G7 geben strategische Diesel- und Ölreserven gegen den Preisdruck frei
Die G7-Staaten wollen bis zu 100 Millionen Barrel Diesel und Rohöl aus ihren strategischen Reserven freigeben. Die Aktion soll über vier Monate laufen und die angespannten Energiemärkte entlasten. Frankreichs Präsident Emmanuel Macron teilte die Entscheidung nach einer Videokonferenz der G7-Vertreter zur Energiekrise mit.
Ausgelöst wurde der Schritt durch eine Forderung der US-Regierung. US-Präsident Donald Trump hatte europäische Staaten gedrängt, Dieselreserven rasch auf den Markt zu bringen, damit der Weltmarktpreis sinkt. Gleichzeitig stellten die USA indirekt einen möglichen Exportstopp für Diesel nach Europa in Aussicht. Kein besonders leiser Wink mit dem Zaunpfahl.
Freigabe unter IEA-Koordination
Die Freigabe soll über die Internationale Energieagentur (IEA) koordiniert werden. Ein erheblicher Teil des Diesels könnte bereits in den ersten 20 Tagen auf den Markt kommen. In den kommenden Tagen wollen die G7 außerdem über weitere Diesel-Freigaben beraten.
Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) sieht darin kein Risiko für die Energieversorgung. Eine ausreichende Reserve zur Versorgungssicherung bleibe jederzeit bestehen, sagte sie. Die Entwicklung werde fortlaufend überwacht. Aus deutschen Regierungskreisen hieß es, die Maßnahme solle die Versorgungslage und die Marktentwicklung stabilisieren.
Die G7 wollen zudem ihre Energieflüsse offenhalten, Raffineriekapazitäten koordinieren und deren Auslastung erhöhen, sofern das möglich ist. Ihre Maßnahmen wollen sie weiter abstimmen, um Öllieferungen durch die Straße von Hormus zu sichern. Reiche erklärte, Ziel der Gespräche in den vergangenen 48 Stunden sei ein gemeinsames und verlässliches Vorgehen gewesen. Der Preisdruck soll sinken, Unternehmen und Verbraucher sollen entlastet werden.
EU begrüßt den Beschluss
Die Europäische Union begrüßte die Entscheidung. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen erklärte, Brüssel unterstütze eine von der IEA koordinierte Freigabe. Bundesaußenminister Wadephul sagte, die Interessen der EU seien mit dem Ergebnis gewahrt. Reiche betonte ebenfalls, die Energieversorgung werde durch den Schritt nicht gefährdet.
Zur G7 gehören Deutschland, Frankreich, die USA, Großbritannien, Italien, Japan und Kanada. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nahm an den Gesprächen teil. An den Finanzmärkten sorgte die Ankündigung bereits für Entlastung; die Nachricht kam also nicht nur in Regierungskreisen an.
Die Treibstoffpreise waren in den vergangenen Wochen infolge des Iran-Kriegs erneut deutlich gestiegen. In den USA wird Diesel überwiegend für Nutzfahrzeuge wie Traktoren und Lastwagen verwendet. Der Preisanstieg erhöht dort den politischen Druck auf Trumps Republikaner: Etwa einen Monat vor den US-Zwischenwahlen liegen sie in Umfragen zurück.
Der Wahlkampf fährt mit
Beobachter vermuten deshalb, dass Donald Trump den Dieselpreis in den USA vor der Abstimmung im November senken möchte. Als möglicher Hintergrund der Freigabe gilt der US-Wahlkampf für die Zwischenwahlen. Für viele Unternehmen und Landwirte ist Diesel kein Randthema, sondern laufender Betrieb – Motor an, Kosten hoch.
Die Nachricht wurde am 2. Oktober 2026 im Deutschlandfunk ausgestrahlt. Heute, am 3. Oktober 2026, ist die Lage an der Uni Europa damit vor allem ein Blick auf eine Entscheidung, die weit entfernt getroffen wurde, aber an Tankstellen, in Lieferketten und bei den Heizkosten ankommen kann.
