Im Sparrenexpress wird an diesem Sonntag nicht nur durch Bielefeld gefahren: Die Musik- und Kunstschule (MuKu) Bielefeld zeigt dort Szenen aus ihrem neuen Musical „BIE a part of“. Im Mittelpunkt steht Nora, gespielt von Diana Schmidt, die zum Studium nach Bielefeld zieht und mit der Stadt zunächst wenig anfangen kann. Eigentlich hatte sie Tübingen oder Heidelberg im Kopf. Die Universität Bielefeld wird für sie erst spät zur „Liebe auf den siebten Blick“.

Ein kurioser Fund in einem Pudding setzt eine Kette ungewöhnlicher Ereignisse in Gang. Noras neugierige Katze Rosi ist dabei, ebenso eine Patientin im historischen Bethel, verschwörungsgläubige Untergrundbewohner unter der Sparrenburg, Bauer Lohmann mit seinem Stier, Elvis, ein Feuersalamander und der Leineweber. Pudding, Fußball, Geister und eine Liebesgeschichte gehören ebenfalls in dieses ziemlich volle Bielefeld-Panorama. Und natürlich taucht die Frage auf: „Gibt’s Bielefeld überhaupt?“ Die Antwort fällt auf der Bühne eindeutig aus: ja.

Fünf Aufführungen im Februar

Der Vorverkauf für die fünf Aufführungen beginnt am Donnerstag, 1. Oktober. Gespielt wird in der Rudolf-Oetker-Halle, jeweils vor rund 1.100 Zuschauerinnen und Zuschauern. Die Vorstellungen der achten großen Eigenproduktion der MuKu finden vom 4. bis 6. Februar 2027 statt.

  • Donnerstag, 4. Februar, 10 Uhr: Schulvorstellung
  • Donnerstag, 4. Februar, 19.30 Uhr: Abendvorstellung
  • Freitag, 5. Februar, 10 Uhr: Schulvorstellung
  • Freitag, 5. Februar, 19.30 Uhr: Abendvorstellung
  • Samstag, 6. Februar, 19.30 Uhr: Abendvorstellung

Tickets gibt es ab Donnerstag, 1. Oktober, online unter www.bielefeld-musical.de und in der Tourist-Information. Die Karten gelten am Veranstaltungstag zwei Stunden vor und zwei Stunden nach der Aufführung im Stadtgebiet auch für den öffentlichen Nahverkehr. Vollzahler zahlen 20 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr, ermäßigte Karten für Schüler, Studierende, Personen mit Bi-Pass oder Schwerbehindertenausweis kosten 12 Euro zuzüglich Vorverkaufsgebühr. Karten für die Schulvorstellungen können per E-Mail an karten@bielefeld.de bestellt werden.

Ein Musical aus Würfelideen

„BIE a part of… Das Bielefeld-Musical“ wurde von einem Creative Team der Musik- und Kunstschule entwickelt. Die Ideen für das Stück entstanden spielerisch durch Würfeln – ein Verfahren, das offenbar zu einer Handlung mit vielen Kurven geführt hat. Humorvoll erzählt das Musical von Kreativität, Zusammenhalt und den verschiedenen Facetten der Stadt. Das Panorama reicht vom historischen Bethel und den Mythen rund um die Sparrenburg bis zu Menschen, Tieren und Geschichten, die sich nicht sauber in Schubladen sortieren lassen.

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Die MuKu ist seit Jahrzehnten in Bielefeld ansässig; nun wird die Stadt selbst zum Thema der spartenübergreifenden Produktion. Unterschiedliche Perspektiven und Geschichten sollen auf der Bühne nebeneinanderstehen. Am Ende ist jede Person Teil der Stadt und ihrer Erzählungen – auch Nora, die anfangs lieber anderswo studiert hätte.

Der Weg bis zur Premiere war allerdings nicht mit einem Würfelwurf erledigt. Sponsorensuche, Probentage und die Entwicklung des Stücks gehörten dazu. Beim Casting Anfang Juli 2025 gingen 151 Bewerbungen ein, 60 Bewerberinnen und Bewerber stehen im Februar auf der Bühne. Insgesamt sind rund 250 Personen auf und hinter der Bühne beteiligt. Zum Ensemble gehört auch die Theaterwerkstatt Bethel.

Sina Schneider-Panneke schrieb das Buch und führt Regie. Vor zwölf Jahren hatte sie selbst an einem MuKu-Casting teilgenommen. Stephan Schulze, seit 30 Jahren bei der MuKu tätig, komponierte die Musik und schrieb die Songtexte. Miriam Köpke, Direktorin der MuKu und selbst Musicaldarstellerin, leitet das Projekt gemeinsam mit Dominik Potthast aus dem Bereich Öffentlichkeitsarbeit.

Von „Bylanuelde“ zum Leineweber

Dass Bielefeld Stoff für ein Musical liefert, liegt auch an der langen und manchmal erstaunlich verwinkelten Geschichte der Stadt. Im 9. Jahrhundert wurde der Ort als „Bylanuelde“ in einer Übertragung an das Kloster Corvey erwähnt. Als Stadt taucht Bielefeld erstmals 1214 urkundlich auf, in einem Vertrag zwischen Graf Hermann II. von Ravensberg und dem Kloster Marienfeld. Die Gründung sollte die Südgrenze der Grafschaft Ravensberg sichern; zunächst gehörte Bielefeld zum Kirchspiel Heepen.

Hermann II. plante Bielefeld als Kaufmannsstadt und Hauptstadt der Grafschaft. Handelswege und ein Pass über den Teutoburger Wald halfen beim wirtschaftlichen Aufstieg. 1236 entstand eine selbstständige kirchliche Gemeinde mit einer Kapelle am Standort der späteren Altstädter Nicolaikirche. Um 1240 begann der Bau der Sparrenburg auf dem Sparrenberg, erstmals urkundlich erwähnt wurde sie 1256. Die Burg diente als Wohnsitz des Landesherrn und zum Schutz von Stadt und Pass. Ursprünglich bestand sie aus einer etwa 45 × 85 Meter großen Schildmauer mit Turm, Wohn- und Lagerräumen sowie Stallungen.

Mauern und Wassergräben schützten die Stadt, nachts wurden die Stadttore geschlossen. Der Alte Markt, das Rathaus und die Altstädter Nicolaikirche bildeten das Zentrum. 1287 wurde das zuvor eingeführte münsterische Stadtrecht bestätigt. Ab 1293 entstand die Neustadt, weil sich Handwerker ansiedelten, die am Burgenbau beteiligt waren. Mit der Neustädter Marienkirche bekam sie ein eigenes Gotteshaus, später Familien- und Stiftskirche der Ravensberger Grafen. Daneben gab es drei befestigte Siedlungskerne: das Marienstift, eine Handwerkersiedlung an der heutigen Breiten Straße und Adelshöfe nahe der heutigen Kreuzstraße.

Altstadt und Neustadt wurden getrennt verwaltet und blieben bis ins 16. Jahrhundert unabhängig. 1520 vereinigten sie sich zu einer Stadt; gemeinsam lebten dort etwa 3.000 Menschen. Nach dem Aussterben der männlichen Linie der Ravensberger Grafen fiel die Grafschaft 1346 an die Grafschaft Berg. Ab 1423 gehörte Bielefeld zum Herzogtum Jülich-Berg. Die Entfernung zum Landesherrn ließ der Stadt Spielraum für eine weitgehend selbstständige Entwicklung. Kriege des späten Mittelalters gingen an ihr größtenteils vorbei, während Kaufleute und Handwerker durch Handel und den Beitritt zur Hanse im 15. Jahrhundert wohlhabender wurden.

1498 wurde am Jostberg ein Franziskanerkloster gegründet, 1511 aber unter anderem wegen der Wasserversorgung und der Entfernung zur Stadt in die Altstadt an den heutigen Klosterplatz verlegt. Das Gebäude am Jostberg verfiel bis zur Mitte des 16. Jahrhunderts weitgehend; erhalten sind heute nur Grundmauern. Ab 1542 hielt die Reformation in Ravensberg und Bielefeld Einzug. In der Altstädter Nikolaikirche und der Neustädter Marienkirche wurde gegen den Widerstand vieler Stiftsherren evangelisch gepredigt und auf Deutsch gesungen. Das Franziskanerkloster blieb katholisch und betreute die wenigen Katholiken im Ravensberger Land. Im Marienstift lebten katholische und evangelische Kanoniker bis zur Auflösung 1810 zusammen. Das 1491 gegründete Augustinerinnenkloster war bereits Anfang des 17. Jahrhunderts untergegangen.

Leinen, Fabriken und Bethel

1609 fiel Ravensberg im Jülich-Klevischen Erbfolgestreit vorläufig an die Mark Brandenburg. Am 30. Oktober 1612 erschütterte ein schweres Erdbeben die Stadt. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Sparrenburg nacheinander von niederländischen, spanischen, schwedischen und französischen Truppen besetzt. Um 1623 beschossen spanische Truppen Bielefeld von der Burg aus. 1636 bis 1637 belagerten Schweden und Hessen die spanische Besatzung fast ein Jahr; 1637 wurde die Festung übergeben. Eine Pestepidemie forderte 1636/37 rund 350 Todesopfer.

Durch den Westfälischen Frieden fiel Ravensberg mit Bielefeld 1648 an Brandenburg und