Europas Bischöfe in Salzburg: Nur der Frieden ist heilig
In Salzburg ist ein Friedensappell veröffentlicht worden, der den Krieg in der Ukraine und weitere Konflikte weltweit klar verurteilt. Zum Abschluss der Vollversammlung des Rates der Europäischen Bischofskonferenzen (CCEE) erklärten dessen Vorsitzende, Europa erlebe den grössten militärischen Konflikt seit dem Zweiten Weltkrieg. An Verletzungen zivilisatorischer Normen dürfe man sich nicht gewöhnen. Angesichts der in der Ukraine verübten Gräueltaten dürfe niemand gleichgültig bleiben.
Die Erklärung vom 29. Oktober ruft Menschen guten Willens dazu auf, am Aufbau eines echten Friedens mitzuwirken. Die Bischöfe schliessen sich dem Aufruf von Papst Leo XIV. zu einem «unbewaffneten und entwaffnenden, demütigen und beharrlichen Frieden» an. Ihr Satz ist unmissverständlich: «Es gibt keinen heiligen Krieg: Nur der Friede ist heilig.» Dabei bezogen sie sich auch auf Papst Johannes Paul II.
Frieden beginnt nicht am Verhandlungstisch
Die Bischöfe erinnerten an frühere Aufrufe an die Gläubigen, für den Frieden einzutreten und zu beten. Gebete und karitative Tätigkeiten richteten sich an alle Opfer von Krieg, Gewalt und Vertreibung – ebenso an Menschen, die wegen Unsicherheit und erhöhter Spannungen um ihre Zukunft fürchten.
Ein gerechter und nachhaltiger Frieden müsse in allen Konfliktgebieten Europas und der Welt angestrebt werden. Er könne nicht aufgezwungen werden und sei kein politischer «Deal», nicht lediglich ein Abkommen. Frieden beginne im menschlichen Herzen. Das klingt schlicht, ist politisch aber alles andere als bequem.
Als Bezugspunkt nannten die Vorsitzenden den heiligen Franz von Assisi, dessen 800. Todestag die Erklärung hervorhebt. Franz von Assisi gilt als «Meister des Friedens und der Versöhnung», als Lehrer des Friedens und der Versöhnung. Sein Friedensgruss lautet: «Der Herr schenke dir Frieden». Vergebung verwandle die Herzen und ebne den Weg zum Frieden. Schwierig sei das, räumten die Bischöfe ein – aber es sei der Weg des Evangeliums.
Neue Führung für den europäischen Bischofsrat
Die Vollversammlung begann am 27. Oktober und endete am Freitag in Salzburg. Gastgeber war der Vorsitzende der Österreichischen Bischofskonferenz, Erzbischof Franz Lackner. Vertreter von 35 europäischen Bischofskonferenzen tagten in der Salzburger Residenz. Es war die erstmals in Salzburg abgehaltene Vollversammlung des CCEE. Ihr Leitwort lautete «Evangelisierung und Synodalität: Die Sendung der Priester in Europa heute».
Bei der Sitzung wurde die Führung des Rates neu gewählt. Gintaras Linas Grusas, 65-jähriger Erzbischof von Vilnius und Vorsitzender der Litauischen Bischofskonferenz, wurde für weitere fünf Jahre als Präsident bestätigt. Neue Vizepräsidenten sind Eamon Martin, 65, Erzbischof von Armagh und Primas von ganz Irland, sowie Drazen Kutlesa, 58, Erzbischof von Zagreb und Vorsitzender der Kroatischen Bischofskonferenz. Sie folgen auf die Kardinäle Jean-Claude Hollerich und Ladislav Nemet.
Die Schweiz war durch den Churer Bischof Joseph Maria Bonnemain vertreten. Der CCEE ist der Zusammenschluss der Präsidenten der römisch-katholischen Bischofskonferenzen Europas. Das 1971 gegründete Gremium hat 39 Mitglieder: 33 Bischofskonferenzen sowie weitere Bischöfe und Erzbischöfe aus Luxemburg, Monaco, Zypern, Moldau, der Ukraine und Estland. Gemeinsam repräsentieren sie die katholische Kirche in 45 europäischen Ländern.
Von Chur und St. Gallen nach Rom
Gegründet wurde der Rat 1971 nach Initiativen europäischer Bischöfe im Umfeld des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962–1965). Er fördert die kollegiale Zusammenarbeit und den Dialog der europäischen Bischofskonferenzen und entwickelt gemeinsame pastorale Antworten auf soziale, kulturelle und spirituelle Herausforderungen. Zu den Arbeitsfeldern gehören unter anderem Migration, Medien, Ökumene, interreligiöser Dialog und soziale Fragen, ausserdem Berufungspastoral, Buddhismus, Evangelisierung, Katechese, Islam in Europa und Umwelt.
Der CCEE-Sitz befand sich zunächst sechs Jahre in Chur und ab 1977 für 47 Jahre in St. Gallen. Nach einem Beschluss der Vollversammlung vom 30. November 2023 in Valletta auf Malta wurde der Hauptsitz Anfang 2024 nach Rom verlegt. Als genannte Mitglieder beziehungsweise Amtsträger führt der Rat neben Gintaras Linas Grušas auch Jean-Claude Kardinal Hollerich, Erzbischof von Luxemburg und Vorsitzender der Kommission der Bischofskonferenzen der Europäischen Union (COMECE), László Kardinal Német, Erzbischof von Belgrad und Vorsitzender der Internationalen Bischofskonferenz der Heiligen Kyrill und Method, sowie Martin Michalíček.
Eng arbeitet der CCEE mit der Konferenz Europäischer Kirchen (KEK) zusammen. Diese Verbindung unterstützt den Dialog zwischen christlichen Kirchen und ein gemeinsames christliches Zeugnis in Europa. Daraus entstanden drei Europäische Ökumenische Versammlungen: 1989 in Basel, 1997 in Graz und 2007 in Sibiu. Ein gemeinsam verantwortetes ökumenisches Dokument ist die «Charta oecumenica».
Die Vollversammlung in Salzburg ist damit nicht nur ein Treffen mit neuer Personalie und grossem Leitwort. Zwischen Residenz, Gebeten und den Nachrichten aus der Ukraine lag sichtbar die ganze Spannung, mit der Europas Kirchen derzeit umgehen müssen: reden, vermitteln, helfen – und dabei nicht abstumpfen.
