Fünf Tage nach dem Hackerangriff arbeitet die Universität Leipzig weiter an der Wiederherstellung ihrer IT. Die Server wurden am Mittwoch, dem 28. Oktober, vom Internet getrennt, um weiteren Schaden zu verhindern. Seitdem bleibt die Universität weitgehend offline; zeitweise waren sämtliche IT-Dienste und Webseiten nicht verfügbar.

Rektorin Eva Inés Obergfell teilte mit, dass es vermutlich mehrere Wochen dauern werde, bis alle Systeme wieder online und voll funktionsfähig seien. Einen konkreten Termin nannte sie nicht. Die Universität befindet sich noch in der Analysephase und prüft, wie sich die Arbeitsfähigkeit zumindest in weiten Teilen wiederherstellen lässt.

Schritt für Schritt zurück ans Netz

Die Dienste sollen anschließend schrittweise und nach Priorität wieder ans Netz gebracht werden. Die reguläre Webseite und die E-Mail-Kommunikation sind weiterhin eingeschränkt. Seit Ende der vergangenen Woche können Fakultäten und zentrale Einrichtungen über ein externes System teilweise wieder per E-Mail erreicht werden. Dazu gehören unter anderem die Universitätsbibliothek, das Zentrum für Hochschulsport und das Sprachenzentrum.

Informationen veröffentlicht die Universität über eine Ersatz-Webseite unter www.uni-leipzig.de sowie über Instagram. Das Universitätsrechenzentrum will Fakultäten und Einrichtungen außerdem Funktionspostfächer für eine eingeschränkte Kommunikation bereitstellen. Die zuständigen Behörden wurden informiert. Unklar ist bislang, wie die Angreifer in die Systeme gelangten, ob Daten abgeflossen sind und welche Hintergründe der Angriff hatte.

Lehre läuft, digitale Abläufe stocken

Die Präsenzlehre findet weiterhin statt, die Lehrveranstaltungen laufen grundsätzlich normal. Digitale Lehrveranstaltungen mussten allerdings teilweise verschoben oder auf externe Plattformen verlagert werden. Die zentralen Plattformen AlmaWeb und Moodle sind weiterhin nicht erreichbar.

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Für Studierende fehlen dadurch unter anderem Stundenpläne, Veranstaltungsverzeichnisse, Zensuren, Hochschulmitteilungen und Immatrikulationsbescheinigungen. Letztere werden etwa für BAföG-Anträge, Semestertickets und Kindergeld benötigt. Auch die digitalen Anzeigetafeln vor den Hörsälen funktionieren nicht – bei manchen Veranstaltungen bleibt der Veranstaltungsort deshalb vorerst unklar.

Nach Angaben des Studentinnenrats können viele Studierende Seminararbeiten und andere prüfungsrelevante Dokumente derzeit nicht hoch- oder herunterladen. Wegen der eingeschränkten Erreichbarkeit und fehlender Ansprechpartner wenden sich viele von ihnen an den Studentinnenrat, besonders wenn Fristen auslaufen. Die Universität hat die Fristen für Haus- und Abschlussarbeiten sowie für Online-Abgaben bis zum 6. November verlängert. Auch die Abgabefristen für schriftliche Prüfungsleistungen wurden bis zu diesem Datum verschoben.

Improvisation im Hochschulalltag

Zwischen ausgefallenen Postfächern, fehlenden Bescheinigungen und analogen Umwegen muss der Hochschulbetrieb derzeit improvisieren. Wer vor einem Hörsaal auf eine digitale Anzeige wartet, bekommt eben keine Auskunft; wer eine Arbeit einreichen muss, braucht unter Umständen einen anderen Kontaktweg. Das ist für eine Universität mit vielen Fakultäten und zentralen Einrichtungen kein kleiner Stolperstein.

Wie lange die Einschränkungen tatsächlich dauern, bleibt offen. Fest steht nur: Die Wiederherstellung soll vorsichtig erfolgen, damit beim Neustart nicht noch mehr Schaden entsteht. Bis dahin bleiben Ersatz-Webseite, Instagram, externe E-Mail-Systeme und die verlängerten Fristen die wichtigsten Anlaufstellen.