An der TU Kaiserslautern dürfte so mancher Blick heute aufs Handgelenk gehen: Wie hoch ist der Puls, wie gut war der Schlaf, reicht die Erholung für die nächste Trainingseinheit? Der weltweite Fitnesstrendbericht 2027 des American College of Sports Medicine (ACSM) liefert dazu eine klare Rangliste. Veröffentlicht wurde er im ACSM’s Health & Fitness Journal. Mehr als 1.400 Fachleute aus Sportwissenschaft, Klinik und Praxis bewerteten 50 mögliche Branchentrends.

Die ACSM Worldwide Survey of Fitness Trends 2027 wurde im April und Mai 2026 online durchgeführt. Von 1.709 US-amerikanischen Antworten blieben nach Ausschlüssen 1.433 gültige Datensätze übrig. Jeder Trend wurde auf einer Skala von 1 („definitiv kein Trend“) bis 10 („definitiv ein Trend“) beurteilt; die Rangfolge ergibt sich aus den Mittelwerten. Die Befragten waren im Schnitt 46,2 Jahre alt. Häufig vertreten waren Bewegungs- und klinische Sportphysiologen, Personal Trainer sowie Gruppenfitness-Instruktoren. Viele arbeiteten an Hochschulen, in Krankenhäusern oder medizinischen Fitnesszentren, in privaten Praxen oder im eigenen Unternehmen.

Wearables bleiben vorn, aber der Rumpf holt auf

Auf Platz eins steht zum zehnten Mal Wearable Technology: Fitness-Tracker, Smartwatches, Ringe, Herzfrequenz- und GPS-Geräte, Pulsgurte sowie weitere tragbare Sensoren. Sie erfassen in Echtzeit unter anderem Herzfrequenz, Schritte, Geschwindigkeit, Sitz- und Inaktivitätszeit, Distanz, Schlaf, Erholung und körperliche Aktivität. Fortschrittliche Biosensoren können zudem Herzrhythmus, Hauttemperatur und Blutdruck messen sowie Stürze oder Verkehrsunfälle erkennen.

Seit der Aufnahme in die Umfrage 2016 lag der Trend jedes Jahr unter den ersten drei. 2027 war er der einzige, der in sämtlichen dargestellten Berufs-, Arbeitsumfeld- und Erfahrungsgruppen unter den ersten drei landete. Form, Sensorfunktionen und Algorithmen werden laufend weiterentwickelt; Forschende prüfen zugleich, wie zuverlässig die Werte bei unterschiedlichen Geräten und Bevölkerungsgruppen sind. Gerade bei Schlaftrackern ist also ein bisserl Vorsicht angebracht: Messwerte können Training und Regeneration dokumentieren, sollten das eigene Körpergefühl aber nicht automatisch ersetzen.

Mobile Exercise Apps folgen auf Platz zwei. Sie bieten On-Demand-, Livestream- oder aufgezeichnete Kurse und Trainings, die sich flexibel zu Hause, unterwegs oder zwischen zwei Terminen nutzen lassen. Weltweit verwendeten 2025 schätzungsweise 540 Millionen Menschen Fitness-Apps; der Umsatz lag bei rund 3,4 Milliarden US-Dollar. Gegenüber 2026 kletterte der Trend von Platz vier auf Platz zwei und erreichte damit wieder seine Platzierung von 2025.

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Den größten Sprung unter den klassischen Trainingsformen machte „Balance, Flow und Core Strength“: Platz drei, zwei Plätze höher als im Vorjahr. Dazu zählen Pilates, Yoga, Barre und Mobility-Training. Für Pilates wurde im Jahresvergleich ein Buchungswachstum von 66 Prozent, für Yoga von 28 Prozent berichtet. Das klingt zunächst nach Kursplan und Matte, meint aber mehr: Die Tiefenmuskulatur kann Haltung, Gleichgewicht, Kraftübertragung und die Stabilität der Lendenwirbelsäule verbessern. Ein kräftiger Rumpf kann Rückenschmerzen und Verletzungen vorbeugen – für Menschen, die lange sitzen, ist das keine Kleinigkeit.

Wer einsteigen will, muss nicht sofort komplizierte Abfolgen beherrschen. Isometrische Übungen wie Planks oder „Schiffchen“, bei denen eine Position unter Spannung gehalten wird, reichen als Anfang. Nach ein paar Sekunden brennt’s ohnehin.

Muskelkraft wird im Alter zur Gesundheitsfrage

Auf Platz vier folgen Fitnessprogramme für ältere Erwachsene. Sie richten sich laut Studie an Menschen ab 65 Jahren und zielen auf Lebensqualität, Funktionsfähigkeit und ein selbstständiges Leben. In kommunalen Einrichtungen und Programmen belegte der Trend sogar Platz eins; zum fünften Mal in Folge lag er weltweit unter den ersten fünf.

Der Sportwissenschaftler Jürgen Gießing weist darauf hin, dass der Mensch ohne Gegenmaßnahmen ab dem 30. Lebensjahr jährlich bis zu ein Prozent Muskelmasse verlieren kann. Ab etwa 60 beschleunigt sich der Prozess als Sarkopenie. Ein Spaziergang oder Gartenarbeit tun gut, gelten allein aber nicht als ausreichender Schutz vor altersbedingtem Muskelverlust. Ausdauertraining beansprucht vor allem langsam zuckende Typ-I-Muskelfasern. Für Sturzprävention und stabile Gelenke braucht es zusätzlich gezielte Kraftreize für schnell zuckende Typ-II-Muskelfasern.

Aktive Muskelarbeit setzt Myokine frei, die Entzündungsprozesse dämpfen und den Glukosestoffwechsel unterstützen können. Auch Menschen über 70 können ihre funktionelle Kraft durch langfristiges Krafttraining erhalten. Wer mit 40 oder 50 beginnt, kann weiterhin Muskeln aufbauen – sofern Trainingsreize und Regeneration zusammenpassen. Platz fünf der Rangliste gehört deshalb dem traditionellen Krafttraining mit progressiver Belastungssteigerung. Gemeint sind strukturierte Übungen mit Hanteln, Kettlebells, Langhanteln, Bändern und ähnlichen Geräten. International schaffte es dieser Trend in 43,8 Prozent der teilnehmenden Regionen unter die ersten drei; gegenüber 2026 stieg er von Platz sieben auf fünf.

Platz sechs belegt Training zur Gewichtskontrolle. Es kann Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme oder Gewichtserhaltung anstreben und Ernährungsberatung, Verhaltensänderungen sowie medizinische Maßnahmen wie Medikamente zur Adipositasbehandlung einschließen. Der Trend fiel von Platz drei. Bei Ernährungsfachkräften sowie im militärischen, staatlichen und öffentlichen Sicherheitsbereich blieb er dennoch unter den ersten drei.

Gruppenfitnesskurse kletterten kräftig von Platz 13 auf sieben. Indoor-Cycling, Yoga, Barre, Tanz-, Box-, Kraft- und Ausdauertraining bringen dabei nicht bloß Menschen in denselben Raum; sie geben auch einen Rhythmus vor. In den USA war Gruppenfitness der bestplatzierte Trend aus der Kategorie „strukturiertes Training“.

Die Top 20 – von Kältebad bis Heimtraining

  1. Wearable Technology: Tracker, Smartwatches, Herzfrequenz- und GPS-Geräte sowie Sensoren messen unter anderem Puls, Schritte, Schlaf, Erholung und Aktivität.
  2. Mobile Exercise Apps: On-Demand-, Livestream- und aufgezeichnete Trainings für eine flexible Begleitung.
  3. Balance, Flow und Core Strength: Yoga, Pilates, Barre sowie mobilitäts- und rumpforientierte Einheiten.
  4. Fitnessprogramme für ältere Erwachsene: Muskelerhalt, Sturzprophylaxe, Funktionsfähigkeit und Selbstständigkeit.
  5. Traditionelles Krafttraining: Widerstandstraining mit Hanteln, Kettlebells, Langhanteln, Bändern und ähnlichen Geräten.
  6. Training zur Gewichtskontrolle: Programme zur Gewichtsabnahme, Gewichtszunahme oder Gewichtserhaltung.
  7. Gruppenfitnesskurse: angeleitete Indoor-Cycling-, Yoga-, Tanz-, Box-, Kraft- und Ausdauerangebote.
  8. Datengestützte Trainingstechnologie: Steuerung über Herzfrequenzvariabilität, Schlafqualität, Trainingsbelastung und geschätztes VO₂max.
  9. Training für mentale Gesundheit und Wohlbefinden: Bewegung für Stimmung, Kognition, Resilienz und gegen Stress, Angst und Depression.
  10. Fitnessprogramme von Influencern und Markenbotschaftern: digitale Trainings-, Bildungs- und Motivationsangebote.
  11. Wärme- und Kältetherapien: Heizkissen, Eispackungen, Saunen und Kaltwasserbäder.
  12. High-Intensity Interval Training (HIIT): kurze hochintensive Belastungen wechseln mit aktiver Erholung oder niedrigerer Intensität.
  13. Funktionelles Fitnesstraining: Bewegungsmuster für den Alltag, etwa Gleichgewicht, Koordination, Kraft, Beugen, Hocken, Drücken und Drehen.
  14. Personal Training: individuelle Planung und Betreuung vor Ort, online oder hybrid.
  15. Wettbewerbsorientierte Fitnessveranstaltungen: organisierte Wettbewerbe und Ausdauerveranstaltungen mit Laufen, Kraftstationen, Hindernissen oder funktionellen Aufgaben.
  16. Massage, Vibration und Kompression: Massagepistolen, Vibrationsplattformen sowie Kompressionsgeräte und -kleidung.
  17. Freizeit