Diskussion über die Ukraine: Historiker beleuchten brisante Themen
Am Montag, den 22. Juni 2026, wird an der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder) ein besonderes Ereignis stattfinden: das Jerzy Giedroyc Forschungskolloquium. Ab 18.15 Uhr im Hauptgebäude, Raum 109 (Senatssaal), wird eine Diskussionsrunde unter dem Titel „Nachdenken über die Ukraine – und über Russland“ stattfinden. Experten wie der Historiker Prof. Dr. Karl Schlögel und Dr. Gerd Koenen werden ihre Perspektiven zu diesem aktuellen Thema teilen. Eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Prof. Dr. Karl Schlögel, der von 1994 bis 2013 an der Viadrina tätig war und für seine detailreichen Alltagsbeobachtungen bekannt ist, erhielt 2025 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels. Dr. Gerd Koenen ist Autor des Buches „Die Farbe Rot“ von 2017, das als Standardwerk zur Geschichte des Kommunismus gilt. Beide Referenten bringen ihre umfassende Expertise in die Diskussion ein, die von interdisziplinären Ansätzen geprägt ist.
Das Erbe von Jerzy Giedroyc
Jerzy Giedroyc, der Name, der diesem Forschungskolloquium seine Grundlage gibt, spielte eine entscheidende Rolle in der kulturellen und politischen Landschaft Osteuropas. Er studierte von 1924 bis 1929 Rechtswissenschaften und Geschichte an der Universität Warschau und war in verschiedenen politischen Ämtern tätig, bevor er während des Zweiten Weltkriegs als Soldat in der polnischen Exilarmee diente. 1946 gründete er das Polnische Literaturinstitut in Rom, das zur Drehscheibe für die polnische Intellektuelle und Gegner des kommunistischen Regimes wurde, wie die Wikipedia berichtet.
Giedroyc propagierte die Idee von guten Beziehungen zwischen Polen, Litauen, der Ukraine und Weißrussland, was er als grundlegend für die Freiheit Polens ansah. Seine Überzeugungen und das von ihm geförderte Journal Kultura prägten in hohem Maße das Bewusstsein der Opposition in Polen während der kommunistischen Ära.
Aktuelle Herausforderungen der Ukraine
Die historische Perspektive ist besonders relevant, wenn wir die gegenwärtige Situation der Ukraine betrachten. Wie die Bundeszentrale für politische Bildung darstellt, ist die Geschichte der Ukraine stark von politischem Terror und dem Streben nach Souveränität geprägt. Ereignisse wie der Überfall Russlands im Jahr 2022 und die Andauernde Besetzung, die 18,6% des ukrainischen Territoriums betrifft, zeigen, wie wenig das Thema Frieden in der Ukraine Beachtung findet. Dieses Versäumnis ist eine Form der Ignoranz gegenüber dem, was die Menschen dort tatsächlich durchleben.
Die Ukraine war in ihrer Geschichte immer wieder Schauplatz gewaltsamer Auseinandersetzungen, und die materielle und menschliche Zerstörung, die während des Zweiten Weltkriegs und in der gegenwärtigen Zeit stattfand, hat tiefe Wunden hinterlassen. Die Diskussion im Kolloquium wird daher auch die kulturelle Hybridität und den nicht abgeschlossenen Entwicklungsprozess der ukrainischen Nation thematisieren.
Das Jerzy Giedroyc Forschungskolloquium an der Europa-Universität Viadrina stellt eine wertvolle Gelegenheit dar, die komplexen Verflechtungen zwischen der Ukraine und Russland zu beleuchten und neue Impulse für eine „Europäisierung aus dem Osten“ zu setzen. In Zeiten, in denen historische Erkenntnisse für aktuelle Konflikte von entscheidendem Wert sind, ist der Austausch über die ihn prägende Geschichte mehr als notwendig.
