Ernst-Otto-Fischer-Seminar verbindet Chemieforschung, Unterricht und industrielle Praxis
Am 15. und 16. Oktober 2026 wurde das TUM Akademiezentrum Raitenhaslach in Burghausen zum Treffpunkt für Chemielehrkräfte. Beim zwölften Ernst-Otto-Fischer-Seminar ging es um Technologiesprünge durch Chemie – und darum, wie Forschung ihren Weg in die Anwendung findet.
Veranstaltet wurde die zweitägige Lehrerfortbildung von der Technischen Universität München (TUM), dem Aventinus-Gymnasium Burghausen und Clariant. Das Leitthema lautete: „Technologiesprünge durch Chemie: Von der Forschung in die Anwendung“. Seit 2012 wird das Seminar unter der Schirmherrschaft der TUM gemeinsam mit dem Aventinus-Gymnasium organisiert.
Forschung, Schule und viele Fragen
Prof. Dr. Fritz E. Kühn von der TUM eröffnete die Veranstaltung. Seit der Gründung leitet er das Seminar; außerdem ist er Prodekan für Studium und Lehre der TUM School of Natural Sciences. Ziel der Fortbildung ist, Chemielehrkräften aktuelle Erkenntnisse aus Forschung und Industrie zu vermitteln und ihre Übertragung in den Schulunterricht zu unterstützen.
Begrüßt wurden die Teilnehmenden von Andreas Galneder, dem stellvertretenden Schulleiter des Aventinus-Gymnasiums Burghausen, Franz Kammhuber, dem stellvertretenden Landrat des Landkreises Altötting, sowie Florian Schneider, dem Ersten Bürgermeister der Stadt Burghausen. Unter den Gästen war auch Dr. Hermann Fußstetter, ehemaliger Mitarbeiter der Wacker Chemie und einer der ursprünglichen Initiatoren des Seminars.
Anschließend folgten Fachvorträge. Prof. Tom Nilges von der TUM eröffnete das wissenschaftliche Programm mit „Batterieentwicklung und Technologiesprünge der Li-Batterie“. Dr. Thomas Badmann stellte neue entzündungshemmende Diterpenoide vor, die mithilfe von KI-gestütztem Enzym-Engineering entwickelt werden. Prof. Thomas Fässler sprach über „Materialchemie im Spannungsfeld von Grundlagenforschung und Energiewende“.
Um pflanzenbasierte alternative Lebensmittel, ihren Nährwert und ihre Sicherheit ging es bei Prof. Michael Rychlik. Besonders der Vergleich von Kuhmilch und pflanzlichen Alternativen stieß auf großes Interesse – und löste zahlreiche Fragen der Lehrkräfte aus. Prof. Jennifer Strunk widmete sich der lichtassistierten thermischen Katalyse und der Intensivierung katalytischer Prozesse durch Bestrahlung. Nach jedem wissenschaftlichen Vortrag schloss sich eine Diskussionsrunde mit den Referierenden an.
Vom Hörsaal ins Werk
Der zweite Seminartag begann bei Clariant mit einer Einführung und Sicherheitseinweisung. Danach folgte eine zweieinhalbstündige Werksbesichtigung. Die Teilnehmenden erhielten dabei Einblicke in industrielle Arbeitsabläufe; begleitet wurden sie von Dr. Andreas Fischbach, der selbst an der TUM ausgebildet wurde.
Zurück im fachlichen Programm sprach Dr. Dieter Hoffmann von der TUM über Infektionen, die durch Vektoren wie Mücken und Zecken übertragen werden. Eine abschließende Diskussion beendete das Seminar.
Inhaltlich reichte die Veranstaltung damit von Lithium-Batterien und KI-gestütztem Enzym-Engineering über Materialchemie für die Energiewende, alternative Lebensmittel und Katalyse bis zu vektorübertragenen Infektionskrankheiten. Die Clariant-Werksbesichtigung ergänzte die wissenschaftlichen Beiträge um den Blick auf die industrielle Praxis – also dorthin, wo aus Forschung irgendwann ein Verfahren, ein Produkt oder zumindest ein ziemlich konkreter Arbeitstag wird.
Fortsetzung einer Reihe
Beim elften Ernst-Otto-Fischer-Seminar im Vorjahr standen unter anderem Katalyse, maschinelles Lernen, Laborautomatisierung, Zoonosen und Photokatalyse auf dem Programm. Auch die zwölfte Ausgabe wurde finanziell durch die Johannes B. Ortner-Stiftung unterstützt. Gegründet wurde die Stiftung 2005 von Johannes B. Ortner, einem 2022 verstorbenen Ehrensenator der TUM; ihren Sitz hat sie in München.
Für Chemielehrkräfte verbindet das Seminar damit zwei Ebenen, die im Schulalltag sonst leicht auseinanderdriften: neue Forschung und die Frage, wie man sie verständlich ins Klassenzimmer bekommt. Dazwischen liegen Vorträge, Diskussionen, Sicherheitsunterweisungen und zweieinhalb Stunden Werksbesichtigung. Und vermutlich auch ein paar Notizen, die später noch einmal aus Taschen und Mappen hervorgeholt werden.
