Auf einem frisch gepflügten Acker stieß der 52-jährige Oliver Riedl im Oktober des Vorjahres zunächst auf 15 römische Denare. Dann meldete seine Metallsonde weitere Signale. Riedl informierte die zuständigen Bodendenkmalpfleger des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) – und aus einem Fund beim Sondeln wurde eine archäologische Sensation.

Nach weiteren Grabungen, insbesondere nach der Ernte im Sommer, kamen insgesamt 934 römische Denare ans Licht. Zusammen wiegen die Silbermünzen 3,1 Kilogramm. Sie lagen in einem Keramikgefäß, weshalb Fachleute von einem Hortfund oder Schatz sprechen. Zwischen den Scherben fanden sich außerdem Reste von Gerstenstroh, das vermutlich als Polsterung gedient hatte.

Vom ersten Signal bis zum Kaiser Hadrian

Die älteste Münze wurde 148 v. Chr. während der Römischen Republik geprägt. Die jüngste stammt aus der Regierungszeit Kaiser Hadrians und wurde 124 oder 125 n. Chr. geprägt. Nach Einschätzung des Landesarchäologen Erich Claßen wurde der Schatz vermutlich zu dieser Zeit vergraben. Er gilt als größter in Deutschland bekannter Münzschatz aus hadrianischer Zeit.

Die Numismatikerin Rahel Otte untersucht jede einzelne Münze. Porträts, Inschriften und Darstellungen helfen ihr bei der Bestimmung und Datierung. Im Durchschnitt braucht sie dafür etwa 15 Minuten. Bei 934 Münzen ergibt das rund 234 Arbeitsstunden. Eine stark beschädigte Münze hielt sie sogar fast zwei Stunden auf. Ein erkennbares behaartes Kinn deutete schließlich auf Hadrian hin – den ersten römischen Kaiser, der einen Bart trug. Nach weiteren Analysen wurde das Stück auf 124 oder 125 n. Chr. datiert und als jüngste Münze des Fundes eingeordnet.

Denare waren mehr als Kleingeld. Sie verbreiteten politische Botschaften und Herrscherpropaganda. Auf einer Münze des Schatzes ist das Porträt kaum noch zu erkennen, dafür trägt sie einen Gegenstempel mit einem „M“ und einem spiegelverkehrten „P“. Angebracht wurde er vermutlich um das Jahr 70 unter Kaiser Vespasian. Solche Stempel bestätigten die Gültigkeit älterer Münzen und konnten zugleich der politischen Legitimation eines Kaisers dienen. Eine Silbermünze mit einem solchen Gegenstempel hatte Otte zuvor noch nicht untersucht.

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Otte will die Zusammensetzung des Schatzes mit anderen römischen Münzfunden vergleichen. Wer das Geld besaß und warum es vergraben wurde, ist bislang nicht gesichert. Claßen hält es für möglich, dass jemand sein Vermögen mangels Banken sicher versteckte und starb, bevor er seinen Erben das Versteck mitteilen konnte. Der Besitzer könnte auf einem römischen Gutshof zwischen Köln und Bonn gelebt haben.

Ein Vermögen im Acker

Zur römischen Zeit verdiente ein einfacher Legionär jährlich 300 Denare. Die Hälfte wurde für Ausrüstung und Verpflegung einbehalten. Bei höchstens 150 gesparten Denaren pro Jahr hätte ein Legionär ungefähr sechs Jahre gebraucht, um den Fundbetrag anzusparen. Das ist kein Geld, das man mal eben unter dem Kopfpolster liegen ließ.

Etwa 200 Meter nördlich des Fundortes wurden in den 1980er-Jahren die Reste einer Villa Rustica entdeckt. Der Gutshof versorgte Militärlager in der Region mit Lebensmitteln. Claßen stufte den Münzfund als „außergewöhnlich“ ein; darüber liegt nur noch die Kategorie „einzigartig“.

Riedl steht ein Finderlohn zu. Über dessen Höhe berät das zuständige NRW-Ministerium. Ihm selbst sei die Summe nicht wichtig, erklärte er. Für ihn sei es der Fund seines Lebens. Die Metallsonde hatte er sich vor fünf Jahren während der Corona-Zeit zunächst als Freizeitbeschäftigung gekauft. Vorher fand er unter anderem Kronkorken und verbogene Metallstücke und meldete sie vorschriftsgemäß dem Amt für Bodendenkmalpflege.

Bei den Nachgrabungen durfte Riedl gemeinsam mit den Facharchäologen nach weiteren Denaren suchen und an nahezu allen Arbeitsschritten teilnehmen. Seitdem betrachtet er die regionale Landschaft stärker aus archäologischer Sicht. Ein Acker sieht dann wohl nicht mehr einfach nur nach Acker aus.

Die Villa Rustica von Köln-Müngersdorf

Der mögliche Zusammenhang mit einem Gutshof lässt sich archäologisch mit der Villa Rustica in Köln-Müngersdorf einordnen. Die Fundstelle lag etwa 5,2 Kilometer westlich des antiken Kölner Stadttors und nahe dem heutigen Rheinenergiestadion. Ihre Koordinaten sind 50°55′49,9″ N, 6°52′23,6″ O.

Bedroht war die Anlage durch geplante Ausschachtungen für die „Jahnwiese“. Im März 1926 begann deshalb unter Leitung von Fritz Fremersdorf eine Grabung. Oberbürgermeister Konrad Adenauer stellte dafür einen Sonderkredit bereit, die Stadt setzte 30 arbeitslose Männer für die Ausschachtungsarbeiten ein. Nach dem Konkurs der Baufirma konnten die Archäologen drei Wochen länger arbeiten; die Grabung dauerte bis kurz vor Weihnachten 1926. Veröffentlicht wurden die Ergebnisse 1933, die Funde befinden sich heute im Römisch-Germanischen Museum Köln.

Großflächige Suchschnitte brachten das Haupthaus, elf Nebengebäude, sieben Brunnen und Teile der Hofeinfassung zutage. Dazu kamen ein Brandgräberfeld, eine Gruppe mit sechs Sarkophagen sowie vorgeschichtliche und steinzeitliche Feuerstein- und Keramikreste.

Die Gebäude entstanden vermutlich um 50 n. Chr. über den Resten eines bäuerlichen Ubier-Fachwerkhauses. Wer den Gutshof errichten ließ, ist unbekannt. Das Haupthaus war eine Portikusvilla mit Eckrisaliten und zentralem Wirtschaftsraum; Fremersdorf rekonstruierte sechs Bauphasen. Zur Ausstattung gehörten ein hypokaustbeheizter Wohnraum, ein Bad, Abortanlagen und ein Steinkeller. Das Gebäude besaß ein Ziegeldach und rot verputzte Außenwände.

Säulen- und Kapitellteile, Fragmente aufwendiger Wandmalereien, Marmorverkleidungen, Mosaiksteinchen und Fensterglas erzählen von einer durchaus repräsentativen Anlage. Gebäude I wird meist als Gesindewohnhaus gedeutet, möglich ist aber auch eine kleine Portikusvilla mit zentraler Halle. Weitere Gebäude dienten vermutlich als Scheunen und Ställe; südlich des Haupthauses lag ein weiterer Keller.

Der Gutshof gehörte zu den zahlreichen römischen Landwirtschaftsbetrieben im Kölner Umland. Rund 700 Meter nördlich verlief die Via Belgica, heute etwa die Aachener Straße. Sie verband Köln über Jülich und Maastricht mit Boulogne-sur-Mer. Ein kleiner Amboss und Webgewichte weisen auf Metall- und Textilverarbeitung hin.

Sieben Brunnen sicherten die Wasserversorgung. Aus ihnen stammen Keramik, Architekturteile, weitere Kleinfunde und Tierknochen. Nachgewiesen wurden Pferde, Rinder, Schweine, Schafe, Gänse, Hühner und mehrere Hunde. Die Knochen eines sehr kleinen Hundes hatten etwa Pinschergröße. Anhand von Knochen wurde außerdem die Hauskatze erstmals für das römische Germanien nachgewiesen.

Austernschalen belegen importierte Luxusspeisen, Wein kam in Amphoren. Das Badewasser floss durch einen 16 Meter langen gemauerten Kanal in einen Teich. Mehrere Mulden dienten der Abfallentsorgung. Eine Weihinschrift nennt Jupiter, Juno und weitere Götter; außerdem wurde ein Fragment eines Matronenaltars gefunden. Die Anlage belegt damit die Verehrung römischer und einheimischer gallo-römischer Gottheiten.

Brandgräber, Sarkophage und ein Silberlöffel

Zum Gutshof gehören früh- und mittelkaiserzeitliche Brandgräber sowie spätantike Körperbestattungen. Die Gräber lagen an mehreren Stellen des Hofareals. Insgesamt wurden 61 Brandgräber dokumentiert, datiert von etwa der Mitte des 1. Jahrhunderts bis um 200 n. Chr. Einige Gruben waren durch den Scheiterhaufenbrand verziegelt und gelten als Busta. Daneben gab es Urnenbestattungen mit außerhalb des Grabes verbranntem Leichenbrand. In mehreren Gräbern lagen Urnen mit Seelenloch. In Grab 2 wurden Schädelknochen eines Zwerghundes entdeckt.

Zwei einzeln liegende Gräber befanden sich nörd