Kirschlorbeer im Garten: Warum die grüne Hecke der Artenvielfalt schadet
Wer in Deutschland einen Sichtschutz für den Garten sucht, landet schnell beim Kirschlorbeer. Die Pflanze wächst rasch, wird dicht und bleibt auch im Winter grün. Genau das macht sie so beliebt – und zunehmend problematisch. Denn im Garten zählt nicht nur, wie ordentlich eine Hecke aussieht, sondern auch, was sie für Insekten, Vögel und andere Tiere übrig lässt.
Am Standort Uni Bonn verweist der Blick auf eine im Juni 2024 veröffentlichte Studie der Universität Bonn. Sie untersuchte, wie sich Prunus laurocerasus, also Kirschlorbeer, in einem Waldgebiet bei Bonn eingebürgert. Im Kottenforst fanden die Forschenden Pflanzenbestände, die bis zu 50 Quadratmeter Waldboden bedeckten. Seit dem Jahr 2000 hat die Ausbreitung dort deutlich zugenommen.
Die Hecke bleibt nicht immer im Garten
Kirschlorbeer stammt nicht aus Deutschland und wird als invasiver Neophyt eingestuft. Viele Früchte fallen im Herbst zu Boden und keimen im Folgejahr in Gärten, auf Rasenflächen und in nahe gelegenen Wäldern. Heimische Pflanzen können dadurch verdrängt werden. Mildere Winter begünstigen möglicherweise, dass sich die Art auch außerhalb von Gärten hält. Die Forschenden sehen ein hohes invasives Potenzial und mögliche langfristige Folgen für Waldstruktur und Artenvielfalt. Der Klimawandel könnte diese Entwicklung noch verstärken.
Auch für Tiere ist die Pflanze kein guter Gastgeber: Blätter und Früchte des Kirschlorbeers sind für Menschen und Tiere giftig. Insekten und Vögel finden darin keine geeignete Nahrungsquelle. Wo eine dichte Hecke den Garten dominiert, kann das die Tiervielfalt begrenzen – grün ist eben nicht automatisch lebendig.
In der Schweiz dürfen Kirschlorbeer und Schmetterlingsflieder seit dem 1. September 2024 nicht mehr verkauft und angepflanzt werden. In Deutschland ist Kirschlorbeer dagegen weiterhin eine häufige Sichtschutzpflanze.
Blüten allein reichen Schmetterlingen nicht
Der Schmetterlingsflieder liefert Schmetterlingen und anderen Fluginsekten Nektar. Das lockt sichtbar Leben an, manchmal summt es an warmen Tagen regelrecht um die Blütenstände. Für viele Schmetterlingsarten fehlt aber ein entscheidender Teil: Sie legen ihre Eier nicht auf dem Schmetterlingsflieder ab. Als vollständige Lebensgrundlage taugt er deshalb nicht. Außerdem wächst er schnell, gilt als invasiv und kann heimische Pflanzen verdrängen.
Wer bereits einen Schmetterlingsflieder im Garten hat, muss ihn laut Gartenexperte Mattias Nemeth nicht zwingend entfernen. Unter die Pflanze lassen sich Brennnesseln, Wiesenschaumkraut und Knoblauchrauke setzen. Diese Pflanzen dienen Schmetterlingen als Ort zur Eiablage – ein kleiner Unterschied, der für die nächste Generation ziemlich groß sein kann.
Auch Lupinen werden als botanische Eindringlinge beschrieben. Sie stammen aus den USA und gedeihen sogar auf kargen Böden. An ihren Wurzeln binden sie Stickstoff aus der Luft und machen den Boden fruchtbarer. Damit verschaffen sie sich einen Vorteil und können heimische Pflanzen verdrängen, die gerade auf nährstoffarme Böden angewiesen sind, etwa Arnika und Knabenkraut.
Eine Lupine bildet durchschnittlich rund 60 Blüten. Daraus entstehen etwa 2.000 Samen, die bis zu sechs Meter weit verbreitet werden können. Der Sprung in den Nachbargarten oder in die freie Natur ist also schnell geschafft.
Mehr Platz für heimische Pflanzen
Bereits vorhandene Pflanzen müssen laut dem Artikel nicht zwingend entfernt werden. Beim nächsten Pflanzenkauf lohnt es sich aber, genauer auf die Folgen für die heimische Natur zu schauen. Ein kleiner Gartenbereich darf außerdem einfach der natürlichen Entwicklung überlassen werden. Das sieht anfangs womöglich weniger geschniegelt aus, dafür finden dort eher unterschiedliche Tiere und Pflanzen ihren Platz.
Als robuste und pflegeleichte heimische Stauden und Kräuter werden Lavendel, Frauenmantel, Rainfarn, Rosmarin, Thymian, Salbei, Mädchenauge, Fetthenne, Katzenminze, Akelei und Bodendecker-Thymian genannt. Viele dieser Pflanzen bevorzugen sonnige, durchlässige Standorte und kommen mit wenig Wasser aus. Das ist im Hochsommer angenehm – für den Wasserhahn ebenso wie für Menschen, die nicht jeden Abend mit der Gießkanne durch den Garten marschieren wollen.
Zwischen duftendem Rosmarin, blühendem Salbei und einer Fetthenne entsteht dann kein perfektes Schaubild, sondern ein Garten mit unterschiedlichen Strukturen, Blüten und Rückzugsorten. Und irgendwo darunter vielleicht die nächste Generation eines Schmetterlings.
Quelle: gofeminin.de
