An der TU Dresden ist Unternehmertum längst mehr als ein Seminarwort. 2025 wurden in Deutschland rund 183.000 Unternehmen gegründet – so viele wie seit 15 Jahren nicht mehr. Das ergab eine Studie des ZEW und der Auskunftei Creditreform. Auch Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt legten deutlich zu, vor allem bei Dienstleistungen.

Der Osten bleibt bei den Unternehmensgründungen dennoch hinter dem Westen. Der prozentuale Zuwachs war 2025 in Sachsen, Thüringen und Sachsen-Anhalt zwar stärker, doch er startete von einem niedrigeren Ausgangsniveau, wie das ZEW einordnet. In Thüringen wuchsen die Gründungen bei unternehmensnahen Dienstleistungen, während sie im verarbeitenden Gewerbe um fast 30 Prozent zurückgingen. Sachsen und Sachsen-Anhalt verzeichneten vor allem mehr Gründungen bei konsumnahen Dienstleistungen und im Gastgewerbe; in Sachsen-Anhalt kam der Handel hinzu.

Zwischen Hörsaal, Raketen und Risikokapital

Ein wichtiger Anlaufpunkt ist das Leipziger Gründungszentrum „SpinLab“. Seit 2014 unterstützt es innovative Geschäftsideen und bringt Gründerinnen und Gründer mit Mentoren und Geldgebern zusammen. Begleitet wurden dort auch akademische Ausgründungen der TU Dresden. Eine davon ist RATLOG: Das Dresdner Startup entwickelte neuartige Raketenantriebe mit weniger Bauteilen und Ersatzteilen. Damit sollen kostengünstigere Raketen gebaut werden können; ein US-Investor beteiligte sich an der Finanzierung.

Sachsen kommt dabei nicht mit leeren Händen daher. Der erstmals veröffentlichte „Sachsen Start-up Monitor 2025“ zählt 698 aktive Start-ups, mehr als eine Milliarde Euro Investitionen seit 2020 und zwei Unicorns: Staffbase in Chemnitz und Sunfire in Dresden. Rund zwei Drittel der Start-ups sitzen in Dresden und Leipzig. Ohne Berlin hat Sachsen damit die meisten aktiven Start-ups in Ostdeutschland – zu München und Berlin ist der Abstand allerdings weiterhin deutlich.

68 Prozent der sächsischen Start-ups arbeiten im B2B-Bereich, bundesweit sind es 56 Prozent. Fast jedes zweite hat bereits Wagniskapital aufgenommen, mehr als etwa in Nordrhein-Westfalen oder Baden-Württemberg. Der hohe Kapitalbedarf hängt mit dem starken Fokus auf Deep Tech zusammen, also auf forschungsbasierten Technologien. An den Hochschulen kommt das an: 96 Prozent der Gründerinnen und Gründer bewerten die Nähe zu Universitäten positiv, 65 Prozent wurden aktiv von Hochschulen unterstützt. Beide Werte liegen über dem Bundesdurchschnitt.

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Eric Weber vom Leipziger SpinLab sieht vor allem in Leipzig und Dresden Potenzial. Hochschulnähe und die Ausrichtung auf Zukunftstechnologien seien wichtige Standortfaktoren, die auch zur Entstehung von Staffbase und Sunfire beigetragen hätten. Für den Anschluss an führende Standorte fehlten aber überregionale Fachkräfte und privates Wachstumskapital. Nach Webers Einschätzung wären dafür fast doppelt so viele Start-ups pro Einwohner nötig.

Warum der Osten langsamer startet

Technologie-Startups machen in Ostdeutschland weiterhin nur einen kleineren Teil der Neugründungen aus. Das ifo-Institut nennt mehrere Gründe: Die gründungsintensive Altersgruppe der 30- bis 39-Jährigen ist wegen des Geburtenrückgangs Anfang der 1990er-Jahre schwächer vertreten. Außerdem gibt es weniger eigenes Kapital, Marktchancen und Risikobereitschaft seien schwächer ausgeprägt. Die Erfahrungen mit massiven Arbeitsplatzverlusten nach der Wiedervereinigung hätten viele junge Menschen vorsichtiger gemacht. Man kann es auch so sagen: Wer erlebt hat, wie schnell ein sicherer Job weg sein kann, setzt nicht unbedingt mit Begeisterung alles auf eine Geschäftsidee.

Weber hält den regionalen Markt trotzdem nicht für entscheidend. Startups sollten mindestens europäisch, möglichst global denken. Ostdeutsche Unternehmen seien dadurch gegenüber Firmen etwa in Bremen oder dem Saarland nicht grundsätzlich im Nachteil. Am Ende müssen sich alle dem internationalen Wettbewerb stellen.

Ein anderes Problem liegt in der Anwerbung ausländischer Fachkräfte. 22 Prozent der sächsischen Start-ups bewerten sprachliche Anforderungen als schwierig, 20 Prozent sehen mangelnde gesellschaftliche Offenheit als Problem. Frauen sind ebenfalls unterrepräsentiert: Der Anteil der Gründerinnen liegt in Sachsen bei 17 Prozent, bundesweit bei 19 Prozent.

Nadine Schmieder-Galfe, Mitgründerin von DyNAbind und Zellmechanik Dresden, sieht in Sachsen bessere Möglichkeiten, Familie und Unternehmertum zu verbinden. Sie fordert mehr Vorbilder und Mentoring-Programme für Gründerinnen. Gewünscht werden außerdem weitere Fortschritte bei der Digitalisierung der Verwaltung und einfachere Zugänge zu öffentlichen Aufträgen. Solche Aufträge könnten jungen Unternehmen verlässliche Kunden verschaffen – und den öffentlichen Dienst digitaler und innovativer machen.

Für zusätzlichen Ärger sorgen die geplanten Kürzungen der sächsischen Landesregierung. Wolfram Günther von Bündnis 90/Die Grünen kritisiert, dass 70 Prozent weniger Mittel für die Gründungsförderung und 40 Prozent weniger für die Beratungsförderung vorgesehen seien. Die Kürzungen sind Teil der aktuellen Haushaltsplanung der sächsischen Landesregierung.

Mehr Kapital, weniger Deals

Bundesweit floss 2025 viel Geld in junge Unternehmen. Laut EY Startup-Barometer erhielten deutsche Startups 8,4 Milliarden Euro Venture Capital – 19 Prozent mehr als 2024 und das drittstärkste Jahr überhaupt. KfW Research kommt nach einer engeren Definition auf rund 7,2 Milliarden Euro. Gleichzeitig sank die Zahl der Deals das vierte Jahr in Folge auf 716, ein Minus von fünf Prozent. Größere Summen, weniger Abschlüsse: Der Markt fühlt sich dadurch ein bisschen an wie ein voller Zug mit weniger Waggons.

Auch bei den Gründungen gehen die Zahlen auseinander, weil unterschiedliche Dinge gezählt werden. Laut startupdetector wurden 2025 3.568 Startups gegründet, 29 Prozent mehr als im Vorjahr – ein neuer Rekord. Schon im ersten Halbjahr entstanden rund 1.500 Startups. Besonders stark stiegen die Gründungszahlen in Bayern um 46 Prozent, in Sachsen um 56 Prozent und in Nordrhein-Westfalen um 33 Prozent.

Der KfW-Gründungsmonitor erfasste dagegen rund 690.000 Existenzgründungen, einschließlich Gründungen im Nebenerwerb. startupdetector und EY zählen vor allem skalierende Technologie- und Innovations-Startups, die typischerweise im Handelsregister eingetragen und für Venture Capital geeignet sind. Für Sachsen nennt die Auswertung 43 Neugründungen, Nordrhein-Westfalen kam auf 164. Bayern lag beim Investitionsvolumen erstmals vorn – mit 3,3 Milliarden Euro. Berlin führte bei der Zahl der Deals mit 218 Transaktionen, München bei den Neugründungen pro Kopf erstmals deutlich vor Berlin.

Das meiste Venture Capital floss in Software und KI: 2,7 Milliarden Euro, 20 Prozent mehr als im Vorjahr. Energy/Cleantech kam auf 1,2 Milliarden Euro, ein Plus von 43 Prozent, Health/Biotech auf 1,1 Milliarden Euro, zwölf Prozent mehr. Defense/Dual-Use wurde durch Helsings Finanzierungsrunde über 600 Millionen Euro zu einem wichtigen Segment.

Helsing, ein Münchner AI-Defense-Unternehmen, erhielt die 600 Millionen Euro und wurde mit 14 Milliarden US-Dollar bewertet. Es folgten Green Flexibility aus dem Energiesektor und Tubulis aus der Biotechnologie. Insgesamt gab es 18 Finanzierungsrunden über mindestens 100 Millionen Euro, sechs mehr als 2024.

KI im Produkt, Druck im Alltag

Bei 45 Prozent der Startups standen KI-Komponenten im Zentrum des Produkts, 2024 waren es 39 Prozent. 82 Prozent setzten KI operativ ein: 63 Prozent intern und 62 Prozent im Produkt. Von den 2025 gegründeten Startups hatten 27 Prozent einen KI-Bezug, im Vorjahr waren es 18 Prozent.

Deutschland hatte 2025 rund 48 aktive Unicorns. Die höchsten Bewertungen erreichten Helsing mit 14 Milliarden US-Dollar und Celonis mit 13 Milliarden US-Dollar; Celonis ist damit ein Decacorn. Neu hinzu kamen Black Forest Labs, n8n, Parloa, Quantum Systems, IQM und Isar Aerospace.

Im Alltag der Gründerinnen und Gründer klingt die große Kapitalsumme dann weniger glamourös. Laut Bitkom Startup Report 2025 nannten 63 Prozent Bürokratie als größte Hürde, 61 Prozent Vertrieb und Kundenakquise, 52 Prozent die Kapitalbeschaffung. Trotzdem hielten 40 Prozent Deutschland für attraktiver als die USA – sechs Prozentpunkte mehr als 2024.

Deutsche Startups hatten durchschnittlich 13 Mitarbeitende und zusätzlich zwei offene Stellen. 40 Prozent beteiligten ihre Mitarbeitenden bereits am Unternehmen, weitere 47 Prozent zogen das in Betracht. Für die Teams in Dresden,