Die Erwerbsbeteiligung von Müttern in Deutschland steht im Mittelpunkt einer aktuellen Studie des EPoS-Wirtschaftsforschungszentrums. Diese Forschungen, veröffentlicht im Diskussionspapier „Economic Incentives or Social Norms? Labor Supply Differentials between East and West German Mothers“, zeigen einen interessanten Unterschied zwischen west- und ostdeutschen Müttern. Während die Erwerbsquote in beiden Regionen relativ hoch ist und bei etwa 75 Prozent liegt, gibt es signifikante Unterschiede in den Arbeitszeitmodellen. Mütter im Westen arbeiten deutlich seltener Vollzeit im Vergleich zu ihren Kolleginnen im Osten. Lediglich die Hälfte der Mütter mit Kindern unter zwölf Jahren in Westdeutschland nimmt Vollzeitjobs an, während im Osten eine Kultur der Vollzeitarbeit für Mütter etabliert ist.
Die Studie befasst sich ausführlich mit den Gründen für diese Unterschiede. Ein zentrales Ergebnis ist das tief verwurzelte traditionelle Rollenbild, das Mütter dazu verleitet, sich stärker um die Familie zu kümmern und häufig in Teilzeit zu arbeiten. In Westdeutschland, wo diese Strukturen besonders stark ausgeprägt sind, haben politische Maßnahmen zur Förderung der beruflichen Teilhabe von Frauen nicht die gewünschte Wirkung gezeigt, da wirtschaftliche Anreize oft durch soziale Normen konterkariert werden. Das bedeutet, dass Mütter in Westdeutschland weniger geneigt sind, beruflich tätig zu sein, selbst wenn höhere Löhne als Anreiz bestehen.
Die Frage der Teilzeitbeschäftigung ist ebenfalls bemerkenswert. Etwa 70 Prozent der Mütter mit Kindern unter zwölf Jahren arbeiten in Teilzeit. Dies zeigt sich auch in den gesunkenen durchschnittlichen Wochenarbeitszeiten von Frauen, die laut einer weiteren Analyse von bpb.de von 32 Stunden im Jahr 1991 auf 25 Stunden im Jahr 2022 zurückgegangen sind. Dies passt zu dem allgemeinen Trend einer steigenden Teilzeitquote der Frauen, die mittlerweile bei 50 Prozent liegt und erheblich höher ist als der Männeranteil von nur 12 Prozent, was die wachsende Diskrepanz zwischen den Geschlechtern verdeutlicht.
Ein zusätzliches Hindernis für die vollzeit berufstätigen Mütter ist der so genannte Gender Care Gap. Laut bundesstiftung-gleichstellung.de bleibt die Verteilung der unbezahlten Sorgearbeit zwischen Männern und Frauen ungerecht. Während die Zustimmung zu traditionellen Rollenbildern zwar abnimmt, bleibt die Realität vieler Paare oft bei den alten Vorstellungen verhaftet. Vorschläge zur Reformierung der Elternzeitregelungen und zur gerechteren Verteilung von Erziehungsaufgaben sind dringend erforderlich. Ein wesentlicher Aspekt könnte hierbei auch die Neugestaltung von Vaterschaftsurlauben sein, um Vätern mehr Anreize zu bieten, sich stärker in die Familie einzubringen.
Eine Lösung für den Fachkräftemangel in Deutschland könnte laut bpb.de darin bestehen, die Erwerbsbeteiligung von Frauen nachhaltig zu erhöhen. Politische Handlungsansätze, die Zuwanderung von Fachkräften und die Mobilisierung älterer Arbeitnehmer beinhalten, können ebenso hilfreich sein. Eine Umgestaltung des Steuer- und Transfersystems könnte Anreize schaffen, die Erwerbsbeteiligung der Frauen zu erhöhen, ohne die Belastung von Alleinverdienern zu verstärken.
Zusammenfassend zeigt die Forschung, dass Maßnahmen zur Erhöhung der Erwerbsbeteiligung von Frauen untrennbar mit einem Umdenken in der Gesellschaft über Rollenbilder und die Verteilung von Sorgearbeit verbunden sind. Nur durch eine Kombination aus politischen Maßnahmen, gesellschaftlichem Wandel und einem Umdenken in der Familienstruktur kann eine Gleichstellung im Berufsleben erreicht werden.