In Bielefeld treffen gerade ziemlich unterschiedliche Zukunftspläne aufeinander: ein 17-jähriger Friseurlehrling mit Millionenreichweite, 800 junge Bäume aus Portugal und Bielefeld – und Fußballprofis, deren Umzüge manchmal schneller organisiert werden müssen als ein Transfer offiziell verkündet ist.

Joel Feer ist nach Bielefeld gezogen, um im Salon „Die Maßschneider“ seine Friseurausbildung zu beginnen. Online kennt man ihn unter dem Namen „Barberjoe.cuts“. Ein Instagram-Video von ihm erreichte vier Millionen Aufrufe. Das klingt nach sehr viel Aufmerksamkeit für einen 17-Jährigen, doch Feer denkt offenbar weiter: Er verfolgt langfristige Ziele in den sozialen Medien und in seinem Berufsalltag.

800 Bäume, fünf Arten und ein langer Vergleich

Bielefelder Schülerinnen und Schüler haben 800 Bäume aus fünf Arten gepflanzt. Die Arten stammen jeweils aus Portugal und Bielefeld. In einem Langzeit-Experiment soll beobachtet werden, wie sich die Bäume entwickeln. Im Mittelpunkt stehen ihre Widerstandsfähigkeit gegenüber dem Klimawandel und die Frage, welchen Beitrag sie zur Stabilität des Waldes leisten können.

Zwei Schulen und das Regionalforstamt begleiten das Projekt. Künftig soll auch die Universität beteiligt werden. Gerade dieser lange Atem ist entscheidend: Bei Bäumen lässt sich nicht mal eben nach ein paar Wochen feststellen, welche Herkunft unter veränderten Bedingungen besser zurechtkommt.

Passend dazu bringt der KlimaCampus seit drei Jahren Schulen, außerschulische Bildungspartner, die Verwaltung und Stiftungen in Bielefeld zusammen. 2026 nahmen mehr als 300 Schülerinnen und Schüler aus rund 30 Bielefelder Schulen teil – von Grundschulen bis zu Berufskollegs. Am 6. und 7. Juli besuchten sie außerschulische Lernorte und arbeiteten zu Bildung für nachhaltige Entwicklung, Klimaschutz und Ressourcenschonung, Nachhaltigkeit, Biodiversität sowie Klimafolgenanpassung.

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Auf dem Programm standen Tiere erleben auf dem Sentana-Hof, die Besichtigung des Holzkraftwerks der Stadtwerke Bielefeld und die Erkundung des Ökosystems Bach. Dazu kamen nachhaltiges Kochen sowie Workshops zu Biodiversität, Lebensmittelverschwendung und Solartechnik im Freizeitzentrum Baumheide. Am zweiten Veranstaltungstag eröffneten Schuldezernentin Birgit Beckermann und Umweltdezernent Martin Adamski das Programm.

Vom Energiesparen bis zur Wildbiene

Das Programm „Energiesparen macht Schule“ feierte sein 30-jähriges Bestehen. Rund 60 kommunale Schulen aller Schulformen beteiligen sich kontinuierlich daran, einige bereits seit 1996. Im vergangenen Schuljahr senkten die teilnehmenden Schulen ihren Energieverbrauch durchschnittlich um rund 3 Prozent. Das entspricht dem jährlichen Energieverbrauch von zwei Grundschulen. Für ihr Engagement erhalten die Schulen insgesamt 27.000 Euro an Prämien.

Elf Schulen präsentierten außerdem Projekte, die durch den Bildungsfonds KlimaSchule gefördert wurden. Die Hüttemann-Stiftung finanziert den Fonds mit jährlich 15.000 Euro; pro Projekt sind Zuschüsse von bis zu 1.000 Euro möglich. Unterstützt werden unter anderem Schulgärten und Biodiversitätsprojekte, kreative Bildungsformate sowie datenbasierte Projekte zur Klimafolgenanpassung.

Zum Abschluss wurde der von der Andreas-Mohn-Stiftung finanzierte Publikumspreis vergeben: 200 Euro gingen an die Buschkampschule für ein Wildbienenprojekt, 300 Euro an die Grundschule Ubbedissen für einen Garten auf ihrer Streuobstwiese und 500 Euro an das Max-Planck-Gymnasium für eine klimafreundliche Rezeptsammlung. Überreicht wurden die Preisgelder von Oberbürgermeisterin Dr. Christiana Bauer sowie Dr. Ulrich Hüttemann, Martin Uekmann und Eva-Maria Mohn.

Oberbürgermeisterin Bauer dankte den Lehr- und Fachkräften sowie den Schülerinnen und Schülern für ihr Engagement. Veranstaltet wird der KlimaCampus gemeinsam vom Bildungsbüro der Stadt Bielefeld, dem Projektteam „Energiesparen macht Schule“, dem Umweltamt, dem ISB und weiteren Bildungsakteuren. Unterstützt wird die Veranstaltung von der Andreas-Mohn-Stiftung und der Stiftung der Stadtwerke Bielefeld. Der KlimaCampus verbindet damit langfristige Programme wie „Energiesparen macht Schule“ mit projektbezogenen Förderungen des Bildungsfonds KlimaSchule.

Wenn der Umzug zwischen zwei Spielen passen muss

Weniger grün, dafür logistisch eng getaktet, geht es bei Jakobs Umzüge zu. Das Bielefelder Unternehmen organisierte die Umzüge der Arminia-Profis Sam Schreck und Semir Telalovic. Bei Fußballprofis muss so etwas häufig kurzfristig und flexibel in enge Zeitpläne passen – zwischen Training, Spiel, Reise und den nächsten Termin gequetscht.

Auch das Inventar ist nicht ganz alltäglich. Jakobs Umzüge kümmerte sich um signierte Trikots und Pokale. Dinge also, bei denen man beim Einpacken lieber zweimal hinschaut.

Klimabildung gehört nicht nur auf den Stundenplan

Klimawandel und Artensterben gelten als zentrale gesellschaftliche Herausforderungen des 21. Jahrhunderts. Schulen sollen Kinder und Jugendliche auf globale Fragen der Klimakrise vorbereiten und ihnen Handlungskompetenzen vermitteln. Gudrun Spahn-Skrotzki erläutert, warum Klimabildung deshalb einen festen Platz in Schulen und im Unterricht haben soll.

Das dazugehörige Buch zeigt, wie Klimabildung praktisch umgesetzt werden kann: mit Klimaschutz im gesamten Schulbetrieb nach dem „Whole Institution Approach“, über verschiedene Klassenstufen und Fächer hinweg, mit geeigneten Lehr- und Lernformen und durch die Nutzung außerschulischer Lernorte. Es richtet sich an Lehrkräfte aller Schulstufen und Fächer und bietet einen praxisbezogenen Überblick über Klimawandel und Bildung für nachhaltige Entwicklung.

Hinweise zur Integration von Klimabildung in den Schulalltag und den Unterricht gibt es dort ebenso. Ein Bach, ein Schulgarten, ein Solartechnik-Workshop oder 800 gepflanzte Bäume sind dann nicht bloß Ausflüge oder Einzelaktionen. Sie landen mitten im echten Leben – manchmal mit Erde an den Schuhen, manchmal mit Zahlen auf dem Messblatt.

Stand: 18.10.2026, Ort: Uni Bielefeld

Quellen: Neue Westfälische, Stadt Bielefeld, BNE-Portal