Am 1. Juni 2026 hielt Erik Herrmann einen aufschlussreichen Vortrag über die Vorhersagen einer „Job-Apokalypse“ durch die Einführung von Künstlicher Intelligenz (KI) in Unternehmen. Verbreitete Ängste, vor allem in westlichen Industrieländern, über den Verlust von Arbeitsplätzen durch diese Technologie werden derzeit vielerorts diskutiert. Der Professor für Konsumentenpsychologie an der Europa-Universität Viadrina, der sich intensiv mit der Interaktion zwischen Menschen und KI beschäftigt, stellte fest, dass die befürchtete Arbeitslosigkeit, die viele im Jahr 2025 erwartet hatten, bislang nicht in dem prognostizierten Ausmaß eingetreten ist. Herrmann sieht in der KI nicht nur eine Gefahr, sondern zumindest in Teilen auch eine Chance zur Neuausrichtung der Arbeitswelt.

„Menschen neigen dazu, KI skeptisch zu betrachten“, so Herrmann. Dies zeigt eine Nutzer*innenbefragung zur KI-Anwendung Claude, die ein deutliches Bild über die Akzeptanz in verschiedenen Regionen der Welt liefert. Während die Ablehnung von KI in Westeuropa und den USA verbreitet ist, steht diese Technologie in Indien, Südamerika und Afrika offenbar höher im Kurs. Ein Beispiel für die Skepsis in westlichen Ländern: In Fabriken haben Arbeiter absichtlich Gegenstände in den Weg von Robotern gelegt, um deren Arbeit zu behindern. Dies verdeutlicht die zunehmende Kluft zwischen dem technischen Fortschritt und der menschlichen Akzeptanz.

Die Rolle von Künstlicher Intelligenz

Künstliche Intelligenz findet bereits Anwendung in verschiedenen Feldern wie Kundenkontakt, Marketing und Kommunikation. Herrmann selbst nutzt KI zur Formatierung von Literaturquellen, was ihm erlaubt, sich auf andere Aufgaben zu konzentrieren. Dennoch warnt er vor den Risiken einer unreflektierten Nutzung. Besonders hervorzuheben sind die Notwendigkeit, neue Fähigkeiten zu erlernen, die Gefahr von Halluzinationen – also die Generierung falscher Daten – sowie das Potenzial, dass KI-generierte Texte nicht den gewohnten Qualitätsstandards entsprechen.

Die rasante Entwicklung von Technologien wie ChatGPT, die ihren Durchbruch Ende 2022 feierte und innerhalb von fünf Tagen eine Million Nutzer gewann, hat die Diskussion über die Folgen für den Arbeitsmarkt weiter angeheizt. Eine Studie von Goldman Sachs zeigt, dass etwa zwei Drittel aller Berufe möglicherweise von generativer KI betroffen sein könnten. Dies könnte zur Schaffung von 800.000 neuen Arbeitsplätzen führen, während gleichzeitig ebenso viele verloren gehen könnten – ein Gleichgewicht, das jedoch nicht ohne Herausforderungen bleibt.

Technologischer Fortschritt und seine Probleme

Historisch gesehen führte technologischer Fortschritt oft zur Schaffung neuer Berufe, anstatt die Nachfrage nach menschlicher Arbeitskraft zu verringern. Ein positiver Blick auf die Zukunft zeigt, dass etwa 80% des Beschäftigungswachstums in den USA seit 1945 aus Berufen stammen, die damals nicht existierten. In Deutschland bleibt die Gesamtzahl der Arbeitsplätze voraussichtlich konstant, jedoch sind bestimmte Sektoren wie Unternehmensdienstleistungen von einem Rückgang betroffen, während in IT- und Informationsdienstleistungen Stellenzuwachs zu erwarten ist.

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In Deutschland hat die Roboterisierung, wie sie seit den 1990er Jahren im verarbeitenden Gewerbe zu beobachten ist, nicht zu einem Anstieg der Arbeitslosigkeit geführt. Stattdessen setzen Unternehmen auf Umschulungsmaßnahmen, um bestehende Mitarbeiter weiterzuentwickeln. Der Blick auf die weitere Zukunft bleibt jedoch kritisch, insbesondere da Deutschland im Bereich der digitalen Transformation hinter Ländern wie den USA und China zurückbleibt. Die Notwendigkeit für Deutschland, in KI zu investieren, wird immer deutlicher, um dem drohenden Verlust von Arbeitsplätzen entgegenzuwirken.

Erik Herrmann’s Beitrag zur Diskussion um die Rolle der KI zeigt, dass der Weg in die Zukunft der Arbeit kein einfacher sein wird. Die gesellschaftliche Gestaltung des Wandels durch instrumentelle Mitbestimmung, wie etwa durch Gewerkschaften, bleibt entscheidend für eine positive Entwicklung. Die nächsten Jahre werden zeigen, ob und wie wir den Herausforderungen begegnen können, die diese Technologien mit sich bringen.

Für weitere Informationen lesen Sie mehr bei Europa-Universität Viadrina, bpb und Deutschlandfunk.