Die Sanierung der Spülhalde Hammerberg in Freiberg ist zu rund 90 Prozent abgeschlossen. Am 19. Oktober informierten sich Sachsens Umweltminister Georg-Ludwig von Breitenbuch und Landrat Sven Krüger vor Ort über den Stand der Arbeiten und die weiteren Planungen.

Seit 2012 sichert und saniert die SAXONIA Standortentwicklungs- und -verwaltungsgesellschaft mbH die ehemalige Anlage auf eigene Kosten. Es geht um eine Hinterlassenschaft des historischen Bergbaus, die nicht einfach verschwinden wird: Auf der knapp fünf Hektar großen Fläche liegen rund 330.000 Kubikmeter Flotationsrückstände aus der Erzaufbereitung.

Eine Halde aus den letzten Bergbaujahren

In Betrieb genommen wurde die Spülhalde 1964. Bis zur Einstellung des Freiberger Bergbaus 1969 wurden dort die Rückstände abgelagert. Untersuchungen wiesen noch Jahrzehnte später Arsen und Schwermetalle nach. Eine umfassende Sicherung und Sanierung wurde damit notwendig.

Das Gelände erhält eine dauerhaft standsichere Form und wird anschließend mit mineralischen Abdeckschichten versehen. Dafür kommen überwiegend geeignete Bodenmaterialien aus dem Bodenplanungsgebiet „Raum Freiberg“ zum Einsatz. Die Abdeckung soll verhindern, dass Niederschlagswasser in die Halde eindringt und belastetes Sickerwasser entsteht, das Schadstoffe in Richtung Grund- und Oberflächenwasser transportieren könnte.

Besonders im Blick ist die Freiberger Mulde. Der Schadstoffaustrag soll verringert, das Grund- und Oberflächenwasser geschützt werden. Eine erste Begrünung bremst außerdem den Abtrag von Bodenmaterial durch Wind und Regen. Nach der technischen Sanierung sind ökologische Aufwertungen vorgesehen: Ausgleichsmaßnahmen, Renaturierung und die Wiederaufforstung von Teilbereichen.

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Forschung am belasteten Sickerwasser

Am Hammerberg wird nicht nur gebaut und abgedeckt. Seit 2024 erprobt eine Pilotanlage im Forschungsprojekt „MindMontan“ die Reinigung des belasteten Sickerwassers. Natürliche mikrobiologische Prozesse werden dabei mit chemischen Verfahren kombiniert. Untersucht werden die Wirksamkeit und Wirtschaftlichkeit des Verfahrens sowie sein Beitrag zur Verbesserung der Wasserqualität.

Zu den Projektpartnern gehören unter anderem die Technische Universität Bergakademie Freiberg, die G.E.O.S. Ingenieurgesellschaft mbH und der Förderverein Montanregion Erzgebirge e. V. Das Sächsische Staatsministerium für Umwelt und Landwirtschaft sowie das Landesamt für Umwelt, Landwirtschaft und Geologie unterstützen das Projekt fachlich und finanziell. Für die Beteiligten ist der Hammerberg damit auch ein Forschungsort – zwischen Erdbewegung, Wasserproben und der ziemlich geduldigen Arbeit von Mikroorganismen.

Die Maßnahme setzt die Aufarbeitung bergbaulicher Altlasten in der Region fort. Im Rahmen des Ökologischen Großprojekts SAXONIA wurden von 1993 bis 2013 bereits mehr als 400 Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen an über 50 Objekten umgesetzt.

Werkzeuge für die Altlastensanierung

Für die Suche nach geeigneten Reinigungs- und Sanierungsverfahren gibt es in Sachsen das Online-Recherchetool BEAST. Es ermöglicht sowohl eine Suche anhand festgelegter Kriterien als auch eine Freitextsuche. Frühere Materialsammlungen und Daten zu Eigenschaften, Eignung und Kosten verschiedener Verfahren wurden dafür in eine Datenbank und ein Programm überführt.

BEAST richtet sich als fachliche Arbeitshilfe an Gutachter, Behörden, planende und ausführende Firmen sowie Ingenieurbüros. Der Schwerpunkt liegt auf den Altlastenbearbeitungsphasen Sanierungsuntersuchung und Sanierung. Das Tool erlaubt eine Auswahl und erste Bewertung von Verfahren und unterstützt die Umsetzung von Vorgaben aus dem Bundes-Bodenschutz- und Altlastengesetz, der EU-Wasserrahmenrichtlinie und dem Wasserhaushaltsgesetz.

Entwickelt wurde BEAST im EU-Projekt „Vita-Min – Leben mit dem Bergbau“. Finanziert wurde es aus Mitteln des Europäischen Fonds für regionale Entwicklung im Kooperationsprogramm SN-CZ 2014–2020. Kleiner Haken für die Neugierigen am Rechner: Laut Hinweis funktioniert das Recherchetool nur im Firefox-Browser einwandfrei.