Heute, am 26. September 2026, endet die erste Ausgabe der DesignDays.Berlin – und Berlin wirkt noch einmal ein gutes Stück voller als sonst. Seit dem 24. September verteilen sich über 20 kuratierte Veranstaltungen über die Stadt: Talks, Produktvorstellungen, Ausstellungen, Workshops, Showroom-Events, Networking und Vorträge zu Möbeln, Interior, Architektur, Licht, Technologie, Handwerk, Farben und Materialien. Mehr als 60 internationale Marken, Berliner Showrooms, Werkstätten und weitere Partner sind beteiligt.

Initiiert wurde das Festival von Angelika Müller, Herausgeberin von H.O.M.E., und Monika Dagrée von on time PR. Ihr Ansatz: internationales Produktdesign soll nicht neben, sondern mit der Berliner Kreativszene stattfinden. DesignDays.Berlin versteht sich als erstes „vertikales Format“ der Stadt – als Verbindung von Industrie, Designern, Architekten, Handel und Endverbrauchern. Besucher können sich aus dem Programm ihren eigenen Rundgang durch verschiedene Veranstaltungsorte zusammenstellen. Das vollständige Programm, die Orte und kostenlose Einladungslinks stehen auf designdays.berlin.

Porzellan, Roboter und die Frage nach dem Wert

Ein zentraler Schauplatz ist die Ausstellung „New Perspectives on Craft and Design“ im Fashion Block, Memhardstraße 6 / PLATTE Berlin, nahe dem Alexanderplatz. Sie läuft vom 24. bis 26. September; eröffnet wurde am 23. September ab 18 Uhr. Zu sehen sind Arbeiten über das Verhältnis von traditioneller Herstellung, digitaler Technologie und emotionalem Wert – also über Dinge, die nicht bloß funktionieren sollen, sondern ihre Entstehung spürbar machen.

Das Berliner Studio Jüngerkühn von Konrad Jünger und Verena Kühn arbeitet an der Schnittstelle von Industriedesign und digitalem Handwerk. Materialbewusstsein, industrielle und handwerkliche Herstellungsprozesse sowie digitale Fertigung prägen die Arbeit. Das Spektrum reicht von Alltagsprodukten und Möbeln über digitale Fabrikationsmodelle bis zu Roboterinstallationen. Bei „Soft Touch“ folgt eine eigens entwickelte Maschine programmierten Bewegungen und reagiert zugleich auf die Eigenschaften von weichem Porzellan. Der Roboter ersetzt dabei nicht den Handwerker, sondern dient als Werkzeug. Beide Gründer unterrichten als Lehrbeauftragte an der UdK Berlin.

Philippe Bietenholz, 1995 als Sohn einer peruanischen Mutter und eines Schweizer Vaters geboren und in Berlin aufgewachsen, bringt Street Art, 3D-Graffiti und Industriedesign zusammen. Seine Möbel verbinden digitale Kultur mit abgerundeten Formen und futuristischen Linien. Bekannt geworden ist vor allem der „Bounce Chair“. Robotische 3D-Druckverfahren fertigen ihn aus einem recycelten, glasfaserverstärkten Polypropylen-Blend. Unter dem Label „Melting Things“ verkauft Bietenholz den Stuhl für 1.800 Euro pro Exemplar.

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Auch Luis Frey untersucht die Beziehung zwischen Objekt, Herstellungsprozess und emotionalem Wert. Seine Entwürfe verbinden lokales Handwerk mit modernen industriellen Produktionsverfahren. Die Leuchte „Ori“ etwa kombiniert handgefertigte Schirme aus Abacá-Papier, einer Bananenfaser, mit einem maßgefertigten Edelstahlrahmen. Sichtbare Elektronik und Kabel lassen Konstruktion und Funktionsweise offen vor den Augen liegen. Ergänzt wird die Ausstellung durch Arbeiten von Gina Melosi, Latess, Marcel Heise, Ore by Olga und Studio Shorimoma.

Von der Keramik-Baguette bis zum Sofa auf Bestellung

Im KaDeWe ist vom 24. bis 26. September Gustaf Westman mit einem Pop-up vertreten. Das gleichnamige Keramiklabel gründete der Architekt und Designer 2020. Geschwungene Linien, Pastellfarben und voluminöse Formen gehören zu seiner Handschrift; seine Arbeiten liegen irgendwo zwischen Gebrauchsfunktion und bewusst absurder, verspielter Gestaltung. Rund 600.000 Menschen folgen ihm auf Instagram. Zu sehen sind unter anderem die Kerzenhalter „Chunky“, Tassen und Teller sowie die im Vorjahr vorgestellte „Baguette Bag“ aus Keramik – eine spiralförmige Halterung für ein Baguette. Man muss das erst einmal sacken lassen.

Das schwedische Label Sweef zeigt in seinem neuen Showroom in der Prinzessinnenstraße 14 maßgeschneiderte, handgefertigte Polstermöbel. Mehr als 250 Stoffe stehen zur Auswahl, gefertigt wird auf Bestellung. Mit einer digitalen 3D- und Augmented-Reality-Konfiguration lassen sich Sofas, Sessel oder Betten per Smartphone maßstabsgetreu im eigenen Zuhause platzieren. Während des Festivals läuft täglich von 12 bis 18 Uhr das Aktionsevent „Meeting Delfinen“. Dort kann man auf dem neuen Modulsofa „Delfinen“ probesitzen – die praktischste Form von Designkritik, wenn der Rücken schon vom Herumlaufen genug hat.

Über Berlin verteilt zeigen sich etablierte Marken, neue Stimmen und lokale Standorte. Das Festival soll bestehende Designformate nicht verdrängen, sondern mit ihnen zusammenarbeiten und die Vielfalt der Berliner Designszene sichtbarer machen. Präsentiert werden neue Kollektionen, aufstrebende Talente und Designkonzepte; zugleich geht es um Austausch, Kooperation und darum, dass Marken, Designer, Architekten, Händler und Kreative überhaupt miteinander ins Gespräch kommen.

Das Programm zwischen Auftakt und Finissage

Eine Warm-up-Veranstaltung war für den 17. September geplant. Die offizielle Eröffnung fand am 23. September bei LIVING BERLIN statt: Poggenpohl veranstaltete gemeinsam mit Gaggenau „Kitchen Culture Live“, anschließend eröffnete der DesignDays.Berlin Opening Cocktail das Festival offiziell. Das Hauptprogramm startete am 24. September mit dem iF Design × H.O.M.E. Breakfast.

Danach wurde es, wie bei solchen Stadtprogrammen üblich, ziemlich verzweigt. SENSE × V-ZUG verband SENSO-Bodenbeläge mit V-ZUG-Geräten. „WAEB26 – Where AI Elevates Brands“ widmete sich dem Einsatz künstlicher Intelligenz in Design, Architektur und Interior. Bei „A Taste of Design“ brachten bulthaup und Rowico Home Presse und Content-Creator zu einem Mittagessen zusammen. Occhio stellte bei einem „Private Members Club“-Event die tragbaren Leuchten der Serie Era vor.

Mehrere Unternehmen nutzen die Tage für Rückblicke: BERLINRODEO feiert sein 20-jähriges Bestehen mit einer Präsentation eigener Entwürfe. COR blickt bei „Design, Drinks & Decades“ auf mehrere Jahrzehnte Design zurück. Mater feiert 20 Jahre und stellt alternative Ansätze zur Möbelproduktion in den Mittelpunkt.

Der Freitag stand stark im Zeichen professionellen Austauschs und praktischer Designerfahrungen. Unique Factory lud mit „The Makers Morning“ zu Polsterhandwerk, Teppichkunst und zeitgenössischem Produktdesign. In der LAUFEN Berlin Gallery fand das „DD.B Speakers & Architects Lunch“ statt, bei MOKKA*MILCH waren Gespräche mit Designern und Architekten geplant. Der zweite Tag von WAEB26 setzte die Auseinandersetzung mit künstlicher Intelligenz und kreativen Branchen fort. Sweef präsentierte das modulare Sofa Delfinen.

Am heutigen 26. September folgen beziehungsweise liefen unter anderem die Finissage von „STREETWISE by Konstantin Grcic +25kg“ im Deutschen Design Museum, eine Veranstaltung von Rolf Benz zum zehnjährigen Bestehen des Designs Nuvola und die Abschlussveranstaltung CUPRA × H.O.M.E. Design Night in der CUPRA City Garage Berlin. Der Kalender ist also bis zum Schluss gut gefüllt.

Badarchitektur mit Stahl, Glas und Gesprächsstoff

Am 25. September lud Zeitgeist by Bäderwelten in der Pohlstraße 82 ab 17 Uhr zu einer Veranstaltung ein. Um 18 Uhr begann der Design-Talk „Bathroom Architecture Now“. Christian Büttner, Director Innovation & Portfolio bei Kaldewei, der Architekt Fabian Freytag und der Industriedesigner Stefan Diez diskutierten die zukünftige Entwicklung der Badarchitektur.

Kaldewei präsentierte langlebige Produkte aus Stahl und Glas sowie Ansätze mit zirkulären Materialien. Die Podiumsdiskussion griff damit eine Frage auf, die sich durch viele Festivalbeiträge zieht: Wie lassen sich Materialien, Herstellungsweisen und Nutzung so zusammendenken, dass Produkte nicht nach kurzer Zeit wieder verschwinden? Eine endgültige Antwort gab es in der Pohlstraße natürlich nicht. Dafür Gesprächsstoff, Musterflächen und vermutlich den einen oder anderen Blick auf das eigene Badezimmer.

Die Veranstalterinnen wollen DesignDays.Berlin künftig als internationale Plattform für Marken, Designer, Architekten, Händler und Kreative etablieren. Der Auftakt verbindet etablierte Berliner Designstandorte mit Showroom-Aktivitäten, Kulturveranstaltungen und Branchena