Magen-Darm-Infekt löst MANV-Alarm auf Eurowings-Flug nach Düsseldorf aus
Am Sonntagabend klagten mehrere Passagiere eines Eurowings-Flugs von Rhodos nach Düsseldorf über starkes Unwohlsein. Der Kapitän des Flugs EW9631 beantragte beim Tower eine priorisierte Landung. Die Maschine sollte am späten Sonntagabend, dem 18. Oktober, in Düsseldorf landen – und setzte kurz nach 22 Uhr auf.
Offenbar waren einige der mehr als 200 Passagiere von einem Magen-Darm-Virus betroffen. Kurz vor 22 Uhr war der Feuerwehr gemeldet worden, dass mehrere Menschen an einem Magen-Darm-Infekt erkrankt seien. Was genau die Beschwerden auslöste, blieb zunächst offen. Eurowings kündigte eine Untersuchung an.
MANV-Alarm am Düsseldorfer Flughafen
Vorsorglich löste die Flughafenfeuerwehr einen Alarm wegen eines Massenanfalls von Verletzten und Erkrankten, kurz MANV, aus. Rund ein Dutzend Feuerwehr- und Rettungsdienstfahrzeuge erwarteten das Flugzeug nach der Landung. Die Flughafenfeuerwehr war mit acht Einsatzfahrzeugen vor Ort und erhielt Unterstützung von der Berufsfeuerwehr Düsseldorf.
Medizinisches Personal untersuchte drei betroffene Personen noch am Flughafen. Nach Angaben von Eurowings begaben sich die drei vorsichtshalber in ein Krankenhaus. Der Flughafen Düsseldorf sprach dagegen von zwei Menschen, die ins Krankenhaus gebracht wurden. Die übrigen Passagiere konnten ihre Heimreise selbstständig antreten. Der Einsatz war gegen 23.30 Uhr beendet.
Ein Airbus dieser Art verfügt standardmäßig über drei bis vier Toiletten. Ob diese Ausstattung bei dem Vorfall eine Rolle spielte, ist nicht bekannt. Auch die konkreten Symptome wurden zunächst nicht näher benannt.
Warum Flüge den Körper fordern können
Der Fall zeigt nebenbei, wie schnell Magen-Darm-Beschwerden an Bord zum Problem werden können. Laut Flugmediziner Dr. Roland Nowak sind rund 85 Prozent der medizinischen Notfälle im Flugzeug Kreislaufkollapse. Langes Sitzen, Essen, Alkohol und Flüssigkeitsverlust – gerade nach Magen-Darm-Erkrankungen – können den Kreislauf zusätzlich schwächen.
In der Kabine herrscht ein Druck wie in etwa 2.200 Metern Höhe, die Luftfeuchtigkeit liegt nur bei ungefähr 10 Prozent. Für gesunde Menschen ist die geringere Sauerstoffsättigung meist unproblematisch. Einschränkungen werden insbesondere bei einem Sauerstoffpartialdruck unter 60 mmHg erwartet. Eine Rolle spielen unter anderem der Hämoglobingehalt, die Herzfunktion, bestehende Infektionen, die trockene Kabinenluft und der erhöhte Sauerstoffbedarf in der Schwangerschaft.
Reisende sollten nicht ansteckend krank sein oder Fieber haben. Außerdem müssen sie persönliche Bedürfnisse, das Betreten und Verlassen der Kabine sowie eine sichere Sitzposition – vor allem bei Start und Landung – grundsätzlich selbst bewältigen können. Wer dabei Hilfe braucht, kann mit Unterstützung der Fluggesellschaft reisen.
Was Menschen mit Vorerkrankungen beachten sollten
Bei Herz- oder Lungenerkrankungen gilt ein Sauerstoffpartialdruck von idealerweise mehr als 70 mmHg als unproblematisch; zusätzlicher Kabinensauerstoff ist dann meist nicht erforderlich. Empfohlen werden ausreichend Flüssigkeit, Schleimlöser und sämtliche Medikamente im Handgepäck. Bei Husten sollten Antitussiva verfügbar sein, ein anhaltender starker Hustenreiz sollte bei Reiseantritt nicht bestehen.
Bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen sollte neben einem Sauerstoffpartialdruck über 70 mmHg höchstens ein NYHA-Stadium II–III vorliegen. Eine Angina pectoris muss medikamentös stabil eingestellt sein. Ein zyanotischer Herzfehler ist nicht grundsätzlich ein Ausschlusskriterium; nötig sein können eine frühzeitige Absprache mit der Airline, sorgfältige Planung, gegebenenfalls Sauerstoff und eine qualifizierte Begleitung.
Als genannte Karenzzeiten nach Eingriffen gelten etwa 8–10 Tage nach einem Herzinfarkt, etwa 3 Tage nach einer Angioplastie, mindestens 24 Stunden nach einer unkomplizierten Angiografie, etwa 8–10 Tage nach einer Herzoperation mit ärztlicher Begleitung, mindestens 2 Tage nach einer Schrittmacherimplantation und mindestens 2, besser 5–7 Tage nach einer Ablation.
Nach einer Phlebothrombose sollte keine pulmonale Beeinträchtigung bestehen und die Antikoagulation bereits begonnen worden sein. Nach einer Lungenembolie sollte sich der Thrombus unter Antikoagulation möglichst gelöst haben. Der niedrigere Sauerstoffpartialdruck kann das rechte Herz zusätzlich belasten; ist die pulmonale Ausflussbahn behindert, kann der Druck im rechten Ventrikel stark ansteigen und im schlimmsten Fall zu einem irreversiblen Herzstillstand führen.
Dialysepatientinnen und -patienten fliegen möglichst an einem dialysefreien Tag, wenn der Kreislauf stabiler ist. Lange Wege am Flughafen sollten vermieden, bei Bedarf ein Rollstuhlservice angefordert werden. Das letzte Dialysegewicht vor dem Flug sollte etwa 1 kg unter dem üblichen Zielgewicht liegen. Bei Peritonealdialyse empfiehlt sich eine vorherige Anmeldung bei der Fluggesellschaft; medizinisches Übergepäck kann kostenfrei befördert werden. Für eine Feriendialyse gehören alle erforderlichen Unterlagen und Impfdokumente ins Handgepäck.
Als Faustregel für einen sicheren Transport gilt ein Hämoglobinwert von etwa 9 g/dl. Ab 8 g/dl ist die Sauerstofftransportkapazität deutlich eingeschränkt. Im sitzenden Flugzeug ist das meist weniger problematisch, anstrengender kann das Gehen sein – etwa quer durch einen großen Flughafen mit Koffer und Gatewechsel.
Von Bauchoperation bis Schwangerschaft
Eingeschlossenes Gas dehnt sich in Reiseflughöhe um etwa 30 Prozent aus. Nach einer Operation im Bauchraum können dadurch Schmerzen im Operationsbereich, eine Nahtdehiszenz und postoperatives Fieber auftreten. Mindestens eine Woche sollte mit dem Flug gewartet werden.
Ist eine Lunge nach einem Pneumothorax vollständig entfaltet, wird durch die Druckänderung nach Einschätzung Nowaks normalerweise keine relevante Komplikation erwartet. Die früher geltende Wartezeit von vier bis sechs Wochen wird heute teilweise weniger strikt gehandhabt. Bei Langstreckenflügen dauert der Aufstieg zur Reiseflughöhe etwa 10–15 Minuten; durch Ein- und Ausatmen wird dabei keine akute Druckerhöhung in der Lunge erwartet. Im Zweifel sollte die Fluggesellschaft konsultiert werden.
Bei Frakturen und orthopädischen Eingriffen hängt die Möglichkeit des Rücktransports von der Versorgung, dem Schmerzstatus, der möglichen Sitzposition und der Reisedauer ab. Wirbelsäulenverletzungen können einen Transport auf einer Trage erfordern, die neurologische Situation muss überwacht werden. Nach einer Knieoperation mit Schiene kann ein zweiter Sitz notwendig sein. Nach größeren Operationen, etwa am Hüftgelenk, sollte der postoperative Hämoglobinwert kontrolliert werden. Flüge innerhalb der ersten zwei bis drei Tage nach dem Anlegen eines Gipses sollten möglichst mit gespaltenem Gips erfolgen, damit Schwellungen berücksichtigt werden.
Wer Probleme mit Hals, Nase oder Ohren hat, muss einen Druckausgleich in den Nebenhöhlen durchführen können und ausreichend trinken. Vor dem Rückflug können abschwellende Nasentropfen, gegebenenfalls kombiniert mit NSAR oder Kortison nach fachärztlicher Empfehlung, eingesetzt werden. Pantenolsalbe kann die Atemwege befeuchten; die genannten Medikamente gehören laut Nowak teilweise auch zur Bordmedikation. Nach HNO-Operationen gilt wegen möglicher Schwellungen der Nebenhöhlen und Nachblutungen eine Karenzzeit von ungefähr 10 Tagen.
Nach Durchblutungsstörungen sollten mindestens fünf Tage stabile Beschwerdefreiheit bestehen, damit eine mögliche Hirnschwellung zurückgehen kann. Für eine transitorisch-ischämische Attacke gelten 5 Tage und eine Begleitperson, nach einem manifestierten Schlaganfall mindestens 5 Tage sowie radiologisch keine Hirnschwellung. Zusätzlicher Sauerstoff wird bis 14 Tage nach dem Ereignis empfohlen; eine ärztliche Begleitung hängt vom Behinderungsgrad ab. Nach einer Gehirnoperation sollten mindestens 10 Tage vergangen sein, Lufteinschlüsse resorbiert und eine Krampfneigung kontrolliert sein; meist sind ärztliche Begleitung und zusätzlicher Sauerstoff erforderlich.
Bei Epilepsie und einem letzten Anfall vor mehr als sechs Monaten empfiehlt sich eine Beratung zu Reisestress, Zeitzonen, Schlafmangel und Medikamenteneinnahme. Liegt der letzte Anfall weniger als sechs Monate zurück, sollte die Notwendigkeit einer durchgängigen Medikation geprüft werden. Medikamente gehören in die Kabine, ein medizinisches Bulletin sollte griffbereit sein. Langstreckenflüge sollten nur mit einer krankheitserfahrenen Begleitperson erfolgen; bei häufig wiederkehrenden Anfällen ist
