An der Universität Bremen ist die Enttäuschung über die gescheiterte Bewerbung als Exzellenzuniversität noch frisch. Trotzdem soll die Zusammenarbeit mit der Universität Oldenburg weitergehen. Die Forschungskooperation „North-West Alliance“ wollen beide Hochschulen fortsetzen und ausbauen. Der Schwung aus der gemeinsamen Bewerbung soll nun für weitere Vorhaben genutzt werden.

Wie es konkret weitergeht, soll im November bei einer Tagung beraten werden. Forschung und Lehre sollen weiterhin eng mit regionalen Akteuren aus der Praxis verbunden werden. Auch die Kooperation mit der Rijksuniversiteit Groningen steht auf der Liste: Vor allem in der Meeresforschung soll sie gestärkt werden. Professuren wollen Bremen und Oldenburg weiterhin gemeinsam planen, wissenschaftliche Geräte gemeinsam nutzen.

Was bleibt – und was offen ist

Laufende Forschungsinitiativen sollen weiterentwickelt werden, unter anderem in der Künstlichen Intelligenz und bei der Gehirngesundheit. Welche konkreten Projekte wegen der gescheiterten Exzellenzbewerbung nicht umgesetzt werden können, ist allerdings noch offen. Sicher ist nur: Die jährliche Förderung fehlt. Mit dem Exzellenzstatus hätten Bremen und Oldenburg sieben Jahre lang gemeinsam 16 Millionen Euro pro Jahr erhalten.

Der nun nicht erfolgreiche Antrag trug den Titel „Northwest Alliance: Connecting for Tomorrow“. Die Universitäten hatten ihn fristgerecht beim Wissenschaftsrat eingereicht. Ihr Ziel: den Nordwesten zu einer international sichtbaren Wissenschaftsregion zu entwickeln und die Voraussetzungen für Spitzenforschung und Lehre zu schaffen. Zugleich sollte die Zusammenarbeit zwischen Universität und Gesellschaft neu gestaltet werden – wissenschaftliches Wissen und praktisches Wissen sollten stärker zusammenfinden.

Bei einem erfolgreichen Antrag wären Bremen und Oldenburg ab 2027 als Exzellenzverbund gefördert worden; die Entscheidung fällt im Oktober des kommenden Jahres. Der Verbund sollte Bremen und Niedersachsen ebenso miteinander verbinden wie Deutschland und die Niederlande. Möglich machen sollte das vor allem die strategische Partnerschaft mit der Rijksuniversiteit Groningen, mit der beide Universitäten seit Jahren kooperieren.

Hier könnte Ihr Advertorial stehen
Ein Advertorial bietet Unternehmen die Möglichkeit, ihre Botschaft direkt im redaktionellen Umfeld zu platzieren

Die beiden Reformuniversitäten wurden in den frühen 1970er-Jahren gegründet und zählen heute, gemessen an ihrer Größe, zu den forschungsstärksten deutschen Hochschulen. Seit 25 Jahren arbeiten sie eng zusammen. Im vergangenen Jahr stimmten die Senate beider Hochschulen einstimmig für die Antragstellung. Anfang des Jahres gründeten sie die „Northwest Alliance“ als Grundlage für einen gemeinsamen Forschungs- und Transferraum; kurz zuvor war auch der Kooperationsvertrag erneuert und auf Lehre, Forschung und Transfer ausgeweitet worden.

Vier Cluster als gemeinsames Fundament

Die Kompetenzen in Forschung, Lehre sowie Wissens- und Technologietransfer sollten gebündelt werden, um Lösungen für gesellschaftliche, kulturelle und technologische Veränderungen zu entwickeln. Die Spitzenforschung im Nordwesten sollte international sichtbarer werden und Impulse für die Region geben. Rund ein Jahr lang arbeiteten dafür zahlreiche Beschäftigte aus Wissenschaft und Verwaltung beider Universitäten und Länder an der Antragstellung mit. Studierende wurden in den Austausch einbezogen. Die Universitätsleitungen beschrieben den gemeinsamen Antrag über Ländergrenzen hinweg als Herausforderung und Chance.

Die notwendige wissenschaftliche Basis war vorhanden: In der ersten Förderlinie der aktuellen Exzellenzstrategie wurden insgesamt vier Exzellenzcluster für Bremen und Oldenburg bewilligt. „Hearing4all.connects“ widmet sich der Hörforschung und wird von der Universität Oldenburg gemeinsam mit der MHH und der Universität Hannover getragen. „Marsperspektive“ befasst sich an der Universität Bremen mit Material- und Produktionsforschung. „NaviSense“ untersucht an der Universität Oldenburg die Tiernavigationsforschung. Dazu kommt „Ozeanboden“, beziehungsweise „Ocean Floor“, als gemeinsames Meeresforschungscluster beider Universitäten.

Die Cluster werden seit dem 1. Januar 2026 sieben Jahre lang gefördert. Mindestens drei bewilligte Exzellenzcluster sind Voraussetzung für eine Bewerbung als Exzellenzverbund. Die Exzellenzstrategie von Bund und Ländern besteht aus zwei Förderlinien: Exzellenzcluster unterstützen international herausragende Forschungsfelder an deutschen Universitäten und Universitätsverbünden; die institutionelle Förderung richtet sich an Universitäten und Verbünde mit mehreren erfolgreichen Clustern.

Für die nächste Förderphase stellen Bund und Länder jährlich insgesamt 208 Millionen Euro bereit. Die zusätzlichen 60 Millionen Euro gegenüber der laufenden Förderphase sollen ab 2027 die Förderung von bis zu 15 statt bisher 11 Standorten ermöglichen.

Die nächste Entscheidung fällt am 2. Oktober

Am 2. Oktober 2026 sollen neue Universitäten und Universitätsverbünde als Exzellenzstandorte ausgewählt werden. Welche Namen dabei auf der Liste stehen, nennt der vorliegende Text des Wissenschaftsrats nicht. Die Exzellenzstrategie, kurz ExStra, ist ein dauerhaftes Förderprogramm von Bund und Ländern. Sie soll wissenschaftliche Spitzenleistungen, Profilbildung und Kooperationen deutscher Hochschulen stärken, internationale Forschungsspitzen hervorbringen, die Qualität des deutschen Hochschul- und Wissenschaftssystems insgesamt verbessern und Deutschlands internationale Wettbewerbsfähigkeit sichern.

Seit Januar 2026 werden 40 Exzellenzcluster an 43 deutschen Universitäten gefördert. Für diese Förderlinie ist die Deutsche Forschungsgemeinschaft zuständig. Seit 2019 erhalten außerdem zehn Universitäten und ein Universitätsverbund Unterstützung als Exzellenzstandorte. Für die Förderlinie Exzellenzuniversitäten ist der Wissenschaftsrat verantwortlich. Das Verfahren umfasst die Evaluation der bisher geförderten Exzellenzuniversitäten und des Exzellenzverbunds sowie eine Neuausschreibung für weitere antragstellende Universitäten und Verbünde.

Die Förderung beider Linien beträgt derzeit jährlich 533 Millionen Euro. Ab 2026 steigt das Gesamtbudget auf 687 Millionen Euro pro Jahr. Gestaltet wird das Programm vom Committee of Experts, das die Gemeinsame Wissenschaftskonferenz eingesetzt hat. Das Gremium besteht aus 39 Personen mit ausgewiesener Forschungserfahrung und langjähriger Erfahrung unter anderem im Ausland, im Hochschulmanagement, in der Lehre oder in der Wirtschaft.

Über die Förderanträge entscheidet die Exzellenzkommission. Ihr gehören das Committee of Experts sowie die für Wissenschaft zuständigen Bundes- und Landesministerinnen und -minister an. Grundlage der Exzellenzstrategie ist eine Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern. Weitere Informationen und Listen der aktuell geförderten Einrichtungen und Cluster stehen auf exzellenzstrategie.de.