TUM empfiehlt Schraubpfähle für den Neubau des Beruflichen Schulzentrums Lindau
In München ist eine Entscheidung gefallen, die für den Neubau des Beruflichen Schulzentrums Lindau tief in den Boden reicht: Der Kreisausschuss des Landkreises Lindau hat einstimmig beschlossen, das neue Gebäude mit Schraubpfählen zu gründen. Grundlage war eine Empfehlung des Zentrums Geotechnik der Technischen Universität München (TUM).
Das Grundstück verlangt diese Sorgfalt. Das bestehende Schulgebäude aus dem Jahr 1981 weist deutliche Risse auf und hat sich stellenweise um bis zu 30 Zentimeter abgesenkt. Ursache sind unter anderem die schwierigen geologischen Bedingungen und die fehlerhafte Bohrpfahlgründung. Für den Neubau sollen sich solche Schäden nicht wiederholen.
Vom Bohrpfahl zur Schraube
Für die Auswahl des Gründungssystems wurden Gutachten, zusätzliche Untersuchungen, Belastungsversuche und Probegründungen ausgewertet. Verglichen wurden verschiedene Verfahren nach technischer Sicherheit, Eignung für die örtlichen Bodenverhältnisse und Wirtschaftlichkeit. Außerdem sollen die Arbeiten möglichst erschütterungsarm ablaufen, damit umliegende Gebäude geschützt werden.
Nach ersten Erkenntnissen hatten Fachleute zunächst eine Bohrpfahlgründung empfohlen. Weitere Untersuchungen brachten das TUM-Zentrum Geotechnik jedoch dazu, Alternativen erneut zu prüfen. Professor Dr. Roberto Cudmani stellte die Ergebnisse dem Kreisausschuss vor und empfahl schließlich Schraubpfähle. Laut TUM erfüllt dieses Verfahren die nötigen Sicherheitsanforderungen und bietet Vorteile bei Bauausführung, Bauzeit und Kosten. Nach Beratung und Abwägung folgte der Ausschuss einstimmig.
Ganz überraschend kommt der Neubau nicht. Das Schulzentrum ist baulich in die Jahre gekommen: Undichte Dächer, irreparable Fenster und Jalousien, ein veraltetes Wasserleitungsnetz, veraltete Elektrik und ein sehr schlechter energetischer Zustand gehören zum Alltag. Das Gebäude ist zwar inzwischen weitgehend zur Ruhe gekommen. Eine Sanierung oder Erweiterung könnte aber neue Absenkungen und statische Risiken auslösen. Experten zufolge könnten Planer und Baufirmen deshalb keine Gewährleistung für Sanierungsarbeiten übernehmen.
Zu wenig Platz für moderne Ausbildung
Auch die Raumaufteilung passt längst nicht mehr richtig zum Unterricht. Unterrichts- und Werkräume sind zu klein und veraltet, die Nutzflächen liegen etwa 20 Prozent unter dem künftig erforderlichen Bedarf. Das Verhältnis von Haupt- zu Nebennutzflächen beträgt 53:47; Flure, Konstruktions- und sonstige HÜL-Flächen nehmen viel Raum ein. Ehemalige Lagerräume werden als Klassenzimmer und Labore genutzt, einige Räume haben keine Fenster. Nicht nutzbare Innenhöfe beanspruchen zusätzlich Fläche und verursachen Energieaufwand.
Machbarkeitsstudien kamen deshalb zu dem Ergebnis, dass weder eine Sanierung noch ein Teilabbruch mit Teilneubau oder eine dauerhafte Weiternutzung tragfähig wären. Der Kreistag beschloss am 24. Juli 2025 mit deutlicher Mehrheit den Neubau.
Im Schulzentrum sind drei Schulen untergebracht: die gewerbliche und kaufmännische Berufsschule einschließlich der Gesundheitsberufe, die Technikerschule für Kälte- und Klimatechnik sowie die FOSBOS als berufliches Gymnasium mit Fachabitur und Vollabitur. Theoretischer Unterricht und praktische Ausbildung gehören zusammen, gerade weil in Werkstätten und Laboren gearbeitet wird.
Jährlich besuchen mehr als 2.000 Schüler das Zentrum, rund 1.000 sind täglich vor Ort. Dazu kommen etwa 100 Klassen pro Schuljahr, 133 Lehr-, Honorar-, Verwaltungs- und Sozialpädagogikkräfte sowie Hausmeister, 13 Fachbereiche und 21 mögliche Abschlüsse. Angeboten werden 17 Ausbildungsabschlüsse in neun Ausbildungsbereichen, außerdem gibt es eine Klasse für schulpflichtige Jugendliche ohne Ausbildung und sechs Klassen für minderjährige Flüchtlinge.
Nach Angaben der Schulleitung erschweren die räumlichen Bedingungen bereits heute die Organisation des Werkstattunterrichts, die Nutzung moderner Maschinen und Anlagen, die Anpassung der Ausstattung an den technischen Stand und den Unterricht in geeigneten Räumen. Wenn Werkstätten nicht modernisiert werden können, ist die praktische Ausbildung gefährdet. Ausbildungsbetriebe könnten ihre Auszubildenden dann an andere Berufsschulen schicken.
Baustelle neben dem laufenden Schulbetrieb
Die ersten Vorbereitungen begannen Ende 2025. Kanäle wurden verlegt, die Turnhalle entkernt, der Rückbau der Doppelhäuser startete. Vor Weihnachten wurde ein neuer Fluchtwegturm aufgestellt.
Ende Januar 2026 liefen der Abbruch der Hausmeisterhäuser und der Turnhalle, die Entkernung der ehemaligen Kfz-Werkstätten sowie ein Teilabbruch des Schulgebäudes. Eine Interimstrafostation wurde angeschlossen, im früheren Öllager entstand ein neues Gas- und Acetylenlager. Weitere Umbauten im Schulgebäude waren ebenfalls im Gang; die bisherige Trafostation soll zeitnah abgebrochen werden. Laut Landkreis lagen die Arbeiten im Terminplan.
Der Neubau soll auf einem neuen Baufeld entstehen – unter Rücksicht auf die Gründung, den laufenden Schulbetrieb, den Baumbestand und den Abstand zum Rainhaus. Für die Bauphase soll der Unterricht möglichst ohne Reduzierung weiterlaufen. Vorgesehen ist entweder eine Interimslösung oder der Weiterbetrieb des bestehenden Schulzentrums bis zur Fertigstellung.
Geplant ist ein Campus mit 15 Prozent weniger Grundfläche als das Bestandsgebäude, aber 20 Prozent mehr Nutzfläche. Zwischen Beruflichem Schulzentrum, Bogy und Schülerwohnheim soll ein zentraler, größerer und parkähnlicher Pausenhof entstehen. Der Außenbereich soll öffentlich nutzbar sein, mit Verweilzonen, grünem Klassenzimmer sowie Parcours- und Outdoorsportgeräten. Lärm soll auf dem Campus gebündelt und von Wohngebieten ferngehalten werden.
Zum denkmalgeschützten Rainhaus sind mehr als 30 Meter Abstand vorgesehen. Die Gründung soll ohne Erschütterungen auskommen, Außensportanlagen werden aus dem Bereich neben dem Rainhaus in den Campus-Innenbereich verlegt. Wertvolle Baumbestände sollen erhalten bleiben, zusätzliche Grünanlagen sind eingeplant. Ein ziemlich dichtes Paket an Rücksichtnahmen – und eine Menge Arbeit unter laufendem Betrieb.
87 Millionen Euro zunächst
Für das Schulgebäude einschließlich Werkstätten werden zunächst rund 87 Millionen Euro Baukosten veranschlagt. Das Schulgebäude ohne Turnhalle ist mit 87,298 Millionen Euro angesetzt. Für die Heizung kommen 405.000 Euro Mehrkosten hinzu, aus einer Arbeitsgruppe sollen 110.000 Euro eingespart werden. Daraus ergeben sich Gesamtkosten von 87,593 Millionen Euro.
| Posten | Betrag |
|---|---|
| Zuwendungsfähige Kosten | rund 79,216 Millionen Euro |
| Erwartete BayFAG-Förderung von 58 % | rund 45,945 Millionen Euro |
| KfW-QNG-Förderung | 1 Million Euro |
| Verbleibender Eigenanteil | rund 40,648 Millionen Euro |
| Eigenanteil einschließlich zehnprozentiger Reserve | rund 49,407 Millionen Euro |
Der Landkreis plant, den Eigenanteil über einen Investitionskredit mit 40 Jahren Laufzeit zu finanzieren. Die durchschnittliche jährliche Annuität soll etwa 1,7 Millionen Euro betragen. Dem stehen jährliche Gastschulbeiträge anderer Landkreise für auswärtige Schüler von etwa 2 bis 2,5 Millionen Euro gegenüber.
Der Druck ist auch deshalb spürbar, weil andere Standorte aufholen. In Kempten und Wangen werden Berufsschulen derzeit modernisiert; die beruflichen Gymnasien in Wangen und Friedrichshafen befinden sich laut Artikel in besserem baulichem Zustand. Bereits verloren gingen die Bereiche Friseure, Agrartechnologen, Sanitär-Heizung-Klima und Elektroniker.
Als mögliche Folgen gelten die Abwanderung von Schülern und Ausbildungsbereichen, der Verlust weiterer Berufsschulsprengel, eine Gefährdung der Wirtschaftlichkeit und des Fortbestands des Schulzentrums sowie zusätzliche Fahrten für Schüler in andere Regionen. Der Landkreis zahlt bereits jährlich etwa 1,5 Millionen Euro an andere Kommunen oder Landkreise für Gastschüler.
Standortfrage mit Folgen für Betriebe
Vertreter von IHK und Handwerkskammer betonen die Bedeutung einer wohnortnahen Berufsschule für Jugendliche und Unternehmen. Nötig seien moderne IT-Infrastruktur und technische Ausstattung; Werkstätten spielten gerade für kleine und mittlere Unternehmen eine zentrale Rolle. Das
