Einsamkeit im Alter ist ein Thema, das viele Herzen berührt und in der heutigen Zeit mehr denn je diskutiert wird. So stehen Fachleute vor der Herausforderung, sinnvoll mit den Problemen umzugehen, die durch räumliche Distanz und eingeschränkte Mobilität älterer Menschen entstehen. Hier setzt ein neues Forschungsprojekt an, das innovative Technologien nutzt, um soziale Nähe trotz physischer Entfernungen zu ermöglichen.

Ein Team von Wissenschaftlern an der Technischen Universität Ilmenau hat innerhalb von fünf Jahren zwei Prototypen entwickelt, die dazu beitragen sollen, die Kommunikation und Interaktion von Seniorinnen und Senioren mit räumlich entfernten Angehörigen zu fördern. Das erste System ist ein Augmented-Reality-Prototyp, der virtuelle Repräsentationen von Freunden und Verwandten in den Wohnraum älterer Menschen bringt. Diese Art der Co-Präsenz vermittelt ein Gefühl der gemeinsamen Anwesenheit, was Professor Wolfgang Broll als entscheidend erachtet. Um die emotionale Verbindung zu stärken, wird zudem großer Wert auf eine realistische räumliche Klangwiedergabe gelegt, welche die Begegnungen glaubwürdig erscheinen lassen. Die Forschung konzentriert sich auch auf die lebensnahe Darstellung und Bewegung der virtuellen Avatare, um ein authentisches Nutzererlebnis zu erschaffen.

Forschung zu Avataren und Robotern

Im Rahmen des Projekts wird auch eine Roboterplattform untersucht, die technische Komponenten benötigt, um sicher im Wohnraum zu navigieren und Personen korrekt zu erkennen und zu verfolgen. Professor Horst-Michael Groß hebt die Notwendigkeit von sogenanntem „Search and Follow Skills“ sowie der Raumwahrnehmung hervor, um die Interaktion der Roboter mit den Bewohnern zu optimieren. Der gesamte Prozess ist komplex und umfasst Technologien wie panoptische Segmentierung, 3D-NDT-Karten sowie ein webbasiertes Interface für die Kommunikation.

Das ambitionierte Vorhaben ist Teil des übergeordneten Ziels, Einsamkeit unter älteren Menschen zu verringern. Die Carl Zeiss Stiftung berichtet von ähnlichen Zielen in einem anderen Projekt, welches das Konzept der Co-Präsenz in den Fokus rückt. Durch die Verbesserung der Interaktionen zwischen Senior:innen und ihren Familien wird versucht, die Herausforderungen von Einsamkeit gezielt anzugehen.

Digitale Teilhabe als Schlüssel

An der OTH Regensburg wird in einem weiteren Projekt, genannt REIKOLA, untersucht, wie digitale Kommunikationsmittel die Situation von Pflegebedürftigen verbessern können. Das Herzstück dieses Projekts ist ein einfach zu bedienender Ein-Knopf-Computer, mit dem Nutzer eigenständig Videotelefonate führen und Nachrichten versenden können. Teilweise in fünf Pflegeeinrichtungen des Bayerischen Roten Kreuzes Regensburg getestet, zeigen die Ergebnisse, dass digitale Teilhabe die Lebensqualität der älteren Menschen entscheidend erhöht. Die Testpersonen fühlen sich damit deutlich weniger isoliert, und auch die Pflegekräfte berichten von einer spürbaren Entlastung.

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Trotz beeindruckender Fortschritte gibt es jedoch auch Hürden, die es zu überwinden gilt, wie zum Beispiel fehlendes WLAN oder die Kosten für Geräte. Um diese Herausforderungen anzugehen, wird eine praxistaugliche Broschüre entwickelt, die bereits im Dezember veröffentlicht werden soll. In dieser Broschüre finden Einrichtungen wertvolle Empfehlungen, um digitale Kommunikationsangebote einzuführen und so das Gefühl sozialer Verbundenheit zu stärken.

Die aktuellen Forschungen zeigen klar: Innovative Technologien können eine bedeutende Hilfe sein, um Einsamkeit im Alter zu bekämpfen und menschliche Nähe trotz physischer Distanz zu fördern. In den kommenden Monaten werden die Wissenschaftler sicher weiter daran arbeiten, wie durch Digitalisierung ein neues Gefühl von Gemeinschaft in das Leben älterer Menschen integriert werden kann. Angesichts der breiten Unterstützung von Fachleuten aus verschiedenen Bereichen ist zu erwarten, dass diese Projekte eine entscheidende Rolle im Wandel der Altenpflege spielen werden.

Weitere Informationen zu den Projekten und dem Ansatz finden Sie hier: TU Ilmenau, Carl Zeiss Stiftung und OTH Regensburg.