Heute, am 5. November 2026, wird Prof. Dr. Angelika Brandt mit dem Deutschen Meerespreis 2026 ausgezeichnet. Die mit 20.000 Euro dotierte Ehrung findet bei einer Festveranstaltung im GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung Kiel statt. Schirmherr ist Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther.

Brandt ist Meeresbiologin an der Goethe-Universität Frankfurt am Main. Von 2017 bis 2026 war sie Professorin für Marine Zoologie an der Goethe-Universität sowie am Senckenberg Forschungsinstitut und Naturmuseum Frankfurt. Bis vor kurzem leitete sie außerdem die Abteilung Marine Zoologie der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung; dort ist sie weiterhin aktiv.

Was in der Tiefsee lebt

Im Mittelpunkt ihrer Arbeit steht die Biodiversität der Tiefsee und der Polarregionen, besonders der antarktischen Tiefsee. Brandt untersucht, welche Organismen dort leben, wie sie miteinander verwandt sind und wie sie sich über große Räume verbreiten. Auch die Anpassung an extreme Bedingungen sowie die Trennung von Arten durch geografische oder ökologische Barrieren gehören zu ihren Forschungsfragen.

Dafür verbindet sie klassische zoologische Beobachtung und Beschreibung mit modernen molekularbiologischen Methoden. Ihre Forschung berührt grundlegende Fragen der Evolutionsbiologie und Biogeografie – und ein weiterhin erstaunlich begrenztes Wissen über die Tiefsee und die Erhaltung ihrer marinen Artenvielfalt. Mehr als 100 neue Tiefseearten hat Brandt mitentdeckt.

Ausgezeichnet wird sie für herausragende wissenschaftliche Leistungen in der biologischen Tiefseeforschung und für ihr Engagement bei der verständlichen Vermittlung von Forschungsergebnissen. Dafür erhielt sie bereits mehrfach Anerkennung. Günther erklärte, Brandts Forschung helfe dabei, Veränderungen der Ozeane und deren Bedeutung für die Lebensgrundlagen zu verstehen.

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Preisverleihung in Kiel

Die Veranstaltung beginnt am Donnerstag, 5. November 2026, um 18 Uhr. Veranstaltungsort ist das GEOMAR, Gebäude 8, Foyer und Hörsaal, Wischhofstraße 1–3, 24148 Kiel. Weitere Informationen stehen unter www.deutscher-meerespreis.de.

Den Deutschen Meerespreis gibt es seit 2009. Er wird an Personen verliehen, die sich in besonderer Weise für den Schutz und Erhalt des Ozeans einsetzen. Seit 2024 wird die Auszeichnung in Kooperation mit der Prof. Dr. Werner Petersen-Stiftung alle zwei Jahre abwechselnd an bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens und an Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. 2026 ist nun die Wissenschaft an der Reihe.

Von Tiefseeproben zu DNA-Referenzen

Wie biologische Forschung und praktische Überwachung zusammenfinden können, zeigt auch das Projekt GEANS – „Genetische Hilfsmittel für die Untersuchung der Gesundheit von Ökosystemen“. Finanziert wird es durch das Interreg-North-Sea-Region-Programm 2014–2020. Neun Partner aus sieben Ländern der Nordseeregion arbeiten daran: Belgien, die Niederlande, Großbritannien, Deutschland, Dänemark, Schweden und Norwegen.

Gemeinsam mit Interessensvertretern sollen DNA-basierte Methoden in routinemäßige Monitoringprogramme einziehen und Politik sowie Entscheidungsfindung zur Ökosystemgesundheit unterstützen. Nach Projektangaben könnten solche Werkzeuge die Kosten des gesetzlich vorgeschriebenen Monitorings um 40 Prozent senken und die Bearbeitungszeit um 60 Prozent reduzieren.

GEANS ist in sechs Arbeitspakete gegliedert: WP1 übernimmt organisatorisches und finanzielles Management sowie die Koordination der Arbeitsabläufe. WP2 stimmt sich mit anderen Initiativen ab, fördert DNA-basierte Methoden, bindet Interessensvertreter stärker ein und unterstützt deren Anwendung im Ökosystemmanagement. WP3 baut eine verlässliche DNA-Referenzbibliothek auf Grundlage taxonomisch validierter Tiere auf. WP4 optimiert und standardisiert DNA-basierte Feld- und Laborprotokolle.

In WP5 laufen Pilotstudien zur Integration genetischer Protokolle in bestehende Umweltbewertungen und Managementverfahren. Dazu zählen der Einsatz im Rahmen der europäischen Natura-2000-Richtlinien, der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie und die Erfassung nicht einheimischer Arten. WP6 überträgt die Ergebnisse aus WP3 bis WP5 in ein Entscheidungsrahmenkonzept, wählt geeignete Protokolle für Echtzeitbewertungen aus und übersetzt wissenschaftliche Erkenntnisse in Indikatoren und Managementprodukte.

Bei Senckenberg sind Prof. Pedro Martinez Arbizu, Prof. Ingrid Kröncke, Dr. Magdalini Christodoulou, Kerstin Thaler und Marie Elisabeth Kaufmann beteiligt. Senckenberg koordiniert WP3: Entwickelt werden DNA-Barcode-Referenzbibliotheken für die benthische Makrofauna der Nordsee. Gemeinsam mit GEANS-Partnern und Interessensvertretern entsteht dafür eine Liste mit mehr als 800 Schlüsselarten, darunter über 100 nicht einheimische Arten.

Für jedes Tier werden nach einem standardisierten Feld- und Laborablauf COI-Sequenzen und Metadaten erfasst: Fotos, Voucher-Code, Fundort, Koordinaten und Datum. Das klingt nach viel Papier und noch mehr Tabellen – ist aber die Grundlage dafür, Arten per DNA zuverlässig zu erkennen.

Testläufe zwischen Norderney und Wilhelmshaven

Senckenberg beteiligt sich außerdem an WP5 mit zwei Fallstudien zum Weichboden-Monitoring und einer Fallstudie zu nicht einheimischen Arten. Verglichen werden morphologiebasierte und DNA-basierte Analysen. Die Forschenden prüfen, ob beide Methoden dieselben Informationen und Muster liefern, die für die Bewertung der Gesundheit der Nordsee-Ökosysteme wichtig sind.

Die erste Weichboden-Fallstudie liegt nahe der Insel Norderney. Dort verfügt Senckenberg über eine 40-jährige Zeitreihe im Rahmen des „Long Term Ecological Research North Sea Benthos Observatory“. Der Standort zählt zu den wenigen benthischen Langzeit-Untersuchungsstandorten in der Nordsee und weltweit.

Die zweite Fallstudie entsteht gemeinsam mit dem Landesbetrieb für Küstenschutz, Nationalpark und Meeresschutz Schleswig-Holstein. Sie liegt an einem Monitoringstandort der Meeresstrategie-Rahmenrichtlinie zwischen Helgoland und Sylt. Die Untersuchung zu nicht einheimischen Arten findet im JadeWeserPort in Wilhelmshaven statt, an einem Monitoringstandort für nicht einheimische Arten und in Kooperation mit dem Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie.

Wer die Projektarbeit verfolgen möchte, findet GEANS auch auf Twitter unter @GEANS_Interreg. Angelika Brandts Auszeichnung in Kiel bekommt damit einen ziemlich konkreten Unterbau: Tiefseetiere, DNA-Sequenzen, alte Messreihen – und die mühsame Arbeit, aus einzelnen Funden ein Bild vom Zustand der Meere zu bauen.