Am 14. Mai 2026 rückt die deutsch-polnische Zusammenarbeit in den Fokus, während das 35-jährige Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags naht. Die Europa-Universität Viadrina Frankfurt (Oder) und die Konrad-Adenauer-Stiftung laden zur Diskussionsveranstaltung „Kooperation in Krisenzeiten: Wieviel Geopolitik steckt in den deutsch-polnischen Beziehungen?“ ein. Die Veranstaltung findet am 28. Mai 2026 um 16.30 Uhr im Senatssaal der Universität statt. Ziel ist es, die Veränderungen im Verhältnis zwischen Deutschland und Polen angesichts globaler Machtverschiebungen zu beleuchten und die Rolle beider Länder als Stabilisatoren in einer konfliktbelasteten Region zu diskutieren. Erwartet werden hochrangige Teilnehmer, darunter Prof. Dr. Claudia Weber von der Europa-Universität Viadrina und Knut Abraham, der Polen-Beauftragte der Bundesregierung. Ein Empfang nach der Diskussion ist ebenfalls geplant. Interessierte und Medienvertreter sind herzlich zur Anmeldung eingeladen.
Mit der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags am 17. Juni 1991 legten Deutschland und Polen den Grundstein für eine enge Partnerschaft. Der Vertrag, der 38 Artikel umfasst, definiert politische, wirtschaftliche und kulturelle Ziele der Zusammenarbeit. Gerade seit Polens NATO-Beitritt im Jahr 1999 und danach der Beitritt zur EU im Jahr 2004 hat sich das bilaterale Verhältnis intensiviert, und Deutschland ist heute der bedeutendste Handelspartner Polens. Aktuell leben etwa 840.000 polnische Staatsbürger in Deutschland, was die tiefen gesellschaftlichen Verflechtungen der beiden Nachbarn verdeutlicht.Das Auswärtige Amt hebt hervor, wie wichtig der Vertrag für den zivilgesellschaftlichen Austausch ist, der unter anderem durch das Deutsch-Polnische Jugendwerk und die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit gefördert wird.
Geopolitische Kontexte
Die geopolitischen Rahmenbedingungen haben sich in den letzten Jahren ebenfalls verändert. Die deutsch-polnischen Beziehungen stehen dabei vor Herausforderungen, die durch nationale Geschichtspolitik und das Thema Entschädigungen für Kriegsverbrechen geprägt sind. Diese Themen gewinnen zunehmend an Gewicht, insbesondere seit der rechten PiS-Regierung in Polen nationalistische Narrative propagiert. Die Bundeszentrale für politische Bildung beschreibt, wie der russische Überfall auf die Ukraine nicht nur Polens Rolle in Ostmitteleuropa verändert hat, sondern auch das Bewusstsein für die Notwendigkeit einer starken politischen Kooperation mit Deutschland geschärft hat.
Zudem zeigt sich, dass trotz aller politischen und wirtschaftlichen Verflechtungen auch Differenzen bleiben. So bedrängen Fragen zu Umwelt- und Gesellschaftspolitik die Beziehungen, während die militärische Zusammenarbeit meist reibungslos verläuft. Polen hat sich vorgenommen, seine Streitkräfte erheblich auszubauen und der Einfluss der US-amerikanischen Präsenz in der Region wird stärker denn je wahrgenommen, insbesondere im Kontext der rasant sich verändernden Sicherheitslage in Europa.
Die kommende Diskussion wird somit nicht nur aktuelle Themen aufgreifen, sondern auch die vielschichtigen Facetten der deutsch-polnischen Beziehungen in den Mittelpunkt rücken. Leistungsträger aus beiden Ländern sind gefordert, im Sinne einer stabilen und freundschaftlichen Zukunft zusammenzuarbeiten.