Wer bestimmt eigentlich, was als „normal“ gilt? Und was passiert mit Menschen, deren Körper oder Geist nicht in dieses Bild passt? Mit solchen Fragen beschäftigt sich der Workshop „Menschsein ohne Norm? Ableismus und Inklusion als Thema in Forschung und Lehre an der Theologischen Fakultät“ an der Universität Kiel.

Die Veranstaltung findet am Freitag, 20. November 2026, von 14:00–18:00 Uhr in der Leibnizstraße 4, Raum 327, statt. Referentin ist Dr. Anna Neumann von der Universität Bielefeld. Eingeladen sind alle Studierenden und Mitarbeitenden der Theologischen Fakultät.

Über Fähigkeiten, Barrieren und Ausschluss

Auf dem Programm stehen die Perspektiven von Menschen mit Behinderungen, Barrieren und Ausschlussmechanismen sowie Ideen für eine inklusivere Theologische Fakultät. Es geht also nicht bloß um bauliche Hindernisse oder organisatorische Stolpersteine. Im Mittelpunkt stehen auch die Vorstellungen, die Menschen im Alltag als fähig, leistungsfähig oder „richtig“ einordnen.

Ableismus bezeichnet die Diskriminierung von Menschen mit Behinderungen und/oder chronischen Erkrankungen. Der Begriff stammt vom englischen able, also „fähig“ oder „imstande sein“. Gemeint sind gesellschaftliche Denk- und Handlungsmuster, die eine bestimmte Form von Körper und Geist als ideal, typisch und für menschliche Vollkommenheit wesentlich darstellen.

Behinderung wird dabei nicht primär als Abweichung von einer Norm verstanden, sondern als gesellschaftliches und zwischenmenschliches Verhältnis, das sich in der Bewertung von Fähigkeiten ausdrückt. Eine zentrale Frage der Ableismuskritik lautet: Wer gilt unter welchen Bedingungen als fähig? Ähnlich wie die Kritik an Sexismus und Rassismus untersucht sie gesellschaftliche Macht- und Herrschaftsverhältnisse.

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Wer beim Workshop dabei sein möchte, muss sich bis 13. November 2026 per E-Mail bei Bettina Kühl, Sekretariat Systematische Theologie, anmelden: b.kuehl@email.uni-kiel.de. Finanziell wird die Veranstaltung aus Mitteln des Diversitätsfonds der CAU Kiel teilgefördert. Veranstaltet wird sie von Prof. Dr. Dr. Hendrik Klinge und Arne Hansen, den Diversitätsbeauftragten der Theologischen Fakultät.

Wenn Heilung zur Normgeschichte wird

Eine ableismuskritische Theologie und Hermeneutik schaut auch auf biblische Texte. Untersucht werden unter anderem eschatologische Texte wie Jesaja 29,18, in denen Behinderung als negativer Zustand erscheint, der in der kommenden Welt überwunden werden soll: Blinde sollen sehen, Lahme gehen und Gehörlose hören.

Behinderung wird dort außerdem metaphorisch verwendet. „Blindheit“ kann etwa für das Unvermögen oder die Weigerung stehen, Wahrheit zu erkennen. Die konkreten Lebenswirklichkeiten blinder oder gehörloser Menschen kommen in diesen Texten dagegen kaum zur Sprache.

Auch biblische Heilungsgeschichten vermitteln häufig das Ideal eines gesunden, uneingeschränkten und voll funktionsfähigen Körpers. Krankheit und Behinderung erscheinen als Mangel oder Abweichung; „Heilung“ wird als Beseitigung dieser Differenz und als Rückkehr zur Normalität verstanden. Die Theologin Dorothee Wilhelm bezeichnet solche Erzählungen als Normalisierungsgeschichten.

Abweichende Körper werden durch eine Wunderheilung zu „normalen“ Körpern gemacht, Menschen mit Behinderungen oder Krankheiten dadurch in den Status der „Normalen“ versetzt. Zugleich erhalten ein gesunder und makelloser Körper den Status einer religiös begründeten Körpernorm. Erst durch diese Norm wird der kranke oder behinderte Körper als abweichend beziehungsweise „abnormal“ konstruiert.

Die christliche Theologie befindet sich laut dem zugrunde liegenden Artikel weiterhin am Anfang eines selbstkritischen Reflexionsprozesses und eines notwendigen Umdenkens. Genannt werden Arbeiten zu Ableismus in den Disability Studies, zu Behinderung als hermeneutischer Kategorie biblischer Exegese, zu Jesaja 29,18, zur inklusionsorientierten Theologie sowie zu biblischen Heilungsgeschichten. Ergänzende Literatur wird unter dem Begriff „Disabilitysensible Theologie“ geführt.

Ein kleiner Blick auf die Recherchewege

Die Universität Bielefeld, an der Dr. Anna Neumann arbeitet, ist der im Workshop-Kontext genannte Ort ihrer Herkunft; der Workshop selbst findet jedoch in Kiel statt. Bei der Recherche zu weiterführenden Zusammenhängen war eine Heidelberger Website nicht ohne Weiteres zugänglich: Sie ist durch Anubis geschützt, um aggressives automatisiertes Abrufen von Inhalten durch KI-Unternehmen zu begrenzen.

Der Hinweis dort erklärt, dass solche Abrufe Ausfälle verursachen und die Website für alle Nutzer unzugänglich machen können. Anubis verwendet deshalb ein Proof-of-Work-Verfahren, das Hashcash ähnelt, einem vorgeschlagenen Verfahren zur Verringerung von Spam-E-Mails. Die zusätzliche Rechenlast soll für einzelne Nutzer gering bleiben, bei massenhaftem automatisiertem Abrufen aber die Kosten erhöhen.

Beschrieben wird das Verfahren als vorläufige Lösung, während an Methoden zur Erkennung von Headless-Browsern gearbeitet wird, unter anderem anhand der Schrift- und Font-Darstellung. Legitimen Nutzern soll die Proof-of-Work-Prüfung dadurch künftig seltener angezeigt werden. Anubis benötigt moderne JavaScript-Funktionen; Erweiterungen wie JShelter, die diese Funktionen deaktivieren, sollen für diese Domain abgeschaltet werden.