Heute, am 26.10.2026, beginnt in Berlin eine Veranstaltungsfolge, die Kunstgeschichte, Kulturpolitik, Musik und Performance eng nebeneinanderstellt. Den Auftakt macht um 19 Uhr der Vortrag „Kunst und Künstler im Lützowviertel 1830–1930“ mit Prof. Dr. Paul Enck im Arts Club Berlin, Verein Berliner Künstler, Schöneberger Ufer 57, 10785 Berlin. Der Eintritt in die Geschichte liegt damit sprichwörtlich am Wasser – südlich des Landwehrkanals.

Das Lützowviertel wurde früher als Schöneberger Vorstadt bezeichnet und gehört heute zu Tiergarten-Süd. Während im nördlich des Landwehrkanals gelegenen Tiergartenviertel teure Kunst verkauft und von wohlhabenden Sammlern ausgestellt wurde, lebten im Lützowviertel viele Künstler. Dort gab es Atelierhäuser für Maler und Bildhauer, Sitze Berliner Kunstvereine, Galerien und Auktionshäuser für traditionelle und avantgardistische Kunst sowie zahlreiche Malschulen. Das rege Kulturleben zwischen 1830 und 1930 wurde zunehmend verdrängt, als private und staatliche Institutionen die Nähe zum Regierungsviertel suchten. Im Artikel zum Vortrag ist Fritz Stuckenbergs Gemälde „Lesendes Mädchen“ (1912) abgebildet.

Von der Stadtgeschichte zur Kulturpolitik

Am Dienstag, 27.10.2026, folgt um 18 Uhr das Podiumsgespräch „Wer bezahlt die Kunst? Institutionen, Macht und Öffentlichkeit“. Mit dabei sind Dr. Carsten Brosda und Prof. Dr. Christoph Möllers. Moderiert wird der Abend von Prof. Dr. Markus Hilgert und Prof. Marion Hirte. Veranstaltungsort ist das Foyer Konzertsaal der UdK Berlin, Hardenbergstraße/Ecke Fasanenstraße, 10623 Berlin.

Die Frage klingt trocken, ist es aber nicht: An Förderungen, Institutionen und öffentlicher Aufmerksamkeit hängen Arbeitsmöglichkeiten, Sichtbarkeit und letztlich auch die Richtung, in die sich eine Kunstszene bewegt. Nach dem historischen Blick auf das Lützowviertel landet die Debatte damit ziemlich direkt bei den heutigen Machtverhältnissen.

Sessions zwischen Ausstellung und Konzertsaal

Am Mittwoch, 28.10.2026, wird es später und musikalischer. Um 20 Uhr veranstalten Ida Baier und Clara Thadea eine Jam Session im Rahmen der Ausstellung von Kerim Seiler. Dazu gibt es Getränke und Snacks von Kongobraun/Fingerlickin. Ort ist SEXAUER, Streustraße 90, 13086 Berlin.

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Einen Abend später, am 29.10.2026 um 20 Uhr, präsentiert Sarmen Almond im Grünen Salon der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, 10178 Berlin, das neue Album „No More Medication“. Die Klangmeditation und Konzert-Session ist als Reise durch Stücke für Klangmeditation, Deep Listening und Körpererfahrung angelegt. Also weniger Konzert zum Nebenbei-Reden, eher Ohren auf, Körper ruhig – oder zumindest versuchen.

Finissage im KinoKiosk

Zum Abschluss steht am 01.11.2026 um 18 Uhr die Performance „0=45 ALIVE 2026“ von Gissauro und Analivia Cordeiro auf dem Programm. Sie findet im Rahmen der Finissage der Ausstellung „Analivia Cordeiro. Computer Dance. attaque[e]r le visible“ statt. Schauplatz ist der KinoKiosk im Kunstraum Kreuzberg/Bethanien, Mariannenplatz 2, 10997 Berlin.

Damit führt die Reihe vom historischen Atelier- und Vereinsmilieu über die Finanzierung von Kunst bis zu improvisierter Musik, Klangwahrnehmung und computergestützter Performance. Wer heute im Haus des VBK am Schöneberger Ufer startet, kann sich in den kommenden Tagen einmal quer durch Berliner Kunstorte bewegen – mit ein paar Snacks dazwischen und hoffentlich offenen Ohren.