Jan Christoph Breitwieser übernimmt zum 1. Januar 2027 die Leitung des Hessischen Landesmuseums Darmstadt (HLMD). Vorgestellt wurde der 50-Jährige am Montag in der Gemäldegalerie des 19. Jahrhunderts. Für das Museum ist der Wechsel eine Weichenstellung in einer Zeit, in der die Besucherzahlen wieder deutlich nach oben zeigen.

Breitwieser folgt auf Martin Faass, der das Universalmuseum zum 1. März 2026 verlassen hat und die Leitung von Hessen Kassel Heritage übernahm. Seit 2016 steht Breitwieser dem Museum Bensheim vor, einem der ältesten Museen Südhessens. Dort entwickelte er eine neue archäologische Dauerausstellung, kuratierte überregional beachtete Kunstausstellungen und initiierte einen Podcast.

Ein Allrounder für ein großes Haus

Kunst- und Kulturminister Timon Gremmels nannte Breitwieser einen „Allrounder mit fachlichem Know-how und pragmatischem Management“. Zu seinen künftigen Aufgaben gehören laut Gremmels die Sicherung interdisziplinärer Arbeit, die Führung eines großen Teams, strategische Planung, klare Kommunikation und wirtschaftlich verantwortungsvolles Handeln. Klingt nach viel auf einmal – und genau das ist der Job an einem Universalmuseum.

Breitwieser engagiert sich unter anderem im Museumsverband Hessen und im Denkmalrat Hessen. Er gilt als national sowie international gut vernetzt. Sein eigenes Ziel formuliert er eher gemeinschaftlich: Gemeinsam mit dem Team möchte er das Landesmuseum als offenes und lebendiges Museum weiterentwickeln und die Verbindung verschiedener Sammlungen und Fachrichtungen stärken.

Sein fachlicher Weg begann an der Goethe-Universität Frankfurt mit dem Studium der Vor- und Frühgeschichte sowie der Archäologie und Kulturgeschichte des Vorderen Orients. In seiner Promotion untersuchte er hallstattzeitliche Gräberfelder in Frankfurt-Harheim; dafür erhielt er den Eduard-Anthes-Preis. Seit 2026 lehrt Breitwieser an der Goethe-Universität als Gastdozent Museologie und Ausstellungspraxis.

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Auch die Zahlen geben dem neuen Direktor Rückenwind: 2025 kamen 115.117 Besucherinnen und Besucher ins HLMD – die höchste Besucherzahl seit neun Jahren. Noch höher lag sie zuletzt 2015, im ersten Jahr nach der Wiedereröffnung des Museums nach siebenjähriger Sanierung: Damals wurden 145.949 Besuche gezählt. Martin Faass dankte den Gästen aus dem In- und Ausland ebenso wie den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Ein dichtes Ausstellungsjahr

Das 200-jährige Bestehen des Museums fiel vor sechs Jahren in die Corona-Pandemie. Umso voller wirkt das Programm 2026. Seit dem 20. März zeigt das Museum im Großen Saal „#SHOTBYADAMS“ mit Fotografien von Bryan Adams. Zu sehen sind Arbeiten aus den vier Serien „#SHOTBYADAMS“, „WOUNDED: THE LEGACY OF WAR“, „HOMELESS“ und „IN COLOUR“. Die Schau setzt die 2021 begonnene Reihe von Fotoausstellungen fort, in der zuvor Werke von Peter Lindbergh, Walter Schels und Candida Höfer gezeigt wurden.

In der Graphischen Sammlung widmet sich das Haus seit dem 18. Juni der Künstlerin Hedwig Kruse-Geibel (1895–1991). Ihre expressiven Papierarbeiten sind erstmals im Hessischen Landesmuseum Darmstadt zu sehen. Sie kreisen unter anderem um Kruse-Geibels Rollen als Künstlerin, Geliebte, Mutter und verlassene Frau. Antike Mythologie, Christentum, Judentum, Buddhismus und Islam greifen ineinander; dazu kommen fantastische Wesen sowie Figuren aus Mystik und Märchen. Linienführung und leuchtende Farben geben den Blättern ihren eigenen, ziemlich unmittelbaren Sog.

Seit dem 9. Juli sind im Oberlichtsaal vier großformatige Bildteppiche aus den 1950er Jahren zu sehen. Nach der weitgehenden Sanierung des im Zweiten Weltkrieg schwer beschädigten Museumsbaus hatte Direktor Erich Wiese sie in Auftrag gegeben. Beteiligt waren Else Mögelin, Johanna Schütz-Wolff, Inge und Fritz Vahle sowie Fritz Winter. Die Teppiche werden erstmals seit mehr als 50 Jahren wieder gezeigt – gemeinsam mit erhaltenen Entwurfszeichnungen.

„Facettenreiche Insekten“ läuft seit dem 13. August und noch bis zum 24. Januar 2027. Schillernde Käfer, Schmetterlinge und Ameisenkolonien führen in die Vielfalt der Insektenwelt; zugleich geht es um ihre Bedeutung für Ökosysteme. Wer schon einmal einer Ameisenstraße zugesehen hat, weiß: Da ist ordentlich Betrieb, auch wenn der Raum still bleibt.

Seit dem 2. Oktober präsentiert das Landesmuseum gemeinsam mit dem Museum Schnütgen und dem Museum für Ostasiatische Kunst in Köln die Herbstausstellung „Drachen – Mythos und Wirklichkeit“. Die interdisziplinäre Schau betrachtet Drachen kunsthistorisch und naturwissenschaftlich. Europäische und ostasiatische Kunstwerke von der Antike bis zur Gegenwart treffen auf Dokumente zur Wissenschaftsgeschichte, Millionen Jahre alte Fossilien und Tierpräparate. Digitale Inhalte, eine Erzählschiene für Kinder, eine Leseecke, eine Zeichenwand und audiovisuelle Installationen gehören ebenfalls dazu.

Bis zum 18. Oktober 2026 ist die Ausstellung über die Druckkünstlerin Hedwig Kruse zu sehen, bis zum 25. Oktober 2026 die Präsentation über wiederentdeckte textile Bilder. „Wildlife Photographer of the Year“ beendet ab dem 4. Dezember das Ausstellungsjahr. Eine Jury wählte dafür Natur- und Tierfotografien aus aller Welt aus – mit Wildtieren, seltenen Situationen und bedrohten Lebensräumen.

Im Frühjahr wurden außerdem die Ausstellungsbereiche im Karl-Ströher-Flügel mit Kunst nach 1945 neu gestaltet. Der Kalender ist damit nicht bloß voll, sondern eher randvoll.

Vom Drachen bis zum Menschenaffen

Wer sich durch die Sammlungen arbeitet, landet schnell bei der Mineralogie. Ihr Ursprung liegt in den großherzoglichen Sammlungen; den Grundstock legte Landgräfin Karoline (1721–1774). Später kamen die Sammlungen von Adolf von Hüpsch und Andreas Ludwig August Jakob Emmerling hinzu. Weil der Bergbau im Odenwald aufgegeben wurde, sicherte das Museum frühzeitig vorhandenes Referenzmaterial.

Erweitert wurde der Bestand 1995 durch die Sammlung Paul Ruppenthal, 2002 durch die Sammlung Ecker, 2004 durch die Sammlung Theo Schmitt, 2010 durch einen weiteren Ankauf und 2012 durch eine Micromount-Sammlung aus Reichenbach. Die Odenwaldsammlung umfasst inzwischen etwa 7.500 Stücke, die gesamte Mineraliensammlung etwa 33.000 Mineralien.

Zum geologischen Bestand gehören außerdem eine Sammlung aus dem Burgess-Schiefer im Yoho-Nationalpark in Kanada, die Rekonstruktion eines Ausschnitts aus einem Rudistenriff und fossile Säugetierreste aus den rund zehn Millionen Jahre alten Dinotheriensanden des Ur-Rheins in Rheinhessen. Besonders heraus sticht ein 1820 in Eppelsheim geborgener, etwa 28 Zentimeter langer Oberschenkelknochen des Menschenaffen Paidopithex rhenanus. Er gilt als weltweit ältester Fund eines fossilen Menschenaffen.

Die Zoologie geht auf das Naturalienkabinett des späteren Großherzogs Ludwig I. zurück. 1847 wurde die geologisch-mineralogische Sammlung ausgegliedert, 1893 die paläontologische. Im 19. Jahrhundert erweiterte Kustos Johann Jakob Kaup die zoologischen Bestände gezielt durch Ankäufe. Später kamen Objekte der Xarifa-Expeditionen von 1953/54 und 1957/58 hinzu, die unter Leitung des Tauchpioniers Hans Hass stattfanden; der frühere zoologische Kustos Georg Scheer nahm daran teil.

Die zoologische Ausstellung handelt von Naturwandel, Artenvielfalt, Anpassung und Aussterben. Zu sehen sind Präparate ausgestorbener oder rezent ausgestorbener Tierarten, darunter Quagga, Beutelwolf, Steller’sche Seekuh, Elfenbeinspecht, Riesenmoa, Rodrigues-Solitär, Vogls Stummelfußfrosch, Lappenhopf und Paradiessittich. In der umfangreichen Skelettsammlung steht außerdem das vollständig erhaltene Skelett eines Peale-Mastodons (Mammut americanum) aus den USA; im Raum hängt das Skelett eines Zwergwals. Systematische Schwerpunkte sind Korallen, Vögel und Säugetiere.

Aus der nahe Darmstadt gelegenen UNESCO-Welterbestätte Grube Messel stammen große