UnternehmerTUM und NUSX bauen Deep-Tech-Brücke zwischen München und Singapur
Am 24. September 2026 haben UnternehmerTUM und NUSX eine Partnerschaft zwischen München und Singapur angekündigt. Vom Standort TUM München aus wirkt die Nachricht zunächst wie ein weiterer Eintrag im Kalender der Innovationsszene. Tatsächlich geht es um ziemlich handfeste Dinge: Forschung, Kapital, Industriepartner und den Zugang zu internationalen Märkten.
NUS Enterprise, der unternehmerische Arm der National University of Singapore (NUS), baut seine internationalen Aktivitäten unter der Marke NUSX aus. NUSX ist die Venture-Building- und Forschungskommerzialisierungsplattform der NUS. Gemeinsam mit dem Münchner Innovationszentrum UnternehmerTUM soll nun eine Brücke zwischen den Gründerökosystemen beider Städte entstehen – für Deep-Tech-Startups aus Asien und Europa.
Ein Fuß in München, der andere in Singapur
NUSX eröffnet seine zweite globale Basis im Munich Urban Colab. Das 11.000 Quadratmeter große Zentrum wird von UnternehmerTUM und der Stadt München gemeinsam betrieben. NUS-Gründungsteams erhalten dort Zugang zu Münchner Industriepartnern, technischer Expertise sowie zum UnternehmerTUM- und TUM-Venture-Labs-Ökosystem.
Parallel prüfen die TUM Venture Labs eine Vertretung am NUS-Standort in Singapur. Die TUM Venture Labs sind eine gemeinsame Initiative der Technischen Universität München (TUM) und UnternehmerTUM. Münchner Startups sollen dadurch direkten Zugang zum Innovationsökosystem Singapurs und zu asiatischen Märkten erhalten. Geplant sind wechselseitige Standorte, engere Investitionsverbindungen sowie neue Möglichkeiten für Studierende und Start-ups.
Die Kooperation ruht auf drei Säulen: wechselseitigen Außenstellen, vertieften Investment- und Venture-Capital-Beziehungen sowie gemeinsamen Talent- und Praxisprogrammen. Im Mittelpunkt stehen Biotechnologie, künstliche Intelligenz und Halbleiter. Der Marktzugang für Deeptech-Unternehmen in Europa und Asien soll leichter werden, Talente sollen sich austauschen können und auch der Zugang zu Investoren soll besser funktionieren.
Das betrifft nicht nur junge Unternehmen. Münchner Risikokapitalgeber sollen in das mit 102 Millionen Euro ausgestattete NUS VC Programme eingebunden werden. NUS führt dazu fortgeschrittene Gespräche mit einer Münchner Risikokapitalgesellschaft, die eng mit UnternehmerTUM verbunden ist. Sie soll als fünfter Partner in das NUS VC Programme aufgenommen werden. Zugleich soll die Zusammenarbeit mit Singapurs Forschungs- und Innovationsstrategie RIE2030 verknüpft werden, für die ein Budget von 25 Milliarden Euro vorgesehen ist.
Programme für Studierende und Gründerteams
Ausgewählte NUS-Studierende sollen Zugang zu Förderprogrammen von UnternehmerTUM erhalten. Genannt werden das Startup Launchpad, die Digital Product School und der UnternehmerTUM Incubator. Für NUS-Teams öffnet sich damit nicht bloß eine Bürotür in München, sondern ein Netzwerk aus Forschung, Industrie und Finanzierung.
UnternehmerTUM unterstützt Startups von der ersten Idee bis zum Börsengang und beschäftigt mehr als 500 Mitarbeitende, darunter Unternehmer, Wissenschaftler und Investoren. Das Zentrum hilft beim Unternehmensaufbau, beim Markteintritt und bei der Finanzierung einschließlich Venture Capital. Gegründet wurde UnternehmerTUM 2002 von Susanne Klatten; jährlich begleitet die Organisation mehr als 100 wachstumsstarke Technologiegründungen. Zu den genannten Gründungen zählen Celonis, Konux und Isar Aerospace.
Die Financial Times zeichnete UnternehmerTUM laut Artikel zum dritten Mal in Folge als Europas führenden Startup-Hub aus. UnternehmerTUM-CEO und TUM-Vizepräsident für Entrepreneurship Helmut Schönenberger beschreibt die Partnerschaft als Verbindung der Innovationsökosysteme von München und Singapur. NUS Senior Vice President für Innovation und Enterprise, Dr. Tan Sian Wee, erklärt, die Zusammenarbeit ergänze bestehende Partnerschaften zwischen NUS und der Technischen Universität München.
Die National University of Singapore ist Singapurs führende Universität. Sie hat 15 Colleges, Fakultäten und Schulen an drei Standorten in Singapur und mehr als 40.000 Studierende aus 100 Ländern. Rund 15 NUS Overseas Colleges gibt es weltweit. Geforscht wird unter anderem zu Energie, Umwelt, urbaner Nachhaltigkeit, Krankheiten, gesundem Altern, fortgeschrittenen Materialien, Finanzsystemen, Asien-Studien, künstlicher Intelligenz, Data Science, Operations Research und Cybersicherheit.
NUSX wurde 2001 als NUS Enterprise gegründet. Laut Artikel hat die Organisation 10 Unicorns, mehr als 3.000 Startups und 5.500 Studierende gefördert. Ihr Ansatz: wissenschaftliche Entdeckungen in Unternehmen verwandeln und diese mit Industrie, Kapital und Märkten verbinden. Bis 2035 sollen Unternehmen aufgebaut werden, die das Leben von einer Milliarde Menschen verbessern.
München als dichtes Tech-Ökosystem
Dass NUSX gerade München als zweiten globalen Standort wählt, passt zu den aktuellen Zahlen des „Dealroom Global Tech Ecosystem Index“. München belegt im europäischen Ranking der „Density Leaders“ Platz fünf – hinter Cambridge, London, Stockholm und Gent. Gemessen an der Einwohnerzahl zählt die Stadt damit zu Europas produktivsten Innovationsökosystemen.
Im globalen Gesamtranking erreicht München Platz 24, bei den weltweiten „Density Hubs“ Platz 19. Im Global Tech Ecosystem Index 2026 wird München außerdem unter den fünf führenden Technologie- und Innovationsstandorten Europas genannt und weltweit auf Rang 11 im Bereich künstliche Intelligenz geführt. Berlin liegt global auf Platz 22 und bleibt ein wichtiger europäischer Standort für KI, Fintech und Unternehmenssoftware.
Dealroom bewertet nicht nur die absolute Größe eines Standorts, sondern auch seine Innovationsleistung im Verhältnis zur Bevölkerungszahl. In die Analyse fließen Startup-Aktivität, Unicorns, Unternehmenswerte, Risikokapitalinvestitionen, die Dynamik des Ökosystems und die Verbindungen zu Hochschulen und Forschungseinrichtungen ein. In diesem Jahr wurden 315 Tech-Ökosysteme in 77 Ländern bewertet, im Vorjahr waren es 288 Städte.
Münchens Entwicklung wird besonders durch Deeptech und Defencetech vorangetrieben. Helsing und Arx Robotics sammelten laut Dealroom im vergangenen Jahr zusammen mehr als 650 Millionen Euro ein. Damit gewinnt die Stadt als Standort für sicherheitsrelevante Technologien und industrielle Innovationen an Gewicht – mit der Technischen Universität München und weiteren Forschungseinrichtungen im Rücken, einem starken Ingenieursfokus, Bayerns industrieller Basis und der Kombination aus Forschung, Kapital und Industriepartnerschaften.
Der aktuelle Index zeigt dabei eine europäische Startup-Stärke, die zunehmend auf spezialisierten, forschungsnahen Tech-Ökosystemen beruht. Neben London, Paris und Stockholm gewinnen Cambridge, Lausanne und München an Bedeutung. Leistungsfähige Ökosysteme entstehen häufig rund um Universitäten, technische Fachkräfte und spezialisierte Industrien. Besonders profitieren laut Dealroom künstliche Intelligenz, Biotechnologie, Climatetech, Advanced Manufacturing und Defencetech.
Wettbewerb mit London, Paris und der Welt
Der Blick nach außen macht die Lage nicht gerade kleiner. Deutschland gewinnt laut Index vor allem bei Deeptech und strategischen Technologien an Bedeutung – vor dem Hintergrund eines intensiveren Wettbewerbs zwischen den USA, Europa und China. London führt wieder das gesamteuropäische Ranking an und verdrängt Paris vom ersten Platz; weltweit liegt London bei den „Global Champions“ auf Rang vier.
2025 flossen laut Dealroom mehr als 6 Milliarden Euro in Londoner KI-Startups, im Vorjahr waren es rund 3,3 Milliarden Euro. Londoner Tech-Unternehmen sammelten insgesamt mehr als 15 Milliarden Euro ein, 45 Prozent mehr als 2024. Paris bleibt ein wichtiger europäischer KI-Standort und verzeichnete zuletzt fast 4,3 Milliarden Euro an Venture-Capital-Finanzierungen. Dort sitzen unter anderem Mistral und Mirakl.
Die Innovationslandschaft Europas ist geografisch breiter verteilt als die der USA. Als „Rising Stars“ nennt Dealroom unter anderem Istanbul, Kiew, Zagreb, Athen und Sofia. Der Index unterscheidet dabei drei Kategorien: „Global Champions“ für Größe, „Density Leaders“ für Leistung pro Kopf und „Rising Stars“ für Wachstum.
Bayerns Digitalminister Fabian Mehring wertet Münchens Entwicklung als Erfolg der bayerischen Hightech-Strategie. Er führt den Aufstieg unter anderem auf KI-Investitionen, Spitzenforschung und ein wachsendes Innovationsökosystem zurück. Für die neue Verbindung nach Singapur bedeutet das: Noch mehr Wege für Forschung, Kapital, Talente und Industriepartner – und vermutlich ziemlich viele Gespräche über den nächsten Standort.
Als Ansprechpartner für Presseanfragen wird Markus Bosch, Head of Public Relations bei UnternehmerTUM, genannt.
