Im ZDF-Hauptstadtstudio in Berlin ist der XY-Preis 2026 für Zivilcourage verliehen worden. Ausgezeichnet wurden Helferinnen und Helfer aus Niedersachsen, Rheinland-Pfalz und Bayern, die in gefährlichen Situationen eingegriffen und damit gegen Kriminalität geholfen haben. Die Verleihung stand unter der Schirmherrschaft von Bundesinnenminister Alexander Dobrindt (CSU).

Drei Personen beziehungsweise Gruppen erhielten die Auszeichnung „XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen“. Der mit jeweils 10.000 Euro dotierte Preis wurde 2026 zum 25. Mal vergeben. Durch die Veranstaltung führte Rudi Cerne; die Laudationen hielten die Schauspielerinnen Dennenesch Zoudé und Stella Hinrichs sowie der ZDF-Moderator und Journalist Mitri Sirin.

Drei Einsätze, drei Orte

Am 16. Februar 2025 hörten die Tierärzte Annemarie und Thomas Krull gemeinsam mit ihrem Nachbarn Daniel Karstens am Bahnhof Hodenhagen im Heidekreis Hilferufe. Ein 43-jähriger Mann hatte eine 19-Jährige angegriffen, ihr das Handy entrissen, mehrfach auf sie eingestochen und sie ins Gleisbett gestoßen. Die junge Frau erlitt lebensgefährliche Verletzungen.

Thomas Krull lenkte den Angreifer lautstark ab. Der Täter versperrte den Helfern zunächst den Weg; Karstens drängte ihn mit einer Eisenstange zurück. Die drei alarmierten die Polizei, hielten den Mann bis zu deren Eintreffen auf Abstand und leisteten anschließend Erste Hilfe. Mehrere Menschen retteten die Verletzte aus dem Gleisbett. Eine Notoperation bewahrte sie vor dem Tod. Nach Angaben von Staatsanwaltschaft und Gericht trug der Einsatz entscheidend zu ihrer Rettung bei.

Der Täter wurde wegen versuchten Totschlags nach dem Prozess in einem psychiatrischen Krankenhaus untergebracht. Die Jury hob die schnelle Aufgabenteilung zwischen Ablenkung, Sicherung und Versorgung hervor. Die Laudatio hielt Dennenesch Zoudé.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Am 19. April 2025 bemerkten Valeria Lizenberger und Edanur Karademir am Trierer Hauptbahnhof einen etwa 30-jährigen Mann, der ein jugendliches Mädchen bedrängte. Er versuchte mehrfach, die 14-Jährige zu küssen und anzufassen. Als er sie wegführen wollte, zeigte das Mädchen heimlich das internationale Handzeichen „Signal for Help“.

Die beiden Freundinnen griffen ein. Karademir kündigte dem Mann an, die Polizei zu rufen, alarmierte sie anschließend und übermittelte Hinweise zum Täter. Lizenberger kümmerte sich um die verängstigte Jugendliche. Der Mann ließ von dem Mädchen ab und flüchtete, wurde aber kurz darauf gefasst. Wegen sexueller Belästigung erhielt er sechs Monate Haft auf Bewährung.

Das Signal besteht darin, die Handfläche nach außen zu halten, den Daumen in die Handfläche zu klappen und die vier anderen Finger darüberzulegen. Die Jury würdigte die Aufmerksamkeit der Freundinnen, ihre Aufgabenteilung und die bewusste Entscheidung, die weitere Verfolgung wegen möglicher Eigengefährdung abzubrechen. Stella Hinrichs hielt die Laudatio. Außerdem verwies die Jury auf die Bedeutung der Kampagne „Signal for Help“.

In Augsburg hörten am 23. August 2025 die damals 17-jährige Michelle Kuhn und ihr WG-Mitbewohner Marco Schwarzenberger nachts vor ihrem Wohnhaus anhaltende Hilfeschreie. Auf der Straße sahen sie, wie ein Mann eine 34-jährige Frau zu Boden drückte und würgte.

Kuhn rief den Notruf und blieb bei der unter Schock stehenden Frau. Schwarzenberger forderte den Täter lautstark auf, sie loszulassen. Der Mann ließ von ihr ab und flüchtete. Schwarzenberger verfolgte ihn mit sicherem Abstand und übermittelte der Polizei seinen Standort, während Kuhn das Opfer betreute. Der Täter wurde wenig später festgenommen und später zu mehreren Jahren Haft verurteilt. Die Frau entging knapp einer Vergewaltigung. Die Jury lobte die Aufteilung in Täterverfolgung und Opferbetreuung sowie die Eigensicherung der Jugendlichen. Die Laudatio hielt Mitri Sirin.

Ein Preis mit langer Geschichte

Der XY-Preis – Gemeinsam gegen das Verbrechen ist eine deutsche Auszeichnung für Zivilcourage. Die ZDF-Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst verleiht ihn seit 2002 jährlich im Herbst; der Preis steht unter der Schirmherrschaft des jeweiligen Bundesinnenministers. Initiatoren waren Eduard Zimmermann und das XY-Team der ZDF-Kriminalfachredaktion. Üblicherweise gibt es drei Auszeichnungen an Einzelpersonen, Zweiergruppen oder Personengruppen, die sich für den Schutz von Leben, Gesundheit oder Eigentum eingesetzt haben.

Geehrt werden Menschen, die Straftaten verhindert, zu ihrer Aufklärung beigetragen oder Opfern zu Hilfe gekommen sind. Kandidaten können Privatpersonen, Organisationen oder Polizeidienststellen vorschlagen. Eine zwölfköpfige Fachjury wählt die Gewinner in Zusammenarbeit mit den Ermittlungsbehörden aus. Die Preisverleihungen finden meist im September in Berlin statt, der Preis ist mit jeweils 10.000 Euro dotiert.

Die Fälle der ausgewählten Kandidaten werden in kurzen filmischen Rekonstruktionen innerhalb der XY-Sendung dargestellt. Die Preisträger spielen sich häufig selbst, Täter und Opfer werden stets von Darstellern verkörpert. Gedreht wird teilweise an anderen Orten, unter anderem in der Bavaria Filmstadt. In den Filmen erscheinen auch Personen, die nicht geholfen haben.

Die ersten Preise überreichte 2002 Bundesinnenminister Otto Schily. Bis 2010 finanzierte HDI-Gerling die Auszeichnung, seit 2012 ist Kaspersky Labs GmbH Sponsor. Seit 2007 gibt es den XY-Sonderpreis für besonders herausragende Leistungen; er wurde 2007, 2009 und 2011 verliehen. 2009 erhielt Dominik Brunner erstmals posthum einen XY-Ehrenpreis. Die Auszeichnung erfolgte nachträglich, da Brunner wenige Tage nach der offiziellen Preisverleihung durch Gewalteinwirkung der Täter starb. Tuğçe Albayrak wurde für den XY-Ehrenpreis vorgeschlagen, erhielt ihn jedoch nicht.

Bis einschließlich 2022 wurden laut dem genannten Artikel 69 Preise an mehr als 90 Personen verliehen. Die Namen der bisherigen Preisträger:

<
Jahr Preisträgerinnen und Preisträger
2002 Lisa Hübner; Christina Malerwein; Lothar Heppner
2003 Hannelore Klausutis; Christine Heinrich und Holger Hoyer; Eric Eisner
2004 Yasmin Henne und Banu Hasesen; Biniam Muhur; Günter Bertele und Janina Heubel; Nabila Djouadi und Lilia Frick
2005 Christine und Andreas Preußinger; Dominic Schüler und Timo Weil; Falk Glemnitz und Susann Kuschmierz; Gabriele Mester
2006 Sonja und Wolfgang Radecker; Torben Marwede; Kerstin Schwalm
2007 Pia Michels; Mohamed Iraki, Walid Iraqui und Khalil Sabra; Petar Link; Oxana und Ingo Schröder
2008 Michael Pieper und Peter Dahnke; Irene Durukan; Daniela Hoff
2009 Dominik Brunner; Kerstin Friedrich; Moein Ramezani und Marc Kohlert; Alexander Karamanlaki; Kaspar Krebbers
2010 Sonia Idir und Oliver Düll; Özlem Sibein und Familie; Caroline Küchle-Maas
2011 Georg Baur; Jörg Hufmann; Miroslaw Strecker; Marcel Gleffe
2012 Anke Heilbronner; Cedric Kelleners; Jan Gaetcke
2013 Paulina Hoppe; Tim Conrady; Christian Thöne
2014 Mara Hoffmann; Michele und Fabio D’Amico; Nicholas Martin und Markus Knobloch
2015 Manuela Droste; Manfred Berger; Michael Horst Dißmer