Am 5. November 2026 sorgt die Hochschule Ansbach gleich doppelt für Schlagzeilen: Prof. Dr. Annette Martin und Prof. Verena Kraemer wurden von der Unicum Stiftung als „Professorin des Jahres“ ausgezeichnet. Martin belegte den ersten Platz in der Kategorie „Naturwissenschaften und Medizin“, Kraemer gewann in der Kategorie „Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften“.

Die Auszeichnung geht nicht einfach an Lehrende, deren Vorlesungen gut ankommen. Gesucht werden Professorinnen und Professoren, die Studierende beim Start ins Berufsleben an die Hand nehmen – etwa durch Kontakte zu Arbeitgebern, Praktika, Masterarbeiten und Einstiegspositionen, durch Jobmessen und andere Angebote zur beruflichen Orientierung oder durch Bewerbungstrainings. Kurz gesagt: Wissenschaft allein reicht hier nicht. Es geht auch darum, was nach dem Hörsaal passiert.

Zwei Professorinnen, zwei Fachwelten

Annette Martin lehrt in den Studiengängen Industrielle Biotechnologie (IBT), Biomedizinische Technik (BMT) und Applied Biotechnology (ABI). Sie studierte Biologie in Freiburg, promovierte an der Technischen Universität München und arbeitete anschließend mehrere Jahre als Senior Research Scientist bei der Beiersdorf AG in Hamburg. Seit 2010 ist sie Professorin für Molekularbiologie an der Hochschule Ansbach. Außerdem gehört sie seit mehreren Jahren dem Senat und dem Hochschulrat der Hochschule an.

Verena Kraemer ist Professorin im Studiengang Visualisierung und Interaktion in digitalen Medien (VIS). Ihre Laufbahn führte sie nach Paris, Nürnberg und St. Petersburg. Von 1997 bis 2014 arbeitete sie vor allem in München und Nürnberg als freiberufliche Designerin. Seit mehreren Jahren ist sie mit eigenen Videoinstallationen und Visuals künstlerisch aktiv – also nicht nur auf dem Papier, sondern mitten in der Praxis.

Von 2014 bis 2021 baute Kraemer als Professorin den Studiengang Film + Motion Design an der BTK, heute University of Europe, am Campus Hamburg auf. Seit 2021 lehrt sie an der Hochschule Ansbach. Auch sie ist Mitglied im Senat und im Hochschulrat.

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Auszeichnung für den Weg in den Beruf

Vergeben wird der Titel seit 2006 jährlich bundesweit; 2026 geht der Wettbewerb in sein 21. Wettbewerbsjahr. Die Unicum Stiftung, eine gemeinnützige Initiative mit Sitz in Bochum, engagiert sich für die Persönlichkeitsbildung und den erfolgreichen Berufseinstieg von Studierenden in Deutschland. Finanziert wird sie aus Mitteln der Firmengruppe Unicum und durch Spenden.

Nominieren können Studierende, Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber sowie wissenschaftliche Hochschulmitarbeiterinnen und -mitarbeiter. Teilnahmeberechtigt sind Professorinnen und Professoren an staatlichen oder staatlich anerkannten Hochschulen und Universitäten in Deutschland. Das Nominierungstool ist vom 1. April bis 15. Juni 2026 geöffnet.

Bewertet werden unter anderem Praxisbezug in der Lehre, die Förderung persönlicher und berufspraktischer Schlüsselkompetenzen sowie die Vermittlung von Praktika, Abschlussarbeitsthemen und Einstiegspositionen. Auch die Zusammenarbeit mit Arbeitgebern in Forschung und Lehre, Kontakte zu Unternehmen, berufliche Orientierungsangebote, Jobmessen und Bewerbungskompetenzen fließen ein. Der Preis ist damit ausdrücklich kein reiner Lehrpreis.

Die Jury stützt sich auf Recherchen, Selbstauskünfte, Referenzen und die Begründungen in den Nominierungen. Im vergangenen Jahr gingen rund 5.000 Nominierungen für etwa 600 Professorinnen und Professoren ein. Ausgewählt werden die Preisträgerinnen und Preisträger von einer unabhängigen Jury.

Den Vorsitz hat Prof. Dr. Ulrich Radtke, ehemaliger HRK-Vizepräsident und ehemaliger Rektor der Universität Duisburg-Essen. Ihm gehören laut dem genannten Stand 2025 außerdem Gesine Grande, Professorin für Psychologie und Präsidentin der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg, Michaela Geierhos, Professorin für Data Science und Technische Direktorin des Forschungsinstituts CODE der Universität der Bundeswehr München, Metin Tolan, Professor für Experimentelle Physik und ehemaliger Präsident der Universität Göttingen, sowie Manfred Baldschus, Geschäftsführer der Unicum-Stiftung, an.

Vier Kategorien, zwölf Plätze

Der Titel wird in vier Kategorien vergeben: „Geistes-, Gesellschafts- und Kulturwissenschaften“, „Ingenieurwissenschaften und Informatik“, „Naturwissenschaften und Medizin“ sowie „Wirtschaftswissenschaften und Jura“. In jeder Sparte gibt es einen ersten, zweiten und dritten Preis. Die Erstplatzierten erhalten den Titel „Professor/-in des Jahres 2026“.

Das Verfahren besteht aus zwei Phasen. Nach der Nominierungsphase von April bis Juni werden die Nominierten in einer Bewerbungsphase bis in den Sommer aufgefordert, Belege für ihr Engagement als „Wegbereiter für Karrieren“ einzureichen. Die zwölf Preisträgerinnen und Preisträger werden jährlich im Oktober bekannt gegeben. Wer den ersten Platz erreicht, kann sich auf Wunsch im Rahmen einer akademischen Feier an der eigenen Hochschule auszeichnen lassen. Frühere Gewinnerinnen und Gewinner sind in einer „Hall of Fame“ aufgeführt.

Unter allen Nominierenden werden als Dankeschön ein Apple iPad und zehn Amazon-Gutscheine verlost. Die Auszeichnung ist markenrechtlich geschützt und steht unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums für Forschung, Technologie und Raumfahrt sowie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie.

Eine Auszeichnung mit Geschichte

Die Jury wurde im Lauf der Jahre von verschiedenen Persönlichkeiten geführt: Klaus Landfried war von 2006 bis 2014 Vorsitzender, Winfried Schulze von 2015 bis 2021. Landfried war ehemaliger Präsident der Hochschulrektorenkonferenz und der Universität Kaiserslautern, Schulze ehemaliger Vorsitzender des Wissenschaftsrates, Direktor des Mercator Research Centers Ruhr und Vorsitzender des CHE-Beirats. Seit 2022 steht Ulrich Radtke an der Spitze.

Zu den im Zusammenhang mit dem Preis genannten Preisträgern gehören Michael Becker, der 2024 als einer von vier Professoren des Jahres ausgezeichnet wurde; die Ehrung fand bei einer akademischen Feier an der Hochschule Darmstadt statt. Auch Sonja Bröer, Veterinärmedizinerin an der Freien Universität Berlin, wird genannt – sie war Professorin des Jahres 2023. Über die Auszeichnung wurde in Presse und Fernsehen berichtet.

Heute ist der Blick von der TUM München aus also auch nach Ansbach gerichtet. Zwei Professorinnen aus sehr unterschiedlichen Fachwelten, beide mit Hochschulgremienarbeit, Berufspraxis und einem ziemlich konkreten Draht zu dem, was Studierende nach dem Abschluss erwartet. Und irgendwo zwischen Labor, Videoinstallation und Bewerbungsgespräch entscheidet sich dann, ob aus Studium auch ein guter Einstieg wird.