Erster Tarifvertrag für Jack & Jones in der Türkei stärkt 500 Beschäftigte
In der Türkei haben die Gewerkschaft Koop-İş und Jack & Jones den ersten Tarifvertrag des Unternehmens abgeschlossen. Er gilt für rund 500 Beschäftigte in 24 Filialen. Vereinbart wurden bessere Arbeitsbedingungen, höhere Löhne, regelmäßige Lohnerhöhungen, eine Dienstalterszulage, ein Bonus sowie Kinder- und Sozialzuschläge. Für die Beschäftigten in den Filialen kommt außerdem eine Zusatzkrankenversicherung hinzu.
Der Weg dorthin war allerdings kein Spaziergang. Nach einer Organisierungskampagne überschritt Koop-İş die erforderliche Mitgliederquote von 40 Prozent, um die Beschäftigten 2024 vertreten zu können. Jack & Jones legte gegen die Anerkennung der Gewerkschaft als Verhandlungspartner Einspruch ein. Tarifgespräche waren damit zunächst blockiert.
Gericht entscheidet zugunsten der Gewerkschaft
Koop-İş reagierte mit einer großen Protestaktion, die von der internationalen Gewerkschaftsorganisation UNI unterstützt wurde. Anfang 2026 entschied schließlich ein Gericht zugunsten der Gewerkschaft. Danach begannen die Verhandlungen, die nun zum ersten Tarifvertrag von Jack & Jones in der Türkei führten.
Der Vertrag regelt Löhne, soziale Leistungen und Arbeitsbedingungen der Beschäftigten bei JACK & JONES beziehungsweise Bestseller. Hinter JACK & JONES steht das dänische Unternehmen Bestseller Birleşik Tekstil. Unterzeichnet wurde die Vereinbarung bei einer Zeremonie im Managementzentrum von JACK & JONES/Bestseller in Istanbul.
Für Koop-İş nahmen der Vorsitzende Eyüp Alemdar, die stellvertretenden Vorsitzenden Metin Güney und Şahin Kaya, der stellvertretende Generalsekretär Aytuğ Balaman sowie der Tarifvertragsexperte Abdurrahman Tatlıpınar teil. Das Unternehmen war durch den Landes-Vertriebsleiter Zahit Murat Apaydın, den Landes-Einzelhandelsleiter Kerem Emre, die Landes-Finanzleiterin Seda Kocaman, den Landes-Personalleiter Kaan Erdoğdu und den Rechtsberater Av. Yavuz Güngör vertreten. Auch die Betriebsvertreter Gökhan Gülen und Hasan Bedir waren dabei.
Eyüp Alemdar bezeichnete den Abschluss als Ergebnis der Arbeit und des organisierten Einsatzes der Beschäftigten. Der Vertrag solle die wirtschaftlichen und sozialen Rechte weiterentwickeln, Arbeitsbedingungen verbindlich regeln und eine Grundlage für den sozialen Dialog im Betrieb schaffen. Zugleich sprach Alemdar von einer Basis für gewerkschaftliche Ordnung und sozialen Frieden im Unternehmen sowie von einem Ausgangspunkt für künftige Verbesserungen. Den Gewerkschafts-, Unternehmens- und Betriebsvertretern und den Mitgliedern dankte er für ihre Beteiligung.
„Gemeinsames Handeln“
Koop-İş-Präsident Eyup Alemdar erklärte außerdem, die Vereinbarung sichere die Rechte, die Würde und die Zukunft der Beschäftigten. Sie schaffe bessere Arbeitsbedingungen und stärke die wirtschaftlichen und sozialen Rechte. Mathias Bolton, Leiter von UNI Handel, nannte den Abschluss das Ergebnis der Organisierung und Ausdauer der Beschäftigten. Er zeige, dass Beschäftigte durch gemeinsames Handeln Tarifverträge erreichen können.
Auch aus dem Unternehmen kamen versöhnliche Töne. Landes-Einzelhandelsleiter Kerem Emre sagte, die Verhandlungen seien in einem Umfeld gegenseitigen Verständnisses und konstruktiven Dialogs geführt worden. Bestseller sei sich des Beitrags und der Arbeit seiner Beschäftigten bewusst. Emre erwartet, dass der Tarifvertrag den sozialen Frieden im Unternehmen stärkt, und kündigte die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Koop-İş und den Beschäftigten an. Beide Seiten wünschten, dass die Vereinbarung den Beschäftigten, der Gewerkschaft und dem Unternehmen zugutekommt.
Türkischer Fast-Fashion-Einzelhandel
Der Abschluss steht in einer längeren Entwicklung. Der erste Tarifvertrag im türkischen Fast-Fashion-Einzelhandel wurde 2019 zwischen Koop-İş und H&M mit Unterstützung von UNI und auf Grundlage eines globalen Abkommens abgeschlossen. Seitdem haben sich Tausende Beschäftigte im Fast-Fashion- und Accessoires-Einzelhandel bei Koop-İş organisiert.
Weitere Tarifverträge kamen unter anderem mit Adidas, Nike, PUMA, Ralph Lauren, Levi Strauss, Swatch, ECCO und L’Oréal zustande. Mit dem Vertrag bei Jack & Jones wird nun auch in 24 türkischen Filialen festgelegt, was im Arbeitsalltag zählt: mehr Geld, zusätzliche Leistungen, verbindliche Regeln und eine stärkere gewerkschaftliche Vertretung. Der soziale Dialog bekommt damit nicht nur einen Platz am Verhandlungstisch, sondern auch ziemlich konkrete Zahlen auf dem Gehaltszettel.
