Frieda Wieczorek: Bielefelds Kultur zwischen Carnival, Bunker und Universität
Heute wird Frieda Wieczorek 46 Jahre alt. Und während andere an so einem Tag vielleicht Kuchen anschneiden, steht bei ihr die Bielefelder Kultur im Mittelpunkt: Am 10. Oktober findet die Verleihung des Bielefelder Frauenpreises statt, für den Wieczorek nominiert ist. Die 46-Jährige leitet den Bunker Ulmenwall, organisiert mit dem Verein Shademakers den Bielefelder Carnival der Kulturen und engagiert sich außerdem an der Universität Bielefeld, im Kulturpact, an der Schule ihres Sohnes und in der Jodokus-Kirchengemeinde.
Ihr Arbeitstag klingt nach vielen offenen Tabs gleichzeitig. Beim Carnival ist sie zentrale Ansprechpartnerin für die Kommunikation, spricht mit Behörden und dem Organisationsteam und bringt neue Impulse in die Organisation des Straßenfests. Seit 2015 organisiert sie maßgeblich die Parade. Seit 2000 ist sie Mitglied im Shademakers Carnivals Club, seit 2015 dessen Vorsitzende.
Vom Schulhof auf die Carnival-Parade
Wieczorek wuchs in Bielefeld auf und besuchte auf Wunsch ihrer Eltern die Gesamtschule Schildesche. Dort waren es Lehrerinnen, die ihr Zugänge zu Theater und Gesang eröffneten. Als Jugendliche unterhielt sie ihre Familie mit Auftritten als Musicalstar Ute Lemper. Parallel entwickelte sie früh ein Interesse am Karneval.
Nach ihrer kaufmännischen Ausbildung beim Delius Klasing Verlag in Bielefeld – genauer: zur Verlagskauffrau – ging es an die Universität Bremen. Dort studierte sie Kulturwissenschaften mit den Schwerpunkten Ethnologie, Linguistik und Wirtschaftswissenschaften. 1999 schloss sie sich den Shademakers an, während des Studiums tourte sie mit der Carnival-Truppe durch England und schrieb ihre Magisterarbeit über die britische Carnival-Szene.
Deutschlandweit trat sie bei verschiedenen Veranstaltungen in exotischen Kostümen als Walking-Act auf. Das passt zu ihrem Kulturverständnis: Kultur soll Menschen und Kulturen zusammenbringen, Respekt und Vielfalt ausdrücken. 2018 erhielt der von ihr maßgeblich geprägte Carnival der Kulturen den Heimatpreis.
Ein Festival bleibt in Bewegung
Für die Zukunft plant Wieczorek eine kürzere Strecke, neue Partner und Sponsoren sowie eine stärkere Einbindung jüngerer Menschen und neuer Verantwortlicher. Vieles läuft dabei über Gespräche, Absprachen, Telefonate – die weniger sichtbare Seite eines Straßenfests, ohne die vorne keine Parade losziehen würde.
Auch der Bunker Ulmenwall gehört zu ihrem täglichen Kulturkosmos. 2019 übernahm Wieczorek die Geschäftsführung der sozialkulturellen Bildungs- und Musikveranstaltungsstätte, obwohl sie keine ausgewiesene Jazz-Expertin war. Mithilfe ihres Netzwerks entwickelte sie den traditionsreichen Jazz-Ort zu einem breiter ausgerichteten Zentrum der Jugendmusikkultur weiter.
Dann kamen die Corona-Pandemie und anschließend ein großes Finanzdefizit. Wieczorek und ihr Team reagierten mit Parkplatzkonzerten vor der Jugendpsychiatrie, Spendenkampagnen und einem veränderten Programm. So erreichten sie wieder mehr junge Musikerinnen und Musiker sowie ein jüngeres Publikum; der Fortbestand des Bunkers wurde gesichert.
Jazz, Pop und mehr Räume für junge Leute
Wieczorek möchte den Bunker stärker in die Stadtteile bringen – mit Veranstaltungen, Bildungsprojekten und politischen Gesprächsrunden. Der Club soll sich für verschiedene Communities und besonders für junge Menschen öffnen. Junge Bands und Schülerbands sollen stärker gefördert werden. Gleichzeitig bleibt der Jazz-Schwerpunkt erhalten, während sich der Bunker weiteren Formen der Popkultur öffnet.
Seit vier Semestern lehrt Wieczorek an der Universität Bielefeld „Projektmanagement und Audience Development“. Ihren Studierenden vermittelt sie, öffentliche Räume aktiv zu nutzen und dort Kulturangebote zu schaffen. Der Gedanke klingt praktisch, fast wie eine Einladung: nicht darauf warten, dass irgendwo schon eine Bühne steht, sondern schauen, was sich vor Ort machen lässt.
Ihr Büro- und Organisationsnetz reicht dabei vom Bunker über den Carnival bis nach Bremen – an der Universität Bremen hat sie schließlich studiert. Für Anfragen zum Carnival ist sie unter wieczorek(at)shademakers.de erreichbar. Heute, am 10.10.2026, wird daraus außerdem ein persönlicher Termin: Die Preisverleihung fällt auf ihren Geburtstag.
