Nach dem Oktoberfest kratzt der Hals, die Nase läuft, der Kopf brummt – die sogenannte „Wiesngrippe“ gehört für viele Besucher fast schon zum Nachprogramm. Gemeint ist damit allerdings meistens keine echte Influenza. Christoph Spinner, Leiter der Infektiologie am TUM-Klinikum Rechts der Isar, beschreibt den Begriff als Sammelbezeichnung für akute Atemwegsinfekte.

Auf der Festwiese kommen viele Menschen eng zusammen, dazu können Schlafmangel, Kälte und Alkoholkonsum den Körper belasten. Im Zelt ist die Luft warm und verbraucht, draußen pfeift vielleicht der Wind – keine ideale Mischung. Häufige Erreger wie Rhino-, Adeno- und Enteroviren lassen sich zudem nicht durch Impfungen verhindern.

LMU sucht Wiesn-Besucher für Studie

Das LMU-Klinikum untersucht das Phänomen 2026 erstmals systematisch. Die Studie „MunichFlu“ soll klären, wie sich ein Oktoberfestbesuch auf die Gesundheit auswirkt, welche Erreger hinter den Erkrankungen stehen und welche Risikofaktoren eine Rolle spielen. Im Blick sind auch mögliche Folgen eines Wiesnbesuchs für Menschen mit Herzerkrankungen.

Mitmachen können Personen ab 18 Jahren, die das Oktoberfest 2026 besuchen oder einen Besuch planen. Die Teilnahme ist freiwillig, eine Online-Anmeldung ist möglich. Rund vier Wochen nach der Anmeldung kommt per E-Mail ein weiterer Fragebogen; das Ausfüllen dauert etwa fünf Minuten. Nach dem Fest erhalten die Teilnehmenden außerdem Fragen zu ihrem Besuch und möglichen Infektionen. Auch Menschen mit Vorerkrankungen können teilnehmen.

Wer nach dem Wiesnbesuch Erkältungs- oder grippeähnliche Beschwerden bekommt, kann beim LMU-Team einen Abstrich zur Erregerbestimmung durchführen lassen. Dafür wird per E-Mail ein Termin vereinbart. Kontakt: med1.munichflu@med.uni-muenchen.de.

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Impfungen ohne Termin auf dem Festgelände

Auf dem Oktoberfestgelände sind 2026 erstmals Impfungen gegen Grippe und Covid-19 ohne Termin möglich. Sie schützen allerdings nicht vor allen Erregern, die hinter einem Atemwegsinfekt nach der Wiesn stecken können.

Wer krank ist, sollte möglichst zu Hause bleiben und vermeiden, andere anzustecken. Der Infektiologe Johannes Bogner vom LMU Klinikum rät ausdrücklich, nicht krank auf das Oktoberfest zu gehen. Nach einem Wiesnbesuch mit Krankheitssymptomen kann eine Maske andere Menschen schützen. Abstandhalten und regelmäßiges Händewaschen helfen ebenfalls. Im Freien verteilen sich Atemluftpartikel schneller als in einem vollen Festzelt – manchmal ist ein Schritt vor die Tür also tatsächlich vernünftig.

„Wiesngrippe“ ist nicht gleich Grippe

Akute Atemwegsinfektionen können durch unterschiedliche Erreger ausgelöst werden und ähnliche Beschwerden verursachen. Verlauf und Schwere unterscheiden sich aber. Eine Erkältung verläuft meist mild: Erkältungsviren reizen oder schädigen die Schleimhäute, die Immunabwehr löst die typischen Symptome aus. Schnupfen, Husten und Halsschmerzen sind häufig, erhöhte Temperatur oder Fieber kommen seltener vor.

Auch eine RSV-Infektion ähnelt bei Erwachsenen oft einer Erkältung und verläuft meist leicht. Möglich sind jedoch Komplikationen wie eine Lungenentzündung. Ein erhöhtes Risiko für schwere Verläufe haben Frühgeborene, junge Säuglinge, ältere Menschen sowie Personen mit bestimmten Vorerkrankungen oder einer Immunschwäche. Dann kann eine Krankenhausbehandlung nötig werden; selten endet die Erkrankung tödlich.

Die echte Grippe, also Influenza, beginnt dagegen typisch mit plötzlich einsetzendem Fieber und starkem Krankheitsgefühl. Muskel- oder Kopfschmerzen und trockener Husten können dazukommen. Allerdings kann Influenza auch untypisch und ohne Fieber verlaufen – dann lässt sie sich von einer Erkältung kaum unterscheiden. Besonders bei älteren, chronisch kranken oder immungeschwächten Menschen können trotz eines milden Beginns später Komplikationen wie eine Lungenentzündung auftreten. Schwere Verläufe können lebensbedrohlich sein.

Bei Covid-19 reichen die möglichen Beschwerden von Schnupfen, Husten und Halsschmerzen bis zu Kopf- und Gliederschmerzen, Fieber und Kurzatmigkeit. Auch Magen-Darm-Beschwerden sind möglich. In seltenen Fällen werden Organe wie Herz oder Nervensystem betroffen. Ältere und vorerkrankte Menschen haben ein erhöhtes Risiko für sehr schwere Verläufe; Long COVID kann nach einer SARS-CoV-2-Infektion Menschen jeden Alters treffen.

Eine Lungenentzündung kann sich durch plötzlich hohes Fieber, starkes Krankheitsgefühl, Husten und Atembeschwerden bemerkbar machen. Oft geht eine Infektion im Hals- oder Rachenbereich voraus, manchmal verschlechtert sich der Allgemeinzustand aber auch langsam. Für Säuglinge, ältere Menschen und Personen mit Vorerkrankungen kann eine Lungenentzündung gefährlich werden und eine Krankenhausbehandlung erfordern. Die Genesung dauert mitunter Wochen bis Monate. Bei Kindern und älteren Menschen treten zudem besondere oder untypische Symptome auf, sodass die Erkrankung anfangs übersehen werden kann.