Auf dem Campus Süd der Universität Bielefeld ist ein wichtiger Schritt für die Medizinische Fakultät geschafft: Die Gebäude R5 und R6 sind fertiggestellt und offiziell eingeweiht. NRW-Wissenschaftsministerin Ina Brandes nahm den Termin zum Anlass, sich die Fakultät genauer anzusehen. Sie besichtigte unter anderem das „Skills Lab“, die Anatomie und einen Hörsaal.

Mit dem Wintersemester haben erstmals 300 Studienanfängerinnen und Studienanfänger ihr Medizinstudium in Bielefeld aufgenommen. Damit ist die junge Fakultät vollständig ausgelastet. Mit 300 Erstsemesterplätzen gehört sie zu den größeren Hochschulmedizin-Standorten in Nordrhein-Westfalen. Seit dem Beginn der Lehre im Wintersemester 2021/22 studieren nun 660 Menschen in Bielefeld Medizin. Die ersten Studierenden sollen 2027 ihren Abschluss machen.

Neue Räume für Lehre, Labore und Anatomie

Im Gebäude R5 stehen auf 5.700 Quadratmetern Labore sowie Seminar- und Praktikumsräume für Medizin und Biologie zur Verfügung. R6, das Anatomiegebäude, bietet weitere 2.800 Quadratmeter Fläche. Dort wird unter anderem mit Körperpräparaten gearbeitet – ein Bereich, in dem die Ausbildung sehr konkret und greifbar wird.

Beide Gebäude wurden nach Angaben der Universität termingerecht zum geplanten Vollbetrieb fertiggestellt. Vor dem Festakt überreichten Brandes, Universitätsrektorin Angelika Epple und Kanzler Becker den Nutzerinnen und Nutzern der neuen Gebäude traditionell Brot und Salz. Ein kurzer Moment mit Symbolkraft, bevor es wieder um Baupläne, Studienplätze und den ganz normalen Hochschulalltag ging.

Epple bezeichnete den Aufbau der Fakultät innerhalb von sieben Jahren – vom Konzept bis zum Vollausbau – als gemeinsamen Erfolg von Universität und Land. Möglich wurde der Bau durch die Entscheidung des Landes, der Universität weitgehende Eigenständigkeit beim Bauen zu geben. Sie dankte dabei unter anderem ihrem Vorgänger Gerhard Sagerer sowie Kanzler Becker, dessen Amtszeit bis 2027 verlängert wurde.

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Der Zeitplan geriet mehrfach ins Rutschen

Ganz ohne Haken lief der Ausbau allerdings nicht. R5 sollte ursprünglich Anfang 2025 fertig sein, R6 wurde mit fast zweijähriger Verspätung fertiggestellt. Auch die noch fehlenden Gebäude R7 für die Verhaltensforschung und R8 als zentrales Forschungsgebäude werden verspätet fertig. Als Gründe wurden unter anderem Brandschutzmängel, Wasserschäden und Lieferengpässe genannt. Beim Bauen lief also manches nicht nach Plan – eher nach dem Prinzip: erst warten, dann nachbessern, dann weiter.

Die medizinische Fakultät soll am Ende aus acht Gebäuden bestehen. Die beiden nun eingeweihten Häuser markieren deshalb einen wichtigen Abschnitt auf dem Weg dorthin, auch wenn R7 und R8 noch ausstehen.

Mehr Studienplätze, klinisches Netzwerk als Rückhalt

Brandes bezeichnete das Bielefelder Modell als außergewöhnlich und sprach sich für eine größere Autonomie der Hochschulen beim Bauen aus. Zusätzliche Studienplätze für Humanmedizin seien dringend erforderlich. Zum Erfolg der Ausbildung solle auch das klinische Netzwerk in Ostwestfalen-Lippe beitragen.

Auf dem Campus Süd ist damit nun Platz für den laufenden Lehrbetrieb, für Experimente, Seminare und Anatomiekurse. Während in R5 Labortüren aufgehen und in R6 die Arbeit mit Körperpräparaten beginnt, warten nebenan bereits die nächsten Bauaufgaben. Der Studienbetrieb läuft derweil weiter – mit 300 neuen Gesichtern im ersten Semester und dem Abschlussjahrgang, der 2027 als erster in Bielefeld den Doktorrand? Nein: den Abschluss des Medizinstudiums erreichen soll.

Quelle: Neue Westfälische