Eine deutsche Bergsteigerin ist in den italienischen Alpen tödlich verunglückt. Die 32-Jährige stürzte in der Nordwand des 2.323 Meter hohen Großen Nabois nahe der slowenischen Grenze mehr als 50 Meter ab.

Das Unglück ereignete sich am Sonntag gegen 14:30 Uhr auf dem Kletterweg „Cengia dei Camosci“, der als schwierig gilt. Die erfahrene Bergsteigerin war mit einem gleichaltrigen Kletterer aus Österreich unterwegs. Nach ersten Angaben waren beide für die Route vorbereitet und verfügten über die erforderlichen technischen Fähigkeiten.

Griff bricht kurz nach schwieriger Passage aus

Kurz nachdem die beiden eine schwierige Passage bewältigt hatten, soll sich ein Klettergriff gelöst haben. Vermutlich brach er aus bislang ungeklärter Ursache aus. Die Frau verlor dadurch den Halt und stürzte in die Tiefe.

Der Grande Nabois gehört zur Jôf-Fuart-Gruppe in den Julischen Alpen in Friaul-Julisch Venetien. Bis Slowenien sind es von dort etwa zehn Kilometer Luftlinie. Die „Cengia dei Camosci“ ist ein Rundweg mit alpinistischen Schwierigkeiten am Jôf-Fuart-Massiv – und liegt gegenüber der bekannteren „Cengia degli Dei“.

Die Angaben zum Alter der Verunglückten unterscheiden sich: Während zunächst von einer 32-jährigen deutschen Bergsteigerin berichtet wurde, nennt ein italienischer Bericht eine 35-jährige deutsche Alpinistin. Auch der österreichische Begleiter wird dort als 35-jährig beschrieben. Die Behörden machten keine weiteren Angaben zur Herkunft der Frau.

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Großeinsatz bis zum späten Nachmittag

Alarmiert wurden die Bergrettungsstation Cave del Predil des Bergrettungs- und Höhlenrettungsdienstes Friaul-Julisch-Venetien, Bergretter der Guardia di Finanza und der regionale Hubschrauberrettungsdienst. Nach der Genehmigung durch den zuständigen Staatsanwalt barg und entfernte die Hubschrauberbesatzung die Leiche. Ein Hubschrauber brachte sie ins Tal.

Gegen 17:30 Uhr war der Einsatz beendet. Die Behörden leiteten Ermittlungen ein. Warum der Griff ausbrach, ist bislang ungeklärt.

Was die Unfallstatistik des DAV zeigt

Der Deutsche Alpenverein veröffentlicht seit 1952 eine Bergunfallstatistik. Alle zwei Jahre erscheint ein ausführlicher Bericht zu jeweils zwei Saisons. Erfasst werden allerdings ausschließlich Unfälle von DAV-Mitgliedern. Untersucht wird unter anderem, wie viele Unfälle auf die einzelnen Bergsportarten entfallen, worin sich Sommer und Winter unterscheiden, in welchem Gelände sich die Verunfallten bewegten und welche Ursachen bei Unfällen und Notfällen eine Rolle spielten.

Die veröffentlichten Zahlen zeichnen kein durchgehend gleiches Bild. 2022 lagen die absoluten Unfallzahlen auf dem Höchststand, während die Zahl der Toten konstant blieb. 2021 gingen Unfälle und Notfälle gegenüber dem Vorjahr um ein Viertel zurück und erreichten erneut einen Tiefststand.

Für 2020 meldete der DAV die niedrigste Zahl an Todesfällen seit Beginn der Aufzeichnungen. Die Unfallzahlen sanken damals in allen Bergsportdisziplinen – außer beim Klettersteiggehen. 2018 war das Bergsportrisiko historisch niedrig; auch die Zahl der Blockierungen ging zurück.

Bereits 2016/2017 wurde das Bergsportrisiko als so niedrig wie nie zuvor beschrieben, wobei im Bericht eine Ausnahme gesondert genannt wird. 2016 selbst brachte einen historischen Tiefstand bei tödlichen Unfällen, zugleich mussten viele unverletzte Bergsportler geborgen werden. Für 2014/2015 nannte der DAV falsche Planung und fehlende Erfahrung als häufigste Unfallursachen; außerdem sank das Risiko tödlicher Bergunfälle seit mehr als 60 Jahren. 2012/2013 stieg die Zahl der Unfälle und Notfälle, während zugleich ein historischer Tiefstand bei tödlichen Unfällen verzeichnet wurde.