Heute, am 15.10.2026, ist die mögliche Zuckersteuer in Deutschland wieder ein großes Thema. Nach längeren Verhandlungen stand die Abgabe am 14.10.2026 im Kabinett auf der Tagesordnung. Betroffen wären Getränke mit zugesetztem Zucker, etwa Limonaden und Cola. Zunächst müssten die Hersteller zahlen; für Verbraucher könnte das bedeuten, dass Softdrinks teurer werden.

Wie hoch die Abgabe ausfällt, wie sie genau ausgestaltet wird und wann sie konkret startet, ist nach den vorliegenden Angaben noch nicht festgelegt. Nach einem Gesetzentwurf des CDU-geführten Gesundheitsministeriums soll sie 2028 über ein separates Gesetz eingeführt werden. Die Einnahmen sollen zweckgebunden den gesetzlichen Krankenkassen zugutekommen. In der Unionsfraktion gibt es allerdings noch Vorbehalte – im parlamentarischen Verfahren kann sich also noch einiges ändern.

Vom jahrelangen Streit zum Gesetzentwurf

Die Diskussion läuft seit Jahren. Deutschland setzte bislang vor allem auf freiwillige Maßnahmen der Wirtschaft und auf bewusste Konsumentscheidungen. Andere Länder sind längst weiter: Großbritannien und Irland führten ihre Abgaben 2018 ein, Polen folgte 2021. Nach Daten der Weltgesundheitsorganisation haben weltweit inzwischen mehr als 100 Länder eine Abgabe auf mindestens eine Art zuckerhaltiges Getränk eingeführt.

Politisch kam der Schritt noch vor wenigen Wochen kaum absehbar daher. Ein Antrag des schleswig-holsteinischen CDU-Landesverbands für eine Limosteuer scheiterte im Februar auf dem CDU-Bundesparteitag. Ministerpräsident Daniel Günther bekam aus der Parteiführung sogar die Einschätzung zu hören, eine Zuckersteuer sei „grüne Bevormundungspolitik“. Gesundheitsministerin Nina Warken hatte die Abgabe zunächst nicht in ihre Sparpläne aufgenommen, sprach sich grundsätzlich aber für eine solche Steuer aus.

Nun gehört sie zu den 66 Vorschlägen einer Fachkommission zur Stabilisierung der gesetzlichen Krankenversicherung. Erwartet werden Mehreinnahmen von etwa 450 Millionen Euro jährlich. Mittel- und langfristig könnten nach Einschätzung von Experten zusätzlich 20 bis 170 Millionen Euro pro Jahr in der gesetzlichen Krankenversicherung eingespart werden, weil Krankheiten verhindert werden könnten.

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Was im Glas steckt

Die WHO empfiehlt weniger als 50 Gramm freien Zucker am Tag, idealerweise weniger als 25 Gramm. „Freier Zucker“ meint zugesetzten Zucker sowie Zucker aus Honig, Sirup und Fruchtsäften. In Deutschland liegt der Durchschnitt darüber: Frauen nehmen laut Max Rubner-Institut etwa 61 Gramm täglich zu sich, Männer ungefähr 78 Gramm.

Eine 200-Milliliter-Portion eines zuckerhaltigen Getränks enthält etwa 20 bis 34 Gramm freien Zucker. Das ist schnell getrunken, gern nebenbei, und plötzlich ist ein großer Teil der Tagesmenge weg. Zuckerhaltige Getränke werden mit Adipositas, Typ-2-Diabetes, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Karies in Verbindung gebracht.

Nach einer Auswertung von Foodwatch trinkt Deutschland unter den zehn größten westeuropäischen Ländern am meisten zuckerhaltige Getränke: durchschnittlich 125 Liter pro Person und Jahr. Das klingt im Jahresmaßstab gewaltig, verteilt sich aber ziemlich unspektakulär auf Flaschen, Dosen und Becher.

Als besonders wirksam gelten gestaffelte Steuern, bei denen der Zuckeranteil den Preis mitbestimmt. Sie sollen Hersteller dazu bewegen, Rezepturen zu verändern. In Großbritannien sank der durchschnittliche Zuckergehalt süßer Getränke bis 2021 um 29 Prozent. Dort beträgt die Steuer bei 5 bis 8 Gramm Zucker je 100 Milliliter 18 Pence, etwa 21 Cent, pro Liter. Ab 8 Gramm sind es 24 Pence, etwa 28 Cent, pro Liter.

Auch Verbraucher können durch solche Modelle zum Kauf zuckerärmerer Getränke bewegt werden. Eine Simulationsstudie zeigte für ein gestaffeltes Modell die stärksten gesundheitlichen Effekte.

Gesundheitspolitik mit sozialer Frage

Positive Wirkungen erwarten Experten besonders bei Kindern, Jugendlichen und Menschen mit geringerem Einkommen. In Großbritannien ging nach Einführung der Abgabe unter anderem die Adipositasrate bei Mädchen zurück. Der stärkste Rückgang wurde bei Mädchen in sozioökonomisch benachteiligten Gebieten festgestellt.

Forschende der Universität Bremen weisen darauf hin, dass Menschen mit niedrigem sozioökonomischem Status häufiger von Krankheiten betroffen sind. In Mexiko führte eine Steuer auf stark zuckerhaltige Getränke dazu, dass vor allem wirtschaftlich schwache Haushalte ihren Konsum reduzierten. Genau deshalb müsse die Abgabe so gestaltet werden, dass sie soziale Ungleichheiten nicht verstärkt.

Ärzte und Verbraucherschützer befürworten eine Zuckersteuer seit Langem – als Anreiz für eine gesündere Ernährung und zur Verringerung von Übergewicht und Diabetes. Ramona Pop, Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands, bezeichnete die geplante Abgabe als „gute Nachricht“ und als Baustein für eine gesündere Ernährung sowie zur langfristigen Entlastung des Gesundheitssystems.

Der vzbv fordert außerdem, Süßstoffe einzubeziehen; auch die WHO empfiehlt das. Ärzteorganisationen und Foodwatch verlangen in einem gemeinsamen Appell die Einführung der Abgabe.

Industrie kündigt Widerstand an

Die Ernährungsindustrie kritisiert die Pläne scharf. Christoph Minhoff, Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie und des Lebensmittelverbands, erklärte, es gehe ausschließlich darum, Haushaltslöcher zu schließen. Die Branche kündigte an, im parlamentarischen Verfahren das Argument zurückzuweisen, die Steuer diene der Kindergesundheit.

Für Studierende und Familien in Bonn dürfte zunächst vor allem eine praktische Frage zählen: Was kostet die Limo künftig an der Kasse? Darauf gibt es am 15.10.2026 noch keine genaue Antwort. Fest steht nur der politische Kurs – und dass zwischen Kabinettsplänen, Fraktionsvorbehalten und dem angekündigten Gesetz für 2028 noch einige Verhandlungsrunden liegen.