Digitale Technik gilt oft als Versprechen: weniger Schleppen, weniger Routine, mehr Unterstützung. Eine Studie des ifo Instituts, des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und der Universität Konstanz kommt nun zu einem deutlich unbequemeren Befund. Mehr Digitalisierung und Künstliche Intelligenz können die Gesundheit am Arbeitsplatz belasten – vor allem in körperlich geprägten Berufen.

Untersucht wurden höhere gesundheitliche Belastungen, mehr Krankheitstage und ein geringeres Wohlbefinden. Damit widersprechen die Ergebnisse der verbreiteten Annahme, digitale Technik und KI würden körperlich anstrengende Arbeit grundsätzlich leichter machen. Die Untersuchung ist Thema der Sendung SWR1 Arbeitsplatz, moderiert von Laura Koppenhöfer, Stand: 26. September 2026, 13:00 Uhr. Erstmals veröffentlicht wurde der Beitrag am 25. September 2026, 11:11 Uhr.

Wenn der digitale Wandel auf den Rücken schlägt

Im Interview erläutert Studienautor Oliver Schlenker mögliche Ursachen. Zugleich geht es um die Frage, wie sich verhindern lässt, dass der digitale Wandel eine zunehmende gesundheitliche Ungleichheit hervorbringt. Denn wo Technik nicht körperliche Belastung ersetzt, sondern Arbeitsabläufe verdichtet, Kontrolle verstärkt oder neue Anforderungen auflädt, kann der erhoffte Entlastungseffekt ausbleiben.

Die Sendung schaut außerdem auf weitere Arbeitswelten: In der Weihnachtsbaumzucht haben Dürresommer zu Totalausfällen in Jungpflanzenbeständen geführt. Wolfgang Brauer berichtet darüber. Esther Leuffen zeigt in einer Reportage, wie Hersteller im Bootsbau auf Niedrigwasser und veränderte Klimabedingungen reagieren – mit Booten mit Hubkiel. Und Arbeitsrechtler Michael Felser beantwortet die Frage, ob Arbeitgeber Aushilfskräfte formal anders behandeln dürfen als festangestellte Vollzeitkräfte.

Studium zwischen Pflege, IT und Management

Passend zu dieser Verbindung von Technik, Gesundheit und Arbeitsorganisation ist der Masterstudiengang „Digital Health Management“. Er behandelt digitale Gesundheit in fünf Bereichen: Digitalisierung in Pflege und Medizin, Ethik und Recht der Digitalisierung, Digitalpolitik in Deutschland, der EU und weltweit, Ökonomie der Digitalisierung sowie die Entwicklung und Anwendung digitaler Technologien.

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Vermittelt werden technologisches Wissen und Managementkompetenzen. Theorie und Praxis liegen dabei eng beieinander; die Lehrenden arbeiten auch in der Versorgungspraxis. Die Inhalte sollen direkt im beruflichen Kontext angewendet werden können – also nicht erst nach dem Studium, wenn sich der Alltag längst wieder anders anfühlt.

Über Wahlpflichtfächer lassen sich zwei Themen vertiefen: Intelligente Assistenzsysteme, Digitale Gesundheitsanwendungen, Gerontotechnologie, Künstliche Intelligenz und Modellierung, Digitale Pflege und Pflegerobotik oder Compliance und Risikomanagement.

Der Studiengang soll dazu befähigen, Veränderungsprozesse im Gesundheitswesen zu planen, zu moderieren, umzusetzen und zu kontrollieren. Mögliche Tätigkeitsfelder liegen an der Schnittstelle von Medizin, Pflege, IT und Management. Ein Studienheft mit ausführlichen Modulbeschreibungen steht im Downloadcenter zur Verfügung.

Von der Uni Bielefeld in die Versorgungspraxis

Für den Hochschulstandort Uni Bielefeld ist die Verbindung besonders naheliegend: Die gesundheitlichen Folgen digitaler Arbeit lassen sich nicht getrennt von Technik, Organisation und politischen Entscheidungen betrachten. Eine Anwendung kann Pflegekräfte unterstützen, ein System kann Abläufe beschleunigen – und trotzdem kann am Ende mehr Druck bei den Beschäftigten ankommen. Genau dort treffen sich die Befunde der Studie und die Fragen, mit denen sich Digital Health Management beschäftigt.

Wer Digitalisierung im Gesundheitswesen plant, braucht deshalb mehr als technisches Verständnis. Es geht auch um Arbeitsbedingungen, Verantwortung, Recht, Risiken und darum, ob eine Neuerung im echten Alltag trägt. Zwischen Bildschirm, Pflegestation und Besprechungsraum entscheidet sich schließlich, ob aus Fortschritt tatsächlich Entlastung wird.