Messerangriffe steigen trotz rückläufiger Gewaltkriminalität in Bonn und bundesweit
Am Sonntagabend ist es in der Osloer Straße in Bonn-Auerberg zu einer Messerstecherei gekommen. Fünf Männer im Alter von 29 bis 55 Jahren wurden dabei teilweise schwer verletzt. Rettungskräfte brachten die Verletzten in nahegelegene Krankenhäuser.
Nach Informationen des „General-Anzeigers“ eskalierte kurz vor 18 Uhr ein Familienstreit. Die Polizei war bis in die Nacht hinein im Einsatz. Die Mordkommission der Polizei Bonn hat die Ermittlungen übernommen.
Weitere Messerattacke in Bonn
Ein anderer Fall ereignete sich am Mittwoch, 8. Oktober 2025, auf dem Gelände einer Klinik für psychisch erkrankte Patienten. Dort soll eine 15-Jährige ihren 16-jährigen Freund mit einem Messer schwer verletzt haben. Vorausgegangen sein soll ein Streit; die Hintergründe sind bislang unklar.
Der 16-Jährige befindet sich im Krankenhaus. Die Jugendliche wurde am Tatort festgenommen. Ein Haftrichter erließ am folgenden Tag Haftbefehl wegen versuchten Mordes. Ob die 15-Jährige schuldfähig ist, ist unklar; derzeit befindet sie sich in einer Klinik. Eine Mordkommission ermittelt, wie es zu der Tat kam und welches Motiv vorlag.
Was die Zahlen für 2025 zeigen
Die Polizeiliche Kriminalstatistik des Bundeskriminalamts weist für 2025 insgesamt 5.508.559 registrierte Straftaten aus. Das sind 5,6 Prozent weniger als 2024, als 5.837.445 Fälle erfasst wurden. Unter Berücksichtigung der Teillegalisierung von Cannabis beträgt der Rückgang 4,7 Prozent. Die Zahl der Tatverdächtigen sank um 5,9 Prozent auf 2,05 Millionen. Die Aufklärungsquote lag bei 57,9 Prozent, nach 58,0 Prozent im Jahr 2024.
Die PKS erfasst Straftaten, die der Polizei bekannt geworden und abschließend bearbeitet worden sind, einschließlich strafbarer Versuche sowie der vom Zoll bearbeiteten Rauschgiftdelikte. Enthalten sind Angaben zu Tatverdächtigen aufgeklärter Fälle und zu Opfern bestimmter Delikte. Gezählt wird nach Abschluss der polizeilichen Ermittlungen und der Übergabe an die Staatsanwaltschaft.
Das Dunkelfeld bleibt dabei außen vor. Ebenso nicht enthalten sind Staatsschutz- und Verkehrsdelikte, Ordnungswidrigkeiten sowie bestimmte Steuer-, Finanz- und Aussagedelikte. Eine Statistik ist eben kein vollständiges Abbild dessen, was passiert – manches landet gar nicht erst bei der Polizei.
Bei der Gewaltkriminalität wurden 212.335 Fälle registriert, 2,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Tatverdächtigen ging um 2,6 Prozent zurück. Damit sank die Gewaltkriminalität erstmals seit 2021. Zu diesem Bereich zählen unter anderem Mord, Totschlag, Vergewaltigung, Raub, gefährliche und schwere Körperverletzung, Geiselnahme und erpresserischer Menschenraub. Einfache Körperverletzung gehört nicht dazu, wird aber separat erfasst.
Am häufigsten lagen die Tatorte an sonstigen öffentlichen Straßen, Wegen und Plätzen – 28,9 Prozent – sowie in Wohnungen mit 22,7 Prozent. Bei den tatverdächtigen Jugendlichen gab es einen Rückgang von 7,4 Prozent, bei tatverdächtigen Zuwanderern von 7,2 Prozent. Die Zahl tatverdächtiger Kinder stieg dagegen um 3,3 Prozent. Die Tatverdächtigenbelastungszahl nichtdeutscher Personen war etwa viermal so hoch wie die deutscher Personen; am höchsten lag sie bei männlichen Jugendlichen.
Bei Kindern sank die Zahl der Tatverdächtigen insgesamt um 6,4 Prozent, bei Jugendlichen um 10,4 Prozent. Trotzdem stieg der Anteil der Kinder an allen Tatverdächtigen seit 2016 von 3,8 auf 4,6 Prozent. Tatverdächtige Kinder und Jugendliche sind überwiegend männlich. Die Zahl nichtdeutscher Tatverdächtiger ging gegenüber dem Vorjahr zurück. Die Tatverdächtigenbelastungszahl nichtdeutscher Personen liegt bei Straftaten insgesamt ohne ausländerrechtliche Verstöße etwa 2,6-mal über der deutscher Tatverdächtiger. Gemeint ist damit die Zahl der ansässigen Tatverdächtigen je 100.000 Einwohner des jeweiligen Bevölkerungsanteils; Kinder unter acht Jahren werden nicht berücksichtigt.
Messerangriffe steigen leicht
Bei der Messerkriminalität registrierte das BKA 29.243 Messerangriffe – ein Anstieg um 0,8 Prozent. Ihr Anteil an der Gewaltkriminalität blieb mit 7,0 Prozent nahezu unverändert, sank aber um 0,2 Prozentpunkte. Bedrohungen mit einem Messer nahmen um 9,5 Prozent auf 13.748 Fälle zu.
Auch andere Deliktfelder bewegen sich nicht in dieselbe Richtung. Diebstahlsdelikte insgesamt gingen um 6,5 Prozent zurück. Beim Wohnungseinbruchdiebstahl wurden jedoch 82.920 Fälle gezählt, 4.484 mehr als im Vorjahr und damit 5,7 Prozent mehr. Laut der Dunkelfeldstudie SKiD 2024 werden etwa 57 Prozent der Wohnungseinbrüche angezeigt. Bei vollendeten Einbrüchen liegt die Anzeigequote bei 87 Prozent, bei versuchten Einbrüchen bei 48 Prozent. Rückgänge gab es unter anderem bei Fahrrad- und Kfz-Diebstahl.
Bei den Sexualdelikten stieg die Zahl auf 131.335 Fälle, ein Plus von 2,8 Prozent. Vergewaltigung, sexuelle Nötigung und besonders schwere sexuelle Übergriffe einschließlich Todesfolge wurden in 14.454 Fällen registriert – 8,5 Prozent mehr. Seit 2018 stieg die Zahl der Vergewaltigungen um rund 71,7 Prozent. Beim sexuellen Missbrauch von Kindern wurden 772 Fälle erfasst, 4,7 Prozent mehr; die Verbreitung pornografischer Inhalte nahm um 1.573 Fälle beziehungsweise 2,7 Prozent zu.
Tatverdächtige bei Vergewaltigung und besonders schweren sexuellen Übergriffen stammen überwiegend aus dem sozialen Nahfeld, etwa aus dem Kreis von Freunden, Bekannten oder ehemaligen Partnern. Als mögliche Faktoren für langfristige Entwicklungen nennt das BKA Gesetzesänderungen von 2016 und 2021, digitale Entwicklungen, verändertes Mediennutzungsverhalten, mehr Mobilität und öffentliche Präsenz sowie eine gestiegene Anzeigenbereitschaft.
Im Zusammenhang mit Kinderpornografie wurden 41.677 Straftaten registriert, 2,7 Prozent weniger, aber weiterhin auf hohem Niveau. Bei Jugendpornografie stieg die Zahl um 19,9 Prozent auf 11.515 Fälle. Das BKA erhielt 2024 vom National Center for Missing and Exploited Children, NCMEC, mehr als 200.000 Hinweise auf Missbrauchsdarstellungen. Über die Hälfte davon betraf nach deutschem Recht strafbare Sachverhalte. Die Hinweise stammen von Internetdienstleistern, die Inhalte automatisiert prüfen.
Nach dem Auslaufen der Interimsregelung der EU-CSA-Verordnung am 3. April 2026 wird ein deutlicher Rückgang solcher Hinweise erwartet, weil Anbieter Nutzerdaten in der EU voraussichtlich nicht mehr aktiv nach entsprechendem Material durchsuchen dürfen.
Betrug wandert weiter ins Netz
Bei Inlandstaten gingen Betrugsdelikte um 8,4 Prozent und Cybercrime um 4,1 Prozent zurück. Bei Auslandstaten stiegen Betrugsdelikte dagegen um 7,0 Prozent und Cybercrime um 3,0 Prozent. Als Auslandstaten gelten Taten aus dem Ausland oder Fälle mit unbekanntem Tatort, bei denen der Schaden in Deutschland entsteht.
Beim Betrug nähern sich die Fallzahlen von Inlands- und Auslandstaten an. Bei Cybercrime übersteigen die Auslandstaten bereits die Inlandstaten. Die Schadenssumme der Inlandstaten lag bei 2,7 Milliarden Euro, 6,7 Prozent weniger als zuvor. Bei Auslandstaten waren es 2,3 Milliarden Euro – ein Plus von 65,1 Prozent. Wer in Bonn auf die Ermittlungen nach einer Messerattacke schaut, sieht also nur einen Ausschnitt der Sicherheitslage: Während manche Zahlen sinken, verschieben sich andere Delikte leise, aber kräftig ins Digitale und über nationale Grenzen hinweg.
