Hydroponik und industrielle Biotechnologie: Zwei Maßstäbe für nachhaltige Produktionssysteme
Am 3. November 2026 dreht sich auf dem Campus Klein-Altendorf Nord in Rheinbach alles um die Frage, wie Lebensmittel künftig ressourceneffizient, resilient und bedarfsgerecht produziert werden können. Von 10 bis 17 Uhr geht es bei der Veranstaltung „Zukunft nachhaltiger Produktionssysteme – Deep Water Culture“ um hydroponische Produktionssysteme – und um die technologischen, wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Herausforderungen, die damit verbunden sind.
Organisiert wird der Tag vom bio innovation park Rheinland e.V. und Agrobusiness Niederrhein e.V. im Rahmen des Projekts START sowie des Interreg-Projekts AgriTech Innovation – TreeDigital. Fachleute aus Wissenschaft und Wirtschaft und weitere Innovationstreiber geben kurze Impulse zu aktuellen Entwicklungen in Agrartechnologie und Ernährungswirtschaft. Danach wird nicht nur zugehört: Interaktive Workshops sollen Perspektiven zusammenbringen, Fragen vertiefen und Lösungs- sowie Transferansätze entwickeln.
Wasser, Wurzeln und die nächste Ernte
Deep Water Culture dient dabei als Beispiel für innovative Produktionssysteme. Im Mittelpunkt stehen Ressourceneffizienz, resiliente Wertschöpfungssysteme und die künftige Ernährungssicherung. Für die Teilnehmenden gibt es außerdem Einblicke in das neue START-Forschungsgewächshaus und die dort entstehende Forschungsinfrastruktur für hydroponische Produktionssysteme.
Der Ablauf beginnt um 9:30 Uhr mit Ankunft und Get-together. Um 10 Uhr folgen Begrüßung und Projektvorstellung, um 10:30 Uhr ein Vortrag von Dr. Kusuma von der Universität Wageningen zu Hydroponik und Forschung. Die ersten interaktiven Workshops starten um 11 Uhr. Nach der Präsentation der Ergebnisse und der Mittagspause um 12:30 Uhr spricht um 13:30 Uhr Prof. Qaim von der Universität Bonn über Agrarökonomie und Welternährung. Um 14 Uhr geht es in die zweiten Workshops, bevor um 15:15 Uhr der Rundgang durch das Forschungsgewächshaus ansteht. Ab 16:30 Uhr klingt der Tag mit Netzwerken aus.
Die Teilnahme ist kostenlos, aber nur nach vorheriger Anmeldung möglich. Anmeldungen werden bis zum 1. November über www.agrobusiness-niederrhein.de/events oder per E-Mail an lena.manten@lwk.nrw.de entgegengenommen. Mehr als 50 Personen können nicht dabei sein.
Vom Pilotversuch in Richtung Industrie
Ein weiterer Baustein im Umfeld des bio innovation park Rheinland ist „Steps2Scale NRW“. Das Projekt soll zum Strukturwandel der industriellen Bioökonomie in Nordrhein-Westfalen beitragen und wird im Förderprogramm „Industrielle Bioökonomie“ des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie im Baustein D, den Innovationsclustern, gefördert.
Am 16. Juli 2026 startete Steps2Scale NRW mit einem Kick-off-Meeting. Vorgesehen ist die Konzeption eines Scale-up-Hubs für industrielle Biotechnologie in NRW. Der Hub soll Unternehmen beim Sprung von der Technologieentwicklung zur industriellen Demonstration auf den Technologiereifegraden TRL 6–8 und weiter in Richtung Markteinführung unterstützen. Das klingt trocken, ist in der Praxis aber eine ziemliche Hürde: Zwischen Pilot- und Demonstrationsmaßstab liegen hohe technische Risiken und erhebliche Investitionen. Viele Innovationen landen genau dort im sogenannten „Tal des Todes“.
Als Standort für eine flexible, offene Scale-up-Infrastruktur ist der Bayer-AG-Standort in Bergkamen vorgesehen. Dort gibt es Fermentationskapazitäten, industrielle Infrastruktur und Erfahrung in der Verbindung biotechnologischer und chemischer Prozesse. Der geplante Scale-up-Hub NRW soll den Zugang zu Demonstrationskapazitäten erleichtern, Investitionsrisiken reduzieren und die Wettbewerbsfähigkeit der industriellen Biotechnologie in Deutschland stärken.
Bedarf, Betreiber, Geschäftsmodell
Im Projekt wird nicht nur über Technik gesprochen. Untersucht werden zwei zentrale Themenfelder: die technische Ausgestaltung der Infrastruktur entsprechend den erwarteten Kundenbedarfen sowie ein nachhaltiges Betreiber- und Geschäftsmodell. Geplant sind nutzerorientierte Angebote für Industrieunternehmen und kleine und mittlere Unternehmen.
In der ersten Projektphase wird deshalb der tatsächliche Bedarf der Industrie ermittelt. Im ersten Arbeitspaket entstand dafür eine umfassende Bedarfsanalyse. Die Umfrage erfasst aktuelle und zukünftige Anforderungen an Prozessskalierung, Produktionskapazitäten und technische Rahmenbedingungen. Potenzielle Nutzer werden eingebunden, damit am Ende die Grundlagen für eine wirtschaftlich tragfähige und langfristig nutzbare Scale-up-Infrastruktur in NRW stehen – nicht bloß eine schöne Idee auf Papier.
Die Teilnahme an der Umfrage ist freiwillig und anonym oder unter Angabe von Kontaktdaten möglich: https://www.surveymonkey.com/r/R6GHYHC. Wer Kontaktdaten hinterlegt, erhält eine Zusammenfassung der Ergebnisse. Personenbezogene Daten werden vertraulich und gemäß DSGVO ausschließlich für die Umfrage verwendet und nicht an Dritte weitergegeben.
Steps2Scale NRW läuft zwölf Monate und verfügt über ein Fördervolumen von 118.415 Euro. Koordiniert wird das Projekt vom CLIB – Cluster Industrielle Biotechnologie. Ansprechpartner sind Dennis Herzberg, Tobias Klement, Dr. Sarah Refai und Carina Michel. Als Bildnachweis sind CLIB – Cluster Industrielle Biotechnologie sowie die VDI Technologiezentrum GmbH angegeben.
Für den 3. November bleibt damit ein enger Blick auf Pflanzen, Wasser und Gewächshausinfrastruktur – verbunden mit der größeren Frage, wie aus Forschung belastbare Produktions- und Demonstrationskapazitäten werden. Campus Klein-Altendorf Nord, Rheinbach. Ein Tag, zwei Maßstäbe: hydroponische Systeme im Gewächshaus und industrielle Biotechnologie auf dem Weg aus dem Pilotstadium.
