klingt nüchtern, riecht in der Praxis aber ordentlich nach frisch aufgeschnittenem Obst.
Der rohe Saft lief zunächst in zwei Tanks. Danach erhitzte das Team ihn auf 78 bis 82 Grad Celsius, um Hefe- und Schimmelpilze abzutöten. Ein Großteil der Vitamine sollte dabei erhalten bleiben. Portionsweise kam der Saft in 5-Liter-Vakuumbeutel mit Ablasshahn, die anschließend in Kartons verstaut wurden. Dann begann der Ablauf von vorn, bis sämtliche Äpfel verarbeitet waren.
Zum Schluss wurden die Geräte gründlich gereinigt und aufgeräumt. Der Testlauf umfasste damit das Sammeln, Waschen, Zerkleinern, Pressen, Erhitzen, Abfüllen und Lagern des Safts – ein kompletter kleiner Verarbeitungstag, der durchaus in die Arme geht.
Saft aus den eigenen Äpfeln
Ein ähnliches Prinzip verfolgt die Mobile Saftmacherei: Sie verarbeitet selbst gesammelte Äpfel aus Gärten oder Streuobstwiesen zu Apfelsaft. Standorte und Termine sind unter „Termine & Preise“ aufgeführt. Kundinnen und Kunden können den Herstellungsprozess miterleben und den fertigen Saft direkt mitnehmen. Verarbeitet werden dabei ausschließlich die eigenen Äpfel des jeweiligen Kunden; Zusatz- oder Konservierungsstoffe kommen nicht in die Produktion.
Im Angebot sind naturtrüber Apfelsaft in 3- oder 5-Liter-Bag-in-Box-Verpackungen sowie in 1-Liter-Glasflaschen. Angebrochene Bag-in-Box-Verpackungen sind laut Artikel bis zu zwei Monate haltbar, auch bei Zimmertemperatur. Wer Abwechslung im Karton möchte, bekommt außerdem Apfel-Holundersaft, Apfel-Quittensaft, Apfel-Kirschsaft, Apfel-Birnensaft und Apfel-Aroniasaft in Flaschen.
Was in einer mobilen Anlage steckt
Wie leistungsfähig solche Technik sein kann, zeigt eine mobile Saftgewinnungsanlage von Voran: Sie schafft maximal 400 Liter pro Stunde, wobei die tatsächliche Leistung vom Obst und vom Bedienpersonal abhängt. Aufgebaut ist sie auf einem Pkw-Tandemanhänger mit Hochlader-Plateau. Das verzinkte AL-KO-Fahrgestell besitzt Gummifederachsen mit Einzelradaufhängung und eine mechanische Auflaufbremse.
Die Ladefläche misst 3.700 Millimeter in der Länge, 2.260 Millimeter in der Breite und 2.300 Millimeter in der Höhe. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt 2,6 Tonnen. Als Untergrund dienen Siebdruckplatten, die wasser- und rutschfest sind; zusätzlich ist wasserfestes, rutschhemmendes Aluminium-Riffelblech verlegt. Ein Hochplanengestell mit Holzlattenrost trägt die maßgefertigte Hochplane. Alle vier Seiten lassen sich aufrollen und mit Riemen sichern. Unter der Ladefläche sitzen 195/50 R13C Ganzjahresreifen.
Zur Ausstattung gehören eine Packpresse mit Zentralschaltschrank und eine Obstwasch- und Mahlanlage RM40, passend für die Packpresse beziehungsweise das Drehbiet 100P2. Die Packpresse beziehungsweise das Drehbiet 100P2 arbeitet mit 20 Packrosten aus Akazienholz und 18 Presstüchern. Dazu kommen eine Saftsammelwanne mit Edelstahl-Siebeinsatz und angebauter Impellerpumpe, eine Eckrohrsieb-Kombination ERS25 zur Filtration vor dem Erhitzen sowie doppelte Spaltrohrfilter mit Filtereinsätzen von 0,2 Millimetern.
Für den Rohsaft stehen zwei Edelstahltanks mit jeweils 220 Litern Fassungsvermögen bereit. Eine Erhitzungsanlage PA400LC-RWT-ÖL übernimmt Erhitzung und Haltbarmachung. Der Röhrenwärmetauscher schafft etwa 400 Liter pro Stunde. Abgefüllt wird mit einem einstufigen Abfüller und einer eichfähigen Waage für Bag-in-Box-Verpackungen.
Die Anlage wird nach Auftragseingang vom Hersteller gefertigt, die Fertigungsdauer beträgt etwa vier Monate. Danach holt der Kunde sie persönlich beim Hersteller in Pichl bei Wels, Österreich, ab. Bei der Abholung gibt es eine Schulung an der mobilen Obstverarbeitungsanlage. In Neukirch wird der Saft derweil nicht nur haltbar gemacht, sondern auch zum Anschauungsobjekt: Apfel rein, Maische raus, und irgendwo dazwischen wird aus Ernte plötzlich Vorrat für den Winter.
Am heutigen 30.09.2026 lässt sich das Ergebnis des Testlaufs am Naturschutzzentrum Neukirch jedenfalls ziemlich handfest beschreiben: 350 Liter Saft, verpackt und verstaut – nach einem Vormittag voller Äpfel, Wasser, Maschinenlärm und klebriger Hände.
