Die US-Zwischenwahlen vom 3. November 2026 sind vorbei – und in Halle geht der Blick bereits über den Wahltag hinaus. Millionen US-Amerikaner stimmten über die künftige Zusammensetzung des Kongresses ab. Die Demokraten konnten nach den im Tagesspiegel genannten Ergebnissen sowohl das Repräsentantenhaus als auch den Senat gewinnen. In Michigan gelang dem Demokraten Abdul El-Sayed laut Artikel ein historischer Wahlsieg: Er wurde der erste muslimische Senator.

Für Donald Trump kommt das Ergebnis zur Unzeit. Seine zweite Amtszeit dauert regulär bis Anfang 2029; nach der US-Verfassung darf ein Präsident höchstens zweimal gewählt werden. Die Wahl galt deshalb zugleich als wichtiger Vorläufer für den Präsidentschaftswahlkampf 2028. Nach Kamala Harris’ Präsidentschaftsniederlage gegen Trump 2024 war die Demokratische Partei als geschwächt und zerstritten beschrieben worden. Von den Midterms erhoffte sie sich politischen Rückenwind.

Was die Wahl für Washington bedeutet

Vor der Abstimmung hatten die Republikaner unter Präsident Trump eine äußerst knappe Mehrheit in beiden Kongresskammern. Zur Wahl standen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und etwa ein Drittel der 100 Sitze im Senat. Die Wahlergebnisse wurden in Live-Grafiken zum Repräsentantenhaus, zum Senat und zu den Senatswahlen in den einzelnen Bundesstaaten dargestellt. Laut Prognosen änderten sich die Mehrheitsverhältnisse nach der Wahl.

Entscheidend ist dabei nicht bloß, wie viele Sitze eine Partei landesweit gewinnt. Es kommt darauf an, welche Kammer anschließend von welcher Partei kontrolliert wird. Der Senat besteht aus je zwei Senatoren pro Bundesstaat, die jeweils sechs Jahre im Amt sind. Er muss Bundesgesetzen zustimmen und bestätigt unter anderem hohe Regierungsbeamte, Richter und Botschafter. Dazu kommen Kontroll- und Beratungsfunktionen.

Im Repräsentantenhaus werden die 435 Abgeordneten alle zwei Jahre in Wahlkreisen gewählt. Die Kammer ist maßgeblich an der Gesetzgebung beteiligt, darf als einzige Kammer Steuer- und Finanzgesetze vorschlagen und kann ein Amtsenthebungsverfahren gegen den Präsidenten einleiten.

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Auch die Gouverneure spielen eine wichtige Rolle. Sie leiten die Regierungen ihrer Bundesstaaten und sind unter anderem für Bildung, Infrastruktur, Strafrecht und Gesundheitswesen zuständig. In den meisten Bundesstaaten beträgt ihre Amtszeit vier Jahre, in New Hampshire und Vermont zwei Jahre.

Vier Szenarien – und was davon übrig blieb

Vor der Wahl wurden vier mögliche Machtkonstellationen beschrieben. Hätten die Republikaner beide Kammern behalten, wäre das für Trump das günstigste Ergebnis gewesen und als Bestätigung seiner Präsidentschaft gewertet worden. Der Politikwissenschaftler Julian Müller-Kaler sah darin ein mögliches Zeichen dafür, dass der Trumpismus ein fester Bestandteil der US-Bevölkerung ist. Trumps Kontrolle über die Republikanische Partei hätte sich weiter gefestigt; seinen politischen Kurs sowie Personal-, Richter- und Gesetzesentscheidungen, besonders bei Budgetverhandlungen, hätte er vorantreiben können. Für die Demokraten wäre es ein schwerer Rückschlag gewesen, verbunden mit der Notwendigkeit, politische Ausrichtung und personelle Führung grundlegend zu überprüfen.

Im zweiten Szenario hätten die Demokraten das Repräsentantenhaus gewonnen, während die Republikaner den Senat behielten. Die Macht im Kongress wäre geteilt gewesen. Eine demokratische Mehrheit im Repräsentantenhaus hätte die Regierung stärker kontrollieren und Untersuchungen einleiten können; den Republikanern wären im Senat wichtige Befugnisse geblieben, vor allem bei Richterernennungen und Personalentscheidungen. Müller-Kaler hielt diese Variante für die wahrscheinlichste: ein Warnsignal und Ausdruck wachsender Unzufriedenheit mit Trump, aber keine grundlegende Abkehr vom Trumpismus. Ohne deutliche demokratische Zugewinne in vielen Wahlkreisen wäre das Ergebnis für Trump politisch verkraftbar geblieben.

Variante drei sah ein republikanisch kontrolliertes Repräsentantenhaus und einen demokratischen Senat vor. Gerade wegen der Zuständigkeit für Bundesrichter und Personalentscheidungen wäre der Senatsgewinn der Demokraten bedeutsam gewesen. Sie hätten Kandidaten Trumps blockieren und auf Nominierungsverfahren Einfluss nehmen können. Müller-Kaler bewertete dieses Szenario als eher unwahrscheinlich und als begrenzte politische Abrechnung mit Trumps Politik. Demokratische Erfolge in traditionell republikanischen Staaten wie Texas hätten zugleich als Signal für die Präsidentschaftswahl 2028 wirken und den kommenden Wahlkampf beeinflussen können.

Das vierte Szenario – ein demokratischer Sieg in beiden Kammern – hätte Trump am stärksten unter Druck gesetzt und als klare Abkehr von seiner Politik gegolten. Nach Einschätzung Müller-Kalers hätten der Iran-Krieg und die damit verbundenen Preissteigerungen die Stimmung zuletzt zulasten Trumps verändert. Die Demokraten hätten Untersuchungsausschüsse vorantreiben, mehr Informationen von der Regierung verlangen und die Kontrollfunktion des Kongresses stärken können. Für die Republikaner wären vor allem Haushalts- und Budgetfragen schwieriger geworden.

Trumps bislang weitgehend ungehinderte Regierungsführung wäre dann beendet gewesen. Innerhalb der Republikanischen Partei hätte sein Einfluss abnehmen können, Parteikollegen hätten sich stärker von ihm distanziert. Eine deutliche demokratische Mehrheit in beiden Kammern hätte seine Machtposition und seine Aussichten auf die Präsidentschaftswahl 2028 geschwächt. Als wichtigstes verbleibendes politisches Feld wäre ihm vor allem die Außenpolitik geblieben. Müller-Kaler warnte, ein politisch geschwächter und impulsiver Präsident könne in den verbleibenden zwei Jahren außenpolitisch erhebliche internationale Spannungen verursachen.

Die transatlantische Frage kommt nach Halle

Welche Folgen die Wahlergebnisse für Washington, Berlin und Europa haben, soll nun eine Veranstaltung der Reihe „Klartext Sicherheit“ Mitte November beleuchten. Auf dem Tisch liegen die Entwicklung der transatlantischen Beziehungen, mögliche Konsequenzen für die NATO und die Zukunft der europäischen Sicherheits- und Verteidigungspolitik. Auch globale Krisen und sicherheitspolitische Herausforderungen werden Thema sein.

Als Experte nimmt Christoph Eichhorn, Botschafter a. D., teil. Eichhorn war unter anderem deutscher Botschafter in Estland und Bulgarien sowie Gesandter an der deutschen Botschaft in Washington. Veranstalter ist die Deutsche Atlantische Gesellschaft.

Die Diskussion findet am Dienstag, 17. November 2026, von 19:00–21:00 Uhr im Operncafé, Universitätsring 24, Halle, statt. Einlass ab 19:00 Uhr. Die Teilnahme ist kostenlos.

Wer dabei sein möchte, kann sich unter https://ata-dag.de/veranstaltung/us-midterms-2026-und-die-folgen-fuer-deutschland-europa-und-die-usa/ anmelden.