Weender Landstraße in Göttingen soll mehr Platz für Busse, Fahrräder, Fußgänger und Grün bekommen
Die Weender Landstraße in Göttingen könnte in den kommenden Jahren deutlich anders aussehen. Die Stadt plant, den rund 1,2 Kilometer langen Abschnitt der Bundesstraße 3 zwischen Nikolausberger Weg und Daimlerstraße neu zu ordnen. Aus vier Fahrspuren sollen voraussichtlich zwei werden – je eine pro Richtung. Ein konkreter Baubeginn steht allerdings noch nicht fest.
Rund 15 Millionen Euro sind für das Vorhaben veranschlagt. Der frei werdende Straßenraum soll künftig mehr Platz für den öffentlichen Nahverkehr, Radfahrer und Fußgänger sowie für Grünflächen bieten. Für alle, die täglich dort unterwegs sind, wäre das eine spürbare Veränderung: weniger Asphalt, andere Wege, neue Regeln an Kreuzungen. Und vermutlich einiges an Diskussion.
Weniger Spuren, weil der Verkehr sich verändert hat
Die Stadt begründet die geplante Reduzierung mit aktuellen Verkehrszahlen. Frühere Baustellen, bei denen zeitweise weniger Fahrspuren zur Verfügung standen, hätten keine negativen Auswirkungen auf den Verkehrsfluss gezeigt. Außerdem nutze ein Teil des Verkehrs inzwischen stärker die Stadteinfahrt über den Maschmühlenweg. Gemessen am heutigen Verkehrsaufkommen sei die Weender Landstraße deshalb überdimensioniert.
Ganz einfach wird die Neuordnung trotzdem nicht. Die Verkehrsabwicklung auf der Bundesstraße soll insbesondere an den Kreuzungen berücksichtigt werden. Auch die Verkehrssicherheit soll besser werden. Zugleich bleibt die Einstufung als Bundesstraße für den motorisierten Individualverkehr zu beachten – der Autoverkehr verschwindet also nicht aus der Planung, nur weil künftig weniger Fahrspuren vorgesehen sind.
Gebaut wurde die Straße in den 1950er- und 1960er-Jahren hauptsächlich für den motorisierten Verkehr. Vier Fahrspuren und vergleichsweise schmale Seitenbereiche prägen den Abschnitt bis heute. Nach den Plänen der Stadt soll der Straßenraum nun stärker auf die Bedeutung des öffentlichen Nahverkehrs, auf sichere Wege für Radfahrer und Fußgänger und auf mehr Grün reagieren. Die Bedeutung des Nahverkehrs auf dieser Strecke nehme zu, heißt es aus dem Rathaus.
Grün gegen Starkregen und Hitze
Die zusätzlichen Grünflächen wären dabei nicht bloß eine optische Zugabe zwischen Fahrbahn und Gehweg. Sie sollen der Starkregenvorsorge und der Klimaanpassung dienen. Wo heute vor allem Asphalt liegt, könnte künftig mehr Wasser versickern oder zurückgehalten werden. Gerade bei heftigen Regenfällen ist das ein ziemlich praktischer Gedanke – auch wenn der Umbau selbst erst einmal viel Planung, Zeit und Geld braucht.
Wie die Weender Landstraße am Ende aussehen könnte, will die Stadt öffentlich vorstellen. Die Veranstaltung findet am Dienstag, 17. November, von 17:30 bis 18:30 Uhr im Alten Rathaus am Markt statt. Die Stadtverwaltung und das Planungsbüro Mobycom wollen dort die Ausgangslage, verschiedene Varianten und den aktuellen Planungsstand präsentieren. Fragen sollen ebenfalls beantwortet werden.
Stadtbaurat Frithjof Look kündigt an, die Varianten frühzeitig und transparent öffentlich diskutieren zu lassen. Das Online-Portal zur Weender Landstraße ist bereits freigeschaltet. Eine Online-Beteiligung ist ab dem 23. November möglich; Anregungen und Verbesserungsvorschläge können bis zum 4. Januar eingereicht werden.
Für die Universität und das studentische Leben in Göttingen liegt die Strecke nicht gerade am Rand der Stadtwelt: Zwischen Innenstadt, Wohnvierteln und weiteren Zielen ist die Weender Landstraße eine wichtige Verbindung. Ob man dort im Bus sitzt, mit dem Fahrrad durch die morgendliche Kälte fährt oder zu Fuß an den Kreuzungen wartet – jede Änderung dürfte im Alltag schnell auffallen. Noch ist offen, welche Variante sich durchsetzt. Fest steht zunächst nur: Die vierspurige Straße, wie sie seit Jahrzehnten das Bild prägt, steht zur Debatte.
