Hans-Ludwig Lorenzen wurde am 30. Dezember 1955 in der unteren Schlossstraße in Flensburg geboren und wuchs auf der Westlichen Höhe auf. Kurz nach seiner Geburt zog die Familie in den Marienhölzungsweg. Dort verbrachte er Kindheit und Jugend – später sollte er wieder in die Westliche Höhe zurückkehren.

Bei seiner Geburt hatte Lorenzen die dänische Staatsangehörigkeit. Sein Vater Ludwig Lorenzen war 1915 in Hoyer, heute Højer in Dänemark, geboren worden. Hoyer gehörte bis zur Volksabstimmung 1920 zu Deutschland und kam anschließend zu Dänemark. Seine Mutter Hertha stammte aus Hirschberg im Riesengebirge, dem heutigen Jelenia Góra in Polen. Während des Zweiten Weltkriegs diente sie als Marineoberhelferin in der deutschen Kriegsmarine. Vor der Hochzeit mit seinem dänischen Vater legte sie ihre deutsche Staatsangehörigkeit ab und wurde dänische Staatsbürgerin. So blieben beide Eltern auch nach 1945 dänische Staatsbürger.

Vom Handballfeld ins Jurastudium

Seine Schullaufbahn begann 1963 an der Volksschule „Waldschule 2“ in der Waldstraße. Nach der vierten Klasse wechselte Lorenzen an die Hebbelschule, eine Realschule für Jungen. Die Schule zog später in ein Gebäude in der Bauer Landstraße um; dort legte er die Mittlere Reife ab. Anschließend besuchte er drei Jahre lang die Flensburger Handelslehranstalt im wirtschaftlichen Zweig und erwarb dort das Abitur.

Schon als Jugendlicher spielte Lorenzen Handball, zunächst beim Flensburger Turnerbund, der 1973 im TSB Flensburg aufging. Einer seiner Trainer war Lewe Volquardsen. Später wurde Lorenzen selbst Spielertrainer und trainierte Ende der 1990er Jahre mehrere Spielzeiten die Frauenmannschaft der SG Flensburg-Handewitt. Seit Anfang der 1990er Jahre besitzt er dauerhaft eine Saisonkarte für die Heimspiele der SG.

Eigentlich wollte Lorenzen Lehrer für Englisch, Geschichte und Sport werden. Die damaligen schlechten Berufsaussichten für Lehrkräfte machten ihm jedoch einen Strich durch die Rechnung. Auf Empfehlung seines Rechtskunde-Lehrers entschied er sich für ein Jurastudium. Vor dem Studium legte er seine dänische Staatsangehörigkeit in Kiel ab und war anschließend staatenlos.

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Im Wintersemester 1976/77 begann er an der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel Rechtswissenschaften zu studieren. Während dieser Zeit wohnte er in einer einfachen Zweier-WG in der Kieler Olshausenstraße. 1982 legte er das Erste Juristische Staatsexamen ab, danach folgte das Referendariat im Bezirk des Landgerichts Flensburg. Mit dem Zweiten Juristischen Staatsexamen 1985/86 war die juristische Ausbildung abgeschlossen.

Eine Kanzlei, die ohne fertiges Fundament begann

1985 gründete Lorenzen gemeinsam mit seiner Studienkollegin Silke Hinrichsen eine eigene Anwaltskanzlei in der Flensburger Norderstraße 34. Ein bestehendes Büro oder einen Kundenstamm übernahmen sie nicht. Sie bauten die Kanzlei von Grund auf auf. 1987 trat die zuvor selbstständig tätige Rechtsanwältin Irene Zeppenfeld ein.

Hinrichsen war neben ihrer anwaltlichen Arbeit politisch aktiv. Seit 1975 gehörte sie dem SSW an, von 1990 bis 2000 war sie Mitglied der Flensburger Ratsversammlung. Von 1996 bis 1998 führte sie die SSW-Fraktion, von 2000 bis 2005 saß sie im Schleswig-Holsteinischen Landtag. Ab 2009 war sie erneut in verschiedenen Funktionen im Landtag tätig.

1991 wurde Lorenzen zum Notar ernannt, Irene Zeppenfeld folgte 2004. Wegen des Wachstums zog die Kanzlei 2006 in Räume im Bürohaus Rote Straße 1 an der Ecke zur Friesischen Straße. Nach längerer Zusammenarbeit mit der dänischen Kanzlei Elmsted Advokater wurde deren Inhaber Preben Elmsted 2007 als freier Mitarbeiter aufgenommen. 2012 starb die Kanzleimitbegründerin Silke Hinrichsen unerwartet.

Lorenzen arbeitet schwerpunktmäßig im Arbeitsrecht, im allgemeinen Zivilrecht sowie im Handels- und Gesellschaftsrecht. Er ist weiterhin beruflich aktiv und beschreibt seine mehr als 40-jährige Tätigkeit als Anwalt als erfüllend. Im Vorjahr schloss er sich beruflich mit dem aus Sylt stammenden Notar Dr. Ole Cords zusammen.

Zu seinen weiteren Tätigkeiten gehören Lehraufträge an der Hochschule Flensburg, eine Dozententätigkeit bei der Wirtschaftsakademie Schleswig-Holstein und die Mitarbeit im Prüfungsausschuss der IHK Flensburg. Außerdem ist Lorenzen Mitglied im Deutschen Anwaltsverein sowie in den Arbeitsgemeinschaften Anwaltsnotariat und Strafrecht. Gelegentlich arbeitet er als Mediator.

Gemeinsam mit dem Dozenten Rüdiger Meyer entwickelte er an Hochschule und Wirtschaftsakademie einen Unterrichtsstil mit gegenseitigen Stichworten und humorvollen Dialogen. Berufliche Kontakte bestanden unter anderem zu Frank Steinau und Hans-Walter Lorenzen. Der gleiche Nachname sorgte dabei offenbar nicht für Verwandtschaft: Hans-Walter Lorenzen war trotz des Namens nicht mit ihm verwandt.

Stammtische, Nachtzüge und Grünkohl im Sommer

Abseits von Akten und Sitzungen pflegt Lorenzen zwei langjährige Stammtische. Der eine heißt „Bad Lieutenant“, benannt nach einem Kriminalfilm mit Harvey Keitel. Er entstand aus dem gemeinsamen Interesse an Konzertbesuchen und führte zu Reisen in mehrere europäische Länder.

Der zweite ist der „Stammtisch Solitüde“. Seit 1987 trifft sich die Runde alle zwei Wochen montags im Restaurant Acquarello. Jährlich stehen mehrtägige Reisen an; besucht wurden bereits zahlreiche europäische Hauptstädte, darunter Tirana. Eine feste Tradition ist außerdem ein Sommer-Grünkohlessen im August oder September. Grünkohl mitten im Sommer – kann man machen.

Mit Freunden bereiste Lorenzen Europa, die USA und Russland. Vor rund 20 Jahren fuhr er mit seinem Freund Sven Olsen in einem Nachtzug von Moskau nach Sankt Petersburg. Der Rhythmus der Schienen, lange Gespräche, vermutlich irgendwann müde Augen: Solche Reisen bleiben hängen.

Heute lebt Lorenzen in seinem Privathaus gegenüber seiner früheren Wirkungsstätte am Schützenhof in der Westlichen Höhe. Nach einer kürzlich erlittenen Verletzung plant er weitere Reisen, mit und ohne seine Stammtischfreunde. Der Handball ist ebenfalls geblieben – ebenso die Dauerkarte für die Heimspiele der SG Flensburg-Handewitt.

Eine Grenze, die bis in Familiengeschichten reicht

Dass Lorenzen bei seiner Geburt dänischer Staatsbürger war, verweist direkt auf die bewegte Geschichte Schleswig-Holsteins. Die Volksabstimmungen von 1920 fanden aufgrund des Versailler Vertrags am 10. Februar in Zone I, „Nordschleswig“, und am 14. März in Zone II, „Mittelschleswig“, statt.

In Zone I stimmten 74,9 Prozent für Dänemark und 25,1 Prozent für Deutschland; 0,6 Prozent der Stimmen waren ungültig, die Wahlbeteiligung lag bei 90,1 Prozent. In Zone II votierten 19,8 Prozent für Dänemark und 80,2 Prozent für Deutschland, bei einer Beteiligung von 90,8 Prozent. Ungültige Stimmen wurden dort nicht ausgewiesen. In Zone I galt das Gesamtergebnis, in Zone II wurde gemeindeweise entschieden.

Die Folge: Nordschleswig wurde von Deutschland abgetrennt und Dänemark angeschlossen, Südschleswig blieb bei Deutschland. Die Abstimmung wurde von der Internationalen Kommission für die Überwachung des Plebiszits in Schleswig vorbereitet und durchgeführt. Während dieser Zeit übernahm sie die Regierungsgewalt im Abstimmungsgebiet. Es war das erste Plebiszit unter Kontrolle eines internationalen Gremiums und wurde später vielfach als Beispiel für die friedliche Beilegung eines Grenzstreits betrachtet.

Die Vorgeschichte reicht weit zurück. 811 wurde die Eider als Grenze zwischen dem dänischen und dem fränkischen Herrschaftsbereich festgelegt. Schleswig war im Mittelalter dänisches Lehen; durch die Verbindung mit Holstein nahm ab dem späten Mittelalter der deutsche sprachliche und kulturelle Einfluss zu. Seit 1460 standen Schleswig und Holstein in Personalunion unter dem dänischen König. Holstein gehörte zugleich zum Heiligen Römischen Reich, Schleswig nicht.

Im 19. Jahrhundert verschärften nationalistische Bewegungen in Dänemark und Deutschland den Streit. Die Schleswig-Holsteinische Erhebung von 1848 bis 1851 endete mit dem Londoner Protokoll von 1852