DAAD startet Fachzentren für KI in Kenia und Landrechte in Ghana
Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unterstützt zwei neue Fachzentren in Kenia und Ghana. Die Vorhaben laufen bis Ende 2031 und verbinden deutsche Hochschulen mit Partnerinstitutionen vor Ort. Für Kenia kommen rund 2,3 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt und knapp 1,9 Millionen Euro vom Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt. Ghana erhält etwa 2,3 Millionen Euro vom Auswärtigen Amt.
Die Nachricht passt gut an die Technische Universität München (TUM): Sie ist am ghanaischen Zentrum beteiligt. Veröffentlicht wurde die Pressemitteilung am 12. Oktober 2026 um 14:05 Uhr – also erst gestern.
KI für Gesundheit, Wasser und Klima
In Kenia koordiniert die Universität Tübingen das Zentrum „Applied and Responsible Artificial Intelligence for Society and Environment“ (ARAISE). Hauptstandort ist die Dedan Kimathi University of Technology (DeKUT); außerdem gehören das Kenya Medical Research Institute (KEMRI) und die Maseno University zu den Partnern.
ARAISE soll Forschung, Lehre und Ausbildung zu Künstlicher Intelligenz in Kenia bündeln. Im Mittelpunkt stehen Umwelt und Geodaten, öffentliche Gesundheit sowie gesellschaftliche Teilhabe. Geplant sind deutsch-kenianische Forschungsgruppen – etwa zur KI-gestützten Gesundheitsforschung, zur Verbesserung der Wasserversorgung und zur Klimaanpassung. Klingt nach großen Fragen, die ziemlich nah am Alltag liegen: sauberes Wasser, belastbare Gesundheitsdaten, ein Umgang mit Hitze und Wetterextremen.
Gemeinsame Lehr- und Qualifizierungsangebote richten sich an Masterstudierende und sollen den verantwortungsvollen Einsatz von KI vermitteln. Zugleich soll das Zentrum den akademischen Austausch zwischen Kenia und Deutschland sowie den Dialog über Chancen und Risiken der Technologie stärken.
Ein Förderprogramm mit konkreten Fristen
Für die kenianische KI-Kooperation gibt es eine eigene Ausschreibung: „Fachzentrum für anwendungsorientierte und verantwortungsvolle Künstliche Intelligenz in Kenia – Förderlinie B“. Sie wurde am 1. April 2026 veröffentlicht, Antragsschluss war der 30. Juni 2026.
Die Förderlinie dient der Forschungsförderung und dem Aufbau einer Forschungskomponente am KI-Fachzentrum. Sie soll Promovierende und Postdoktorandinnen beziehungsweise Postdoktoranden weiterqualifizieren, die Betreuung verbessern und Forschungsergebnisse international verbreiten.
Gefördert werden Forschungsaufenthalte deutscher Promovierender und Postdocs in Kenia sowie Aufenthalte kenianischer Promovierender und Postdocs in Deutschland und Kenia. Auch Forschungs- und Lehraufenthalte deutscher erfahrener Hochschullehrender sowie Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Kenia sind vorgesehen. Dazu kommen kleinere Forschungsprojekte von Postdocs und im Rahmen der Doktorandenausbildung, etwa Feldforschung, Studien, Evaluationen und Analysen.
Auf der Liste stehen außerdem Arbeits- und Strategiesitzungen, Workshops, Reisen und die Teilnahme an Seminaren. Selbst Sprachkurse zum Erlernen der deutschen Sprache können gefördert werden. Zielgruppen sind deutsche und kenianische Promovierende und Postdoktorandinnen beziehungsweise Postdoktoranden sowie deutsche erfahrene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler und Hochschullehrende.
Antragsberechtigt sind staatliche und staatlich anerkannte deutsche Hochschulen sowie gemeinnützige und selbstforschende außeruniversitäre Forschungseinrichtungen mit Sitz in Deutschland. Voraussetzung ist eine Partnerschaft oder ein bestehendes Netzwerk mit mindestens einer Hochschuleinrichtung in Kenia.
Der Antrag auf Projektförderung umfasst jeweils einen Antrag für Förderlinie A und Förderlinie B. Das übergreifende Gesamtkonzept muss im Antrag für Förderlinie A dargestellt werden; die Ausschreibung für Förderlinie A ist separat verfügbar.
Zur Vorbereitung gab es zwei digitale Termine. Das Web-Seminar zur Antragstellung fand am 28. April 2026 von 10:00 bis 11:30 Uhr MEZ über Webex statt. Besprochen wurden Hintergrund und Ziele des Programms, das Förderkonzept und Fragen zur Antragstellung. Die Anmeldung lief bis zum 23. April 2026 per E-Mail an p31@daad.de.
Am 8. Mai 2026, ebenfalls von 10:00 bis 11:30 Uhr MEZ, folgte über Microsoft Teams ein Web-Seminar zum Wirkungsorientierten Monitoring (WoM), anschließend gab es eine Fragerunde. Es ging um die Grundlagen des wirkungsorientierten Monitorings und der wirkungsorientierten Projektplanung. Anmeldungen waren bis zum 30. April 2026 über LimeSurvey möglich.
Landrechte und Infrastruktur in Ghana
Das ghanaische Zentrum trägt den langen Namen „Center of Excellence for Customary Land Governance, and Participatory Planning for Sustainable Infrastructure“, kurz LandGAPPS. Aufgebaut wird es von der TUM gemeinsam mit der Kwame Nkrumah University of Science and Technology (KNUST).
Im Fokus stehen traditionelle Landrechte, die sogenannte „Customary Land Governance“, partizipative Raumplanung, Geoinformationssysteme, Landadministration und nachhaltige Infrastrukturentwicklung. Deutsche und ghanaische Fachleute sollen praxisorientierte Lösungen für widerstandsfähige Infrastruktur entwickeln – nicht nur am Schreibtisch, sondern mit Blick auf die tatsächlichen Bedingungen vor Ort.
Vorgesehen sind gemeinsame Curricula, Promotionsförderung, Mobilitätsprogramme und digitale Lehrangebote. Außerdem soll eine dauerhafte wissenschaftliche Infrastruktur zwischen TUM und KNUST entstehen. Forschungsergebnisse sollen in die wissenschaftlichen und fachpolitischen Diskurse in Deutschland und Ghana einfließen.
Bei technischen Störungen oder höherer Gewalt kann bis zum Antragsschluss per E-Mail eine Verlängerung beantragt werden. Die Gründe müssen konkret beschrieben und dokumentiert werden, beispielsweise durch einen Screenshot. Das DAAD-Portal schließt am letzten Bewerbungstag um 24:00 Uhr MEZ beziehungsweise MESZ. Technische Unterstützung gibt es unter portal@daad.de oder über die Portalhotline +49 (0)228 882-8888, werktags von 9:00–12:00 und 14:00–16:00 Uhr MEZ/MESZ.
Die verfügbaren Unterlagen liegen auf Deutsch und Englisch vor. Dazu gehören der Förderrahmen beziehungsweise „Call for Proposals“, Informationen zu Hintergrund und thematischem Fokus, das Wirkungsgefüge beziehungsweise „Results Framework“, der Indikatorenkatalog, die Projektbeschreibung und die Befürwortung durch die Hochschulleitung. Ebenfalls bereitgestellt werden eine Handreichung zur wirkungsorientierten Projektplanung und zum Monitoring, Informationen zur Mobilität mit Behinderung oder chronischer Erkrankung sowie Handreichungen zur klimasensiblen Umsetzung internationaler Hochschulkooperationen und zu Diversität und Chancengerechtigkeit in DAAD-Projekten.
Ausbildung, Austausch und Transfer
Beide Vorhaben gehören zum DAAD-Programm „Fachzentren Afrika – Centres of African Excellence“. Es fördert die akademische Ausbildung an afrikanischen Hochschulen und erweitert Forschungskapazitäten, insbesondere durch Kooperationen mit deutschen Partnerinstitutionen. Die Zentren bilden Fach- und Führungskräfte nach internationalen Standards aus und vernetzen Hochschulen mit Partnern aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft.
Ein Schwerpunkt liegt auf praxisorientierter Ausbildung und dem Transfer von Forschungsergebnissen in die Praxis. In Kenia kann das bei Gesundheitsforschung oder Wasserversorgung ansetzen, in Ghana bei Landverwaltung und Infrastrukturplanung. Dazwischen liegen viele Sitzungen, Reisen, Daten und vermutlich auch ordentlich Kaffee – Wissenschaftskooperationen sind schließlich selten mit einem einzigen Treffen erledigt.
Für Fragen zur Hochschulstrukturförderung in der Entwicklungszusammenarbeit beim DAAD stehen Dr. Ruth Fuchs unter +49 228 882-694 und fuchs@daad.de sowie Fatima Haddaoui Lopez unter +49 228 882-8965 und haddaoui-lopez@daad.de zur Verfügung.
