Neuer Landtag, neue Sitzordnung: Sachsen-Anhalt startet in die 9. Wahlperiode
Am 6. Oktober 2026 wird es im Magdeburger Landtagsgebäude eng: 83 Abgeordnete kommen zur ersten, konstituierenden Sitzung der 9. Wahlperiode zusammen. Gewählt wurde der neue Landtag am 6. September 2026. Heute, am 2. Oktober, laufen im Plenarsaal noch Umbauarbeiten, weil sich die Sitzordnung verändert hat. Bis Dienstag soll alles fertig sein – ziemlich knapp, aber im Parlamentsbetrieb offenbar kein Grund für lange Pausen.
Die Sitzung beginnt um 11 Uhr und wird per Livestream übertragen. Landtagspräsident Dr. Gunnar Schellenberger ist nach Artikel 45 Absatz 1 Satz 2 der Landesverfassung dafür zuständig, den neu gewählten Landtag einzuberufen. Auf den Termin hatten sich Vertreter der sechs künftigen Fraktionen am 16. September 2026 verständigt. Die offizielle Einladung wird den Abgeordneten nach der Feststellung des endgültigen Wahlergebnisses durch den Landeswahlausschuss zugestellt.
Der MDR sendet live aus Magdeburg
Der Mitteldeutsche Rundfunk begleitet die konstituierende Sitzung ausführlich: auf mdr.de, im Fernsehen, im Radio und über die sozialen Medien. Ab 10:55 Uhr läuft „MDR aktuell extra“ live im MDR-Fernsehen, auf mdr.de und in der MDR-aktuell-App. Im Mittelpunkt steht unter anderem die Wahl des Landtagspräsidenten.
Moderiert wird die Sendung von Susann Reichenbach und Gunnar Breske. Als Gesprächspartner aus der Universität Halle sind der Politikwissenschaftler Prof. Marcel Lewandowsky und der Professor für Öffentliches Recht Winfried Kluth vorgesehen. Für Studierende und Wissenschaftsinteressierte an der Uni Halle dürfte das eine gute Gelegenheit sein, die politischen Abläufe nicht nur aus dem Hörsaal, sondern direkt im laufenden Geschehen zu verfolgen.
Auf mdr.de hält ein fortlaufender Live-Ticker über die Sitzung auf dem Laufenden. Nach dem Livestream ist „MDR aktuell live“ mit Einschätzungen und Einordnungen geplant. Das Audio-Angebot von „MDR aktuell“ liefert zusätzlich Hintergrundberichte und Analysen. MDR Sachsen-Anhalt informiert außerdem ausführlich im Radio.
Im Fernsehen wird die Sitzung auch in „MDR um 2“, in „MDR Sachsen-Anhalt heute“ und in den Ausgaben von „MDR aktuell“ aufgegriffen. Die Social-Media-Angebote von MDR Sachsen-Anhalt berichten ebenfalls über den Tag im Landtag.
Eine neue Sitzordnung, ein neuer Auftakt
Der Landtag von Sachsen-Anhalt ist das Landesparlament des Bundeslandes. Sein Sitz liegt am Domplatz 6–9 in Magdeburg. Die aktuelle Legislaturperiode umfasst fünf Jahre; die nächste Wahl ist voraussichtlich 2031. Nach der angegebenen Sitzverteilung gehören 56 Sitze den Regierungsfraktionen: 40 für die CDU, 9 für die SPD und 7 für die FDP. Die Opposition kommt auf 41 Sitze: 22 für die AfD, 11 für die Linke und 6 für die Grünen. Dazu kommen 2 fraktionslose Abgeordnete, darunter eine AfD-Abgeordnete und eine parteilose Abgeordnete.
Als Landtagspräsident ist Gunnar Schellenberger (CDU) genannt, Vizepräsidenten sind Anne-Marie Keding (CDU) und Wulf Gallert (Linke). Die aktuelle Mitgliederzahl des Landtags wird mit 97 Abgeordneten angegeben, die Mindestmandatszahl liegt bei 83. Für die konstituierende Sitzung am 6. Oktober sind zunächst die 83 neu gewählten Abgeordneten angekündigt.
Der Weg des Parlaments an den Domplatz war nicht geradlinig. Die ersten sechs Sitzungen des neu gewählten Landtags fanden vom 28. Oktober bis 20. Dezember 1990 provisorisch in der Johann-Philipp-Becker-Kaserne in Dessau statt. Mit knapper Mehrheit entschied sich das Parlament damals für Magdeburg statt Halle als Parlamentssitz. Seit dem 17. Januar 1991 tagt der Landtag im Gebäudekomplex „Domplatz 6–9“, dem früheren Sitz einer Ingenieurschule für Wasserwirtschaft.
Das Gebäude wurde über knapp zwei Jahrzehnte und in mehreren Bauphasen für 44,89 Millionen Euro umgebaut. Heute ist der Parlamentssitz barrierefrei. Außen trifft eine bürgerlich-barocke Fassade auf ein funktionales Inneres, das sich an der Bauhaus-Tradition orientiert. Wer den Ort auf der Karte sucht: Die Koordinaten lauten 52° 7′ 35,4″ N, 11° 38′ 9,6″ O.
Vom Nachkriegsland zum heutigen Parlament
Sachsen-Anhalt entstand am 22. Juli 1990 durch das Ländereinführungsgesetz aus den damaligen DDR-Bezirken Magdeburg und Halle. Das Gebiet orientierte sich weitgehend am früheren Land Sachsen-Anhalt beziehungsweise an der preußischen Provinz Sachsen. Schon von 1945 bis 1952 bestanden Landtage von Sachsen-Anhalt; Wahlen fanden 1946 und 1950 statt.
Die Landtagswahl von 1946 war laut der vorliegenden Darstellung die einzige demokratische Wahl in Ostdeutschland zwischen 1933 und 1990. Die Parteien hatten allerdings wegen der Einflussnahmen der Besatzungsbehörden zugunsten der SED ungleiche Chancen. Der erste Landtag nach der Wiedergründung des Landes wurde am 14. Oktober 1990 gewählt.
In seiner ersten Sitzung am 28. Oktober 1990 verabschiedete der Landtag eine vorläufige Ordnung für das Verhältnis zwischen Abgeordneten und Regierung. Bis zur Verabschiedung der Landesverfassung 1992 dauerte eine etwa zweijährige „verfassungslose“ Übergangszeit. Von 1994 bis 2002 führte die SPD unter Ministerpräsident Reinhard Höppner zwei Minderheitsregierungen, die ausdrücklich von der PDS geduldet wurden.
Am 7. Oktober 2026 folgt in Erfurt eine Sondersitzung des Thüringer Landtags. Auch darüber berichtet der MDR auf mdr.de sowie im Radio und Fernsehen. Erst Magdeburg, dann Erfurt – im mitteldeutschen Parlamentskalender bleibt damit kaum Zeit, den Livestream auszuschalten.
