An der Technischen Universität München (TUM) läuft seit dem 2. November 2026 die Aufarbeitung eines Cybervorfalls. Eine offizielle Bestätigung lag zunächst nicht vor. Inzwischen teilte die TUM mit, dass Unbekannte das Portal myTUM angegriffen und dabei Passwörter für die zentrale Anmeldung an TUM-Systemen erbeutet haben. Betroffen sind unter anderem login.tum.de, TUMonline und weitere TUM-Dienste.

Am Freitag, 6. November 2026, um 12:20 Uhr waren die TUM-Portale mytum.de und campus.tum.de von außen nicht erreichbar oder nur eingeschränkt zugänglich. Für den Zugriff auf das alte Portal wurde offenbar eine VPN-Verbindung verlangt. TUM-Administratoren waren laut einer internen Mitteilung über einen seit dem 2. November bestehenden Sicherheitsvorfall informiert worden.

Angriff über myTUM, TUMonline vorübergehend abgeschaltet

Nach Angaben der TUM waren die Zugangsdaten aller Personen betroffen, die bei myTUM angemeldet waren. Unter den erbeuteten Daten befand sich auch das Konto eines Systemverwalters für TUMonline. Die Angreifer nutzten dieses Konto, um das zentrale Campus-Management-System anzugreifen. TUMonline wurde daraufhin vom Netz genommen; das Campus-Portal ist vorübergehend deaktiviert.

Dem ursprünglichen Bericht zufolge wies das alte MyTUM-Portal möglicherweise Sicherheitslücken auf, die Shell-Zugriff ermöglichten. Denkbar ist außerdem, dass dort Anmeldedaten zwischengespeichert waren. Das könnte erklären, warum das Campus-Portal abgeschaltet wurde. Die TUM-IT sperrte vorsorglich Benutzerkonten. Die zentrale Anmeldeseite der TUM soll nach den damals vorliegenden, unbestätigten Informationen nicht kompromittiert worden sein.

Möglicherweise betroffen sind bei allen betroffenen Personen das Passwort des TUM-Accounts, der Name, die private Anschrift und das Geburtsdatum. Bei Beschäftigten könnten zusätzlich Dienstanschrift und dienstliche Telefonnummer betroffen sein. Studierende müssen außerdem mit einer möglichen Betroffenheit von Matrikelnummer, Studiengang und Anzahl der Fachsemester rechnen.

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Die Zugriffe innerhalb von TUMonline wurden weitgehend protokolliert. Nach der bisherigen Auswertung gibt es keine Hinweise darauf, dass weitere TUMonline-Daten wie Noten oder Studienplatzbewerbungen betroffen sind. Die Prüfung dauert an. Nach aktuellem Kenntnisstand konnte durch die Sperrung der Accounts und die Deaktivierung von TUMonline eine weitere Ausbreitung des Angriffs verhindert werden.

Passwörter ändern, bei Nachrichten auf der Hut sein

Die TUM arbeitet daran, den Vorfall einzudämmen und die Online-Systeme wieder bereitzustellen. Nutzerinnen und Nutzer sollen ihr TUM-Passwort ändern. Bis Montag sollen dafür mehrere Möglichkeiten bereitgestellt und Informationen zum Ablauf veröffentlicht werden. Eine Anleitung soll spätestens am Montagabend unter https://www.it.tum.de/it/aktuelles/ verfügbar sein.

Wer dasselbe Passwort auch bei anderen Diensten verwendet, sollte es dort ebenfalls ändern – etwa bei privaten E-Mail-Konten, Online-Shops oder sozialen Netzwerken. Für jeden Dienst soll ein eigenes Passwort verwendet werden. Die TUM empfiehlt, die Adresse für die Passwortänderung selbst einzugeben und nicht auf Links aus E-Mails zu klicken.

Vorsicht ist bei E-Mails, Briefen und Anrufen angesagt. Mit Namen, Studiengang und Anschrift könnten Betrüger glaubwürdige Nachrichten erstellen, zum Beispiel mit der Aufforderung, ein gesperrtes Konto über einen Link zu entsperren. Die TUM fragt niemals per E-Mail, Telefon oder Brief nach Passwörtern. Verdächtige Links sollten nicht angeklickt werden. Auffällige Nachrichten und andere verdächtige Vorfälle können an it-sicherheit@tum.de gemeldet werden.

Anschließend soll die Multi-Faktor-Authentifizierung (MFA) aktiviert werden. Für login.tum.de bietet sie zusätzlichen Schutz, selbst wenn ein Passwort bekannt geworden ist. Konten mit bereits aktivierter MFA waren bei diesem Angriff geschützt. Fragen zum Vorfall können an datenschutz-vorfall@tum.de gerichtet werden; die Datenschutzbeauftragten sind unter datenschutz@tum.de erreichbar.

Die TUM hat den Vorfall dem Bayerischen Landesbeauftragten für den Datenschutz gemeldet und Strafanzeige erstattet. Die Untersuchungen dauern an, über neue Erkenntnisse soll informiert werden.

Ein Fall unter mehreren an Münchner Hochschulen

Der Angriff reiht sich in eine angespannte Lage ein. Am 20. September 2026 wurde über einen Datenschutzvorfall an der Ludwig-Maximilians-Universität München (LMU) berichtet, bei dem Unbekannte Zugriff auf Daten erlangt haben sollen. Zwei Münchner Universitäten innerhalb weniger Wochen – da wird einem beim Blick auf die nächste Login-Seite schon kurz anders.

Wie schwierig der Schutz von Hochschulen inzwischen geworden ist, beschreibt die Veröffentlichung „Cybersicherheit an Hochschulen: Föderale Ansätze und (gemeinsame) Wege“. Die von Mathias Stein, Maren Lübcke und Harald Gilch verfasste Studie erschien am 1. Oktober 2025. Sie nennt sowohl alltägliche Phishing- und Spam-Attacken als auch mutmaßlich staatlich gesteuerte Operationen. Cyberangriffe auf Hochschulen haben in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen; Cybersicherheit ist damit zu einem zentralen Handlungsfeld für Hochschulen und Wissenschaftspolitik geworden.

Das HIS-Institut für Hochschulentwicklung untersuchte erstmals systematisch, wie die Bundesländer die Cybersicherheit an Hochschulen fördern. Grundlage waren eine Dokumentenanalyse und zwei Befragungen von Wissenschaftsministerien und Computer Emergency Response Teams (CERTs), durchgeführt im Sommer 2024.

Die Länder gehen dabei unterschiedlich vor: Einige haben umfassende Strategien und zentrale Anlaufstellen, andere setzen stärker auf autonome Lösungen einzelner Hochschulen. Unterschiede zeigen sich bei der institutionellen Verankerung von Zuständigkeiten, bei Unterstützungsleistungen und bei der Zusammenarbeit zwischen Hochschulen und Landesstrukturen. CERTs sind häufig für Hochschulen zuständig, werden von diesen aber nur wenig genutzt.

Geprägt werden die Rahmenbedingungen unter anderem durch die NIS-2-Richtlinie, Landes-IT-Gesetze und die Verteilung föderaler Zuständigkeiten. Die Studie versteht Cybersicherheit nicht als ausschließlich technisches Problem. Hochschulen sollen Krisenmanagementprozesse etablieren und Zuständigkeiten eindeutig regeln. Ministerien sollen Unterstützungsstrukturen bereitstellen und den institutionellen Rahmen schaffen. Länderübergreifende Kooperation und systematischer Wissenstransfer gelten als wichtige Voraussetzungen für mehr Resilienz.

Behandelt werden in der Studie Ziele und Methodik, Cyberangriffe und aktuelle Bedrohungslagen, rechtliche Grundlagen und föderale Zuständigkeiten, die Befragungsergebnisse von Ministerien und CERTs, Cybersicherheitsansätze und CERT-Unterstützungsleistungen sowie die Situation in allen 16 Bundesländern. Die Veröffentlichung ist als „HIS-HE:Forum 3|2025 Cybersicherheit an Hochschulen“ zum Download erhältlich.